Fußball

Eigentorrekord, strittige Elfmeter: Hochmut kam vor dem Rapid-Fall

Nicht nur Rapid Trainer Didi Kühbauer sprach nachher von einer Partie, die er noch lange in Erinnerung behalten wird. Das geht wohl allen anderen Beteiligten so, auch den 13.100 Zuschauern in der Allianz-Arena nach einem weiten grün-weißen Tiefpunkt dieser Saison. Das bedeutete das 3:4 (2:2) gegen Hartberg zweifelsohne. Die erste Heimniederlage gegen den steirischen Aufsteiger, erstmals gegen ihn vier Tore kassiert. Die Chance versäumt, mit breiter Brust  zum Cupfinale nach Klagenfurt zu fahren. Jetzt regiert wieder die grün-weiße Verunsicherung. Der Vorsprung in der Qualifikationsgruppe auf Mattersburg (1:1 daheim gegen Admira) schrumpfte auf zwei Punkte. Und wenn Mittwoch das Endspiel gegen Red Bull Salzburg verloren geht, was man mit Leistungen wie Samstag befürchten muss, was auch der Papierform entsprechen  würde, beginnt das Zittern um Platz sieben.

Auch wenn es offiziell nur drei Eigentore warten, in Wahrheit aber vier, bedeutete einen Rekord in der Bundesliga. Dazu kam die Fortsetzung der problematischen, schwachen Schiedsrichterleistungen der letzten Wochen mit zwei umstrittenen Elfmetern für Hartberg. Aber am Beginn stand der grün-weiße Hochmut, den die Aufstellung zeigte. Kühbauer hielt nichts davon, die Besetzung für das Endspiel zu bringen, sondern setzt auf Rotation. Sieben Veränderungen gegenüber dem 4:2 in Hartberg am Dienstag. Unter anderem blieben der zuletzt herausragende Thomas Murg und Kapitän Stefan Schwab auf der Bank. So viel gleichwertige Spieler hat Rapid nicht in seinem Kader, um sich das erlauben zu können. Wenn Kühbauer das anders sieht, dann liegt er falsch. Die Abläufe stimmten bei Rapid nicht, keine Ordnung in der Defensive, keine Linie.  Am Ende stand die erste Niederlage nach  sieben Partien, die nicht passieren darf.

Die mit dem ersten Eigentor begann. Christoph Knasmüllner  verlängerte in der dritten Runde unbedrängt einen Eckball per Kopf ins eigene Tor. Nach zwölf Minuten stand es 0:2, weil Schiedsrichter Christoph Jäger, ein 34jährigen Bankangestellter aus Salzburg, einen Zusammenprell zwischen Rapids wieder unsicherem Tormann Richard Strebinger und Rajko Rep als elfmeterwürdig wertete. Umstritten. Eher stieß Rep, der zuvor schon den Ball gespielt hatte, mit Strebinger zusammen als umgekehrt. Das hohe Bein des Slowenen könnte man auch als gefährliches Spiel werten. Dario Tadic sorgte für das 0:2. Durch Hartberger Eigentore nach einem Eckball und Freistoß durch Kapitän Thomas Rotter und Michael Huber gelang Rapid zwischen der 29. und 34. Minute der Ausgleich. Zur zweiten Hälfte brachte Kühbauer zunächst Schwab statt Manuel Martic. Als es nach einer Stunde noch immer 2:2 stand, ersetzte Murg Manuel Thurnwald. Aber von  da an ging´s bergab: Jäger zeigte nach 65 Minuten zur Verblüffung aller nach einem Duell zwischen Marvin Potzmann und David Cancola auf den Elfmeterpunkt, zeigt, dass Potzmann den Ex-Austrianer an der Ferse traf. Was er definitiv nicht tat, wie alle TV-Bilder zeigten. Eine Fehlentscheidung. Cancola scherte das nicht. Er verwandelte den geschenkten Elfer zum 2:3.

Spätestens nach diesem Pfiff wusste man endgültig, dass es von Besetzungsreferent  Thomas Steiner keine Glanzidee war, vier  Tage vor dem Klagenfurter Cupendspiel  einen Unparteiischen aus dem Land des Finalgegners nach Hütteldorf zu schicken, auch wenn er FIFA-Referee ist. Das schuf natürlich unsinnige Verschwörungstheorien. Jäger sorgte mit seinen Fehlern dafür, das Thema schwache Schiedsrichter am köcheln zu halten. Dass der Liga-Strafsenat letzten Montag den Ausschluss des Salzburg-Kapitäns Andreas Ulmer beim 0:0 in St.Pölten als regelwidrig einstufte, das Verfahren einstellte, passt in dieses Bild. Referee Gerhard Grobelnik, dem der Fehler passierte, darf Sonntag in Graz wieder pfeifen. Auch bei den Schiedsrichtern passt es nicht.

Aber das darf für Rapid keine Ausrede sein.  Man muss auch die eigenen Fehler sehen. Denn die gebe Karte Jägers für Thomas Murg kurz nach dem 2:3 für ein Foul an Rep war korrekt. Murg kritisierte, weil eine Minute zuvor eine ähnliche Attacke an ihm ohne Gelb-Konsequenzen geblieben war. Jäger zeigt nochmals Gelb- damit war Rapid dezimiert. Und kassierte noch das 2:4, weil Max Hofmann einen Schuss von Joker Zakaria Sanogo abfälschte. Normal hätte Strebinger den Ball gehalten, sofern man das bei seiner derzeitigen Verfassung sagen kann oder darf. Zuvor setzte Sanogo noch Boli Bolingboli durch ein Foul außer Gefecht. Der Linksverteidiger musste mit der Bahre vom Platz getragen werden. Samstag Abend gab es noch eine Computertomographie und Magnetresonanz des linken Fusses,  das sieht für Klagenfurt nicht gut aus. Murg darf trotz Gelb-Rot spielen.

Nach 84 Minuten fiel noch das einzige „normale“ Rapid-Tor durch Aliou Badji. Zu mehr richte es nicht mehr. Nach 97 Minuten war Schluss. Kühbauer eilte spontan zu Jäger, um ihm die Hand zu schütteln. Was er damit meinte, verriet er im „Sky“-Interview: „Es gab über ganze Spiel jemanden, der die Hauptrolle spielte, mit dessen Performance aber nur Hartberg zufrieden sein konnte.“ Trotz allem sollte er aber über die grün-weißen Unzulänglichkeiten nachdenken. Vorerst stellter den Verlieren aber den Persilschein aus: „Ich mache der Mannschaft keine Vorwürfe. Das wäre schlimm. Jeder weiß, wie normal das Match ausgegangen wäre.“ Sieger Markus Schopp scherte der grün-weiße Frust wenig: „Das Match hatte alles, was sich Trainer nicht wünschen.“ Hartberg half der erste Sieg seit 11. November nicht entscheidend. Denn auch Wacker Innsbruck feierte sozusagen seine Wiedergeburt, gewann das zweite Westderby gegen Altach veir Tage nach dem 0:4-Heimdebakel im Ländle überraschend 4:1. Somit könnte Samstag das Duell zwischen Innsbruck und Hartberg am Tivoli vorentscheidend sein. Rapid muss in die Südstadt zu Admira.

Foto: SK Rapid Wien Media (© Chaluk).

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