Sensationell, dass es beim Fußballbund etwas gibt, was nicht an die Öffentlichkeit dringt. Wie die Kandidatur des frühere Vizekanzlers, Finanzministers und Bundesparteiobmanns der ÖVP, Josef Pröll, als neuer Präsident des Fußballbunds, der am 18. Mai in Bregenz gewählt, den Titel Aufsichtsratsvorsitzender tragen und wenig bis nichts mit dem operativen Geschäft zu tun haben wird. Auf den 56-jährigen Stockerauer einigte sich die zehnköpfige Wahlkommission des ÖFB, zu der alle Landesverbandspräsidenten gehören, Mittwoch in einer mehr als dreistündigen Sitzung einstimmig. Pröll wird künftig zwei Stellvertreter haben. Einer aus dem Kreis der Landesverbandspräsidenten, nämlich den sehr von sich überzeugten Burgenländer Johannes Wutzlhofer. Und einen, den die Bundesliga nominiert.
Der Name Pröll fiel in den monatelangen Diskussionen um den ÖFB-Präsidenten eigentlich nie. Er ist der geforderte externe Kandidat mit sehr guten Kontakten zur Politik und Wirtschaft, gegen ihn wird auch Sponsor Raiffeisen nichts einzuwenden haben. Denn Pröll, der vor 14 Jahren nach gesundheitlichen Problemen aus der Politik ausschied, kommt tief aus dem Raiffeisen-Konzern, ist Generaldirektor bei Leipnik-Lundenburger, einer Invest-Beteiligungs AG. Könnte durchaus sein, dass Pröll ein Raiffeisen-Kandidat war. Den aus dem Präsidium Johann Gartner, der Langzeit-Präsident des niederösterreichischen Verbands, der so gerne Wortmeldungen liefert, über die man den Kopf schütteln kann oder sogar muss, vorschlug. Daraufhin nahmen vor zwei Wocen Martin Mutz, der Vorsitzende der Wahlkommission und sein Stellvertreter Sepp Geisler Kontakt mit Pröll auf. Er stellte sich dem Hearing, überzeugte offenbar alle. Mittwoch wurde auch noch über Hartbergs Präsidentin Brigitte Annerl, Sturm Graz-Boss Christian Jauk und Wutzlhofer als Kandidaten gesprochen.
Pröll hat auch eine Vergangenheit im Fußball. Bei der Wiener Austria. Bei der gehörte er sieben Jahre lang, von 2011 bis 2018, zum Aufsichtsrat, war nach dem Rückzug von Präsident Wolfgang Katzian drei Jahre lang Vizepräsident. Hörte jedoch 2021 aus beruflichen Gründen auf, als die Konkursgefahr der Austria immer greifbarer und größer wurde. Die verhängnisvollen Beschlüsse, die zum violetten Finanzdebakel führten, passierten, als Katzian Präsident, Pröll im Aufsichtsrat und Markus Kraetschmer Geschäftsführer war. Was zeigt: Man könnte auch beim künftigen ÖFB-Präsidenten ein Haar in der Suppe finden, wenn man danach sucht. Interviews wollte Pröll noch keine geben. Er will eine gewisse Ruhe reinbringen, die Außendarstellung des ÖFB verbessern. Das wird ihm gelingen.
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