Die FPÖ konnte sich nicht mit entbehrlichen Kommentaren zur bevorstehenden Wahl von Ex-ÖVP-Parteiobmann Josef Pröll zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden des ÖFB, wie der Präsident nach der Hauptversammlung am 18. Mai heißen wird, zurückhalten. Obwohl es schon vor einem Jahrzehnt oder noch früher ÖFB-Präsidenten mit Nähe zur ÖVP gab. Medien mit Nähe zu Raiffeisen-Konzern beurteilten die Entscheidung für den Raiffeisen-Kandidaten Pröll durchaus positiv, andere, die mit Sturm Graz-Boss Christian Jauk rechneten, sprachen von Farce und viel Gegenwind. Die komische Facette der Pröll-Kür lieferte wieder einmal Niederösterreichs Langzeit-Präsident Johann Gartner. Als Sponsor Raiffeisen im Februar via Brief an Wahlkommission und Präsidiumsmitglieder einen externen Kandidaten forderte, auch zwei Namen nannte, konterte Gartner mit der Feststellung, man lasse sich von einem Sponsor nichts vorschreiben. Ausgerechnet Gartner brachte mit Pröll einen Kandidaten aus dem Raiffeisen-Konzern bei der Wahlkmmission ins Gespräch.
Offiziell einstimmig war die Bestellung von Pröll. Man köntne die Stimmenthaltungen der Landesverbandsprsidenten aus der Steiermark, des Burgenlands und Vorarlberg sowie des Bundesligaverteters auch als Gegegenstimmen werten. Als im Jänner Interimspräsident Wolfgang Bartosch den Beschluss durchbrachte, Generalsekretär Thomas Hollerer und Geschäftsführer Bernhard Neuhold im Amt zu belassen, gab es sogar neun Enthaltungen. Dafür stimmte nur Bartosch. Als Interimspräsident und steirischer Verbandschef. Wenn man jetzt von einer Farce redet, dann war das zuvor die noch viel größere.
Bevor in Bregenz Pröll gewählt wird, soll auch die sogenannte Reform (siehe oben), die noch Ex-Präsident Klaus Mitterdorfer auf den Weg brachte, beschlossen und damit ein neuer Vorstandsvorsitzender installiert werden. Den zu bestimmen, wird die erste Nagelprobe für den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden. Hätte der Jauk geheißen, wäre wohl die Wahl auf Ligavorstand Christian Ebenbauer gefallen. Dann hätte die Bundesliga auch den ÖFB kontrolliert. Mit Pröll, dem die Befürworter aufgrund seiner Erfahrung zutrauen, moderne Strukturen zu schaffen, wird das nicht möglich sein. Aber es wird für ihn sicher zur ersten Nagelprobe, wie er es angeht, den neuen Vorstandsvorsitzenden zu bestellen. Etwa mithilfe einer internationalen Ausschreibung? In Wahrheit wird das die meisten Fans nicht besonders interessieren. Die wollen nur eines: Dass Österreichs in einem Jahr bei der WM-Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko dabei sein wird. Dan wäre Proll der erste ÖFB-Präsident nach Beppo Mauhart, der dies schaffte. Vier Nachfolger sind daran gescheitert.