Fußball

Ebreichsdorf fast die Steigerung von Lotte

Fußball-Deutschland redet von Sportfreunde Lotte aus einer 14.000 Einwohner-Kleinstadt in Nordrhein Westfalen an der Grenze zu Niedersachsen. Lotte wurde bisher  am ehesten noch mit dem Autobahnkreuz Lotte-Osnabrück assoziiert. Seit Dienstag Abend endgültig als der Riesentöter im deutschen Pokal. In das Stadion von Lotte (Fassungsraum 10.654) passen fast alle Einwohner rein, der 65jährige Klubchef mäht stets selbst den Rasen. 8763 Fans bejubelten die unfassbare Sensation gegen Leverkusen. Zweimal in Rückstand, zweimal ausgeglichen . Zum 2:2 in der Verlängerung dezimiert in Unterzahl. Und dann das Elferschießen 4:3 gewonnen. Damit  ist Lott so etwas wie ein Cupfriedhof für österreichische Deutschland-Legionäre: In der ersten Runde scheiterten dort mit Werder Bremen Zlatko Junuzovic (erzielte beim blamablen 1:2 das Tor), Florian Kainz und Florian Grillitsch, jetzt Rambo Özcan bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz im Leverkusen-Tor trotz zwei gehaltener Penaltys, Aleksandar Dragovic bei seinem Comeback, bei dem er bereits nach 28 Minuten von Referee Stark Gelb sah und Julian Baumgartlinger.  Die tragische Figur: Österreichs Teamkapitän bereitete in der Verlängerung die 2:1-Führung  vor, vergab aber im Penaltydrama den entscheidenden sechsten von Leverkusen. Das passierte zuvor auch Teamspielern aus Chile (Aranguiz) und Deutschland (Volland). Der Luxuskader der Bayer-Werkself hat übrigens den 68fachen Marktwert gegenüber dem Aufgebot  der Sportfreunde Lotte, des Vierten der dritten Liga.

Die österreichischen Sensationen im deutschen Cup kommen aus der zweiten Liga mit Sandhausen: Tormnn Marco Knaller und Ex-Rapidler Stefan Kulovits eliminierten auswärts  Bundesligaaufsteiger Freiburg. 3:3 nach Verlängerung, dann 4:3 in der Penaltyentscheidung. Knaller avancierte dabei mit zwei gehaltenen Elfern zu einem ähnlichen Helden wie in Lotte  Benedikt Fernandez. Der 31jährige Torhüter hat noch dazu eine Leverkusen-Vergangenheit mit sechs Bundesligaeinsätzen zwischen 2005 und 2011. In Österreich hätte es am Tag nach Lottes Sternstunde fast noch eine Steigerung  namens Ebreichsdorf gegeben. Da reichte es für den Fünften der Regionalliga Ost nur zu einer tollen Aufholjagd gegen Austria bis ins Nachspiel. So heißt die rot-weiß-rote Cupüberraschung Grödig: Als Zweiter der Regionalliga West nach dem 1:0 über Zweitligist Wattens unter den letzten acht. Letzte Saison als Bundesligaklub kam das k.o. schon in der ersten Runde. Wer Grödigs Obmann Christian Haas kennt,weiß, wie viel ihm das Viertelfinale jetzt bedeutet.

Ebreichsdorf im Süden von Wien hat etwa 3500 Einwohner weniger als Lotte (10.654), das Stadion fasste trotz Zusatztribünen nur 1200 Zuschauer. Ausverkauft. Das Transparent der Ebreichsdorf-Fans „wir sind stolz auf Euch“ hatte durchaus seine Berechtigung. Mit Wolfsberg und Altach wurden zuvor bereits zwei Bundesligaklubs eliminiert, auch  Austria kam ins Straucheln: 2:0 nach 15 Minuten, 3:0 nach 67, zwischen der 75. und 90. Minute aber den Vorsprung verspielt. Das 3:3 und die Verlängerung gelang Ebreichsdorf so wie Lotte am Vorabend mit nur zehn Mann. Der Trainer mit Austria-Vergangenheit, Goran Djuricin, änderte dreimal die Taktik. In der Verlängerung führte Austria 5:3, Ebreichsdorf kam nochmals ran, Violett nochmals ins Zittern. Marktwert des Austria-Kaders 19,4 Millionen. Der von Ebreichsdorf? Bestenfalls knapp über eine Million.

Viel fehle nicht und Ebreichsdorf wäre der dritte Streich, einer mehr als den Sportfreunden Lotte gelungen. „Weil wir naiv und dumm waren“, gestand Austrias Kapitän Lukas Rotpuller selbstkritisch.  In Lotte hatte Leverkusens Sportchef Rudi Völler seine Millionenstars mit der Feststellung „dämlicher geht es nicht mehr“ angeprangert. Noch ein Unterschied  zwischen Lotte und Ebreichsdorf: In Lotte sass  Leverkusen-Trainer Roger Schmidt wegen seiner Sperre nur  im Mannschaftsbus vor dem TV-Schirm, in Ebreichsdorf ärgerte sich Thorsten Fink auf der Bank. Fink  wird nicht angezweifelt, Schmidt derzeit in Leverkusen schon. Aber Völler macht ihm die Mauer.

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