Fußball

Die Sorgen von Murat Yakin sollte Franco Foda haben

In Österreich fragen sich nach dem 4:2 gegen Israel in Klagenfurt am Freitag einige Kritiker von Teamchef Franco Foda, ob dies reicht, um die Diskussionen um ihn für beendet zu erklären. Allein die Frage zeigt schon, dass sie ein Nein als Antwort fordern und erhoffen. ÖFB-Präsident Gerhard Milletich klang  Freitag Abend im ORF-Interview etwas anders. Beim Nachbarn Schweiz gibt es andere Sorgen: Ob es Montag noch gelingt, Europameister Italien zu überholen, direkt das WM-Ticket zu schaffen. Derzeit hat der noch die um zwei Treffer bessere Tordifferenz, spielt in Belfast gegen Nordirland. Also müssten die Schweizer mit Salzburg-Legionär Noah Okafor in der Luzerner Swissporarena, in der letzte Saison Österreichs Doppeltorschütze vom Freitag, Louis Schaub, der erklärte Publikumsliebling war, Bulgarien möglichst hoch bezwingen, um die Squadra Azzura auch bei der Tordifferenz einzuholen. Bei gleicher Punkteanzahl und Tordifferenz zähen die direkten Duelle. Die sprechen nach dem 0:0 in Basel und dem 1:1 am Freitag in Rom durch das Auswärtstor für die Schweiz. Kann das gelingen?

Ähnliche Sorgen wie sein Schweizer Kollege Murat Yakin, der nach der Europameisterschaft den Job des zu Bordeaux gewechselten Vladimir Petkovic übernahm, zuvor Zweitligist Schaffhausen trainierte, aber als Ex-Teamspieler viel Kredit hat, sollte Foda haben. Hat sie leider nicht. Da geht es nicht um Platz eins, sondern um Platz drei. Daher war der Jubel der Schweizer im Olympiastadion von Rom über das Unentschieden (Bild oben) auch größer als der von Österreich in Klagenfurt. Ihre Leistung war auch besser. Aber nicht nur Freitag, sondern über Jahrzehnte. Daher sollte man sich in Österreich ernsthaft überlegen, was denn die Schweizer besser machen. 1998 war Österreich zum bisher letzten Mal bei einer Weltmeisterschaft dabei. Die Schweiz kam in diesen 23 Jahren 2006 bei der WM in Deutschland ins Achtelfinale, schied 2010 in Südafrika zwar nach den Gruppenspielen aus, schlug aber den späteren Weltmeister Spanien 1:0, erreichte 2014 in Brasilien und 2018 ebenfalls das Achtelfinale. Auch bei vier Europameisterschaften, bei zwei mehr als Österreich, war die Schweiz dabei.  2004 in Portugal, vier Jahr später so wie Österreich als Veranstalter, 2016 im Achtelfinale (Österreich schied nach den Gruppenspielen aus), 2021 nach einem Sieg über Weltmeister Frankreich sogar im Viertelfinale (Österreich „nur“ im Achtelfinale).

Eine Bilanz, die alles sagt. Die Eidgenossen müssen, angefangen im Nachwuchs, offenbar die bessere Konzepthaben. Sie können auch Ausfälle wegstecken. Bei Österreich machte es sich im Herbst bemerkbar, dass Stefan Lainer, Xaver Schlager, Sasa Kalajdzic und Kapitän Julian Baumgartlinger ausfielen, bei der Schweiz fehlten in Rom Kapitän Granit Xhaka, mit Innenverteidiger Nico Elvedi und Stürmer Breel Embolo zwei verletzte Legionäre von Mönchenglabach. Dazu Benfica-Stürmer Haris Seferovic. Es klappt trotzdem. Montag ist mit dem gesperrten Manuel Akanji von Borussia Dortmund auch der zweite Innenverteidiger, der zur ersten Garnitur gehört, nicht dabei. Yakin hat Alternativen bereit. Unter anderem einen Salzburg-Legionär. Den 19 jährigen Bryan Okoh, der eigentlich zur Liefering-Stammbesetzung gehört.

Auf den Innenverteidiger-Positionen kann Österreich mit den Schweizern aber mithalten. Darum wird es kein Problem sein, dass Martin Hinteregger gegen Moldau gesperrt ist. Könnte sein, dass sein „Ersatz“ Aleksandar Dragovic die Mannschaft in seinem 98. Länderspiel als Kapitän auf das Feld führen wird. Da David Alaba aus Gründen des  Belastungssteuerung, die bereits im Vorfeld besprochen wurden, Samstag das Teamcamp in Klagenfurt verlassen durfte. Zur Freude von Real Madrids Trainer Carlo Ancelotti. Christoph Baumgartner ist wegen muskulärer Probleme nicht mehr dabei. Salzburg-Stürmer Junior Adamu, der Freitag ein kurzes Debüt feierte, wird Montag auch nicht spielen. Das wird er Dienstag in der U 21 gegen Kroatien tun. Das steht auch bei Yusuf Demir noch zur Diskussion.

Sonntag Abend werden Foda und seine Spieler drei weitere mögliche Gegner für die Play offs im März wissen. Das entscheiden die drei Finalspiele in Lissabon, Split und Sevilla. Portugal reicht ohne den gesperrten Abwehrchef Pepe nach dem schwachen 0:0 in Irland gegen Serbien ein Unentschieden, um die Gruppe zu gewinnen. Kroatien braucht in Split einen Sieg über Russland, um die Gruppe zu gewinnen., Spanien braucht in Sevilla einen Punkt, um vor Spanien zu bleiben. Sieht also derzeit nach Serbien, Russland, Schweden und Nordmazedonien als mögliche Österreich-Gegner aus. Seit Samstag auch nach Finnland, Wales und die Türkei. Die Finnen überholten in der Gruppe von Weltmeister Frankreich  durch ein 3:1 in Bosnien die Ukraine, sind Zweiter. Frankreich löste mit einem 8:0-Kantersieg gegen Kasachstan das Ticket für die Wüsten-WM in Katar. Wales überholte in Cardiff durch das 5:1 gegen Weißrussland Tschechien, liegt in der Belgien-Gruppe auf Rang zwei. Die Türkei profitierte mit ihrem neuen deutschen Teamchef Stefan Kuntz vom Umfaller Norwegens. Nach dem 0:0 gegen Estland in Oslo liegen die Türken durch 6:0 gegen Gibraltar in Istanbul durch die um einen Treffer bessere Tordifferenz vor Norwegen und hinter Holland (in Podgorica 2:2 gegen Montenegro) auf Rang zwei. Das letzte Tor für die Türkei, das Platz zwei brachte, erzielte der zur zweiten Hälfte eingewechselte Ex-Rapidler Mert Müldür.

Foto: UEFA.

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