Eishockey

Im Schatten der Europameisterschaft 2,7 Millionen für Eishockeyverband

Wenn die Fußball-Europameisterschaft rollt, überdies es Temperaturen über 30 Grad gibt, dann wird die Generalversammlung von Österreichs Eishockeyverband kein großes Echo finden. Und so war es auch. Aber wahrscheinlich war das auch so beabsichtigt. Die Rechnung ging auf. Das heikelste Thema wurde mit keinem Wort auf der offiziellen Verbandsaussendung über die Generalversammlung im Kremser Hotel Steigenberger erwähnt: Das Präsidium um Präsident Klaus Hartmann informierte die Delegierten, dass die seit 1977 existierende Stiftung des Verbands aufgelöst wurde. So wie es Hartmann und sein Geschäftsführer Friedrich Nikolaus Mitte Februar bei klirrender Kälte in einer Pressekonferenz unter freiem Himmel auf dem Wiener Rathausplatz angekündigt hatten. Die lapidare Begründung dafür: Die Erlössituation des Stiftung sei nicht mehr zufriedenstellend. Man brauche das Geld auch Corona-bedingt für Nachwuchsprojekte.

Durch die Auflösung der Stiftung verfügt das Präsidium über Werte von rund 2,7 Millionen Euro. Werden die wirklich für Nachwuchsprojekte verwendet? „So etwas macht man nur, wenn man finanziell aus dem letzten Loch pfeift“, hatte Ehrenpräsident Hans Dobida, der vor 44 Jahren die Stiftung ins Leben gerufen hatte, schon im Februar nach Bekanntwerden der Pläne behauptet. Es gibt nichts, das diesen Verdacht bis heute hätte entkräften können. Die Kontakte zur Wirtschaft sind offenbar doch nicht so gut wie von Hartmann vor einem Jahr bei seiner Wahl behauptet. Einer der Drahtzieher von damals, der Wiener Verbandpräsident Andreas Ösze, wurde jetzt als Belohnung neuer Vorstand und quasi ins Präsidium kooptiert. Mit den 2,7 Millionen kann der Verband zwei Jahre überstehen. Aber was passiert, wenn die Reserven aufgebraucht sind?

Über die Reduktion der Ausländer wurde in Krems auch geredet. Von einer Reduktion auf acht Legionäre pro Klub, in neun Jahren, also 2030, sollen es nur noch vier sein. Das klingt nett, wird aber bei der Liga nicht durchzubringen sein. Wetten, dass Hartmann und Ligapräsident Jochen Pildner-Steinburg demnächst einen neuen Kooperationsvertrag wischen Verband und Liga als einen guten Kompromiss präsentieren werden, der aber in Wahrheit die Situation der österreichischen Spieler nicht verbessert?  In der Schweiz reagierte man anders. Dort machte die Liga selbst nach heftigen Protesten einen Rückzieher. Ende Jänner hatten die Klubs in einer Blitzaktion entschieden, die Anzahl der Legionräe ab 2022/23 von vier auf sieben zu erhöhen. Dies sorgte bei Fans, Sponsoren, Medien, Verband und Spielern für Ablehnung. Die Spielergewerkschaft unter Leistung von Ex-NHL-Goalie Jonas Hiller inszenierte eine Protestaktion, so dass die Spiele in allen Stadien mit Verspätung begannen. Auf Grund des grossen Drucks machten Liga und Klubs einen Rückzieher, versprachen den Entscheid auf Sommer zu vertagen. Der ist gefallen. Die Ausländeranzahl hängt in Zukunft von der Liga-Grösse ab. Sollte die Liga in der Saison 2022/13 aus 13 Mannschaften bestehen, dürfen in jedem Spiel fünf Ausländer pro Team eingesetzt werden. Da die Liga bisher zwölf Teams umfasste, wäre das pro zusätzlicher Mannschaft ein zusätzlicher Legionär. Von soviel Vernunft ist man in Österreich weit entfernt.

Positive Meldungen gibt´s von Österreichs NHL-Legionär Marco Rossi, dessen erste Saison bei Minnesota Wild Corona und die Folgen verhinderten, der nach der U 20-WM mit Österreich in Edmonton monatelang pausieren musste:  Der 19 jährige kann unter ärztlicher Aufsicht wieder gezielt trainieren. Etwa in einem mehrwöchigen Camp in Lustenau, an dem auch NHL-Spieler aus der Schweiz (Nino Niederreiter), Deutschland (Philipp Grubauer) und Österreichs Teamspieler Benjamin Baumgartner teilnehmen werden. Für die Olympiaqualifikation mit Österreichs Team Ende August in Bratislava wird es aber aller Voraussicht nach nicht reichen. Die Entscheidung liegt bei Minnesotas General Manager Bill Guerin. Und der dürfte andere Aufbau-Pläne mit dem Center haben, als Rossi im August für Österreich spielen zu lassen.

Foto: ÖEHV.

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