Fußball

Karl Stotz oder Erinnerungen an den zottigen Büffel

Freitag wird  er in seiner Tiroler Wahlheimat Seefeld zu Grabe getragen. Im 90. Lebensjahr war Karl Stotz friedlich eingeschlafen. Der Tod von „Sir Karl“ sorgt für Erinnerungen an seine vielen Erfolge. Als Spieler der Austria, als Trainer mit den Violetten,  an Tiefschläge als Teamchef, die ihn doch trafen, aber er sich nie richtig anmerken ließ. Wie auch Ärger oder Verwunderung über manche Kritik aus Medienkreisen. Da setzte er bei Nachfragen oft sein Lächeln auf, antwortete nur: „Na, sie kennen mich ja“. Und meinte damit: Ich tue etwas, weil ich davon überzeugt bin, dass es richtig ist. Egal, ob ihnen das gefällt, ob sie das begreifen. Aber das  so klar auszusprechen, kam ihm nie in den Sinn.

Viermal Meister und dreimal bCupsieger war er mit der Austria,  als Abwehrchef eine unverzichtbare Größe. Der WM-Teilnehmer von 1954 und 1958, spielte nur bei einem Match der Endrunde, gehörte aber bei der großen Siegesserie des  Teams unter Karl Decker  zu Beginn der Sechzigerjahre  zu den Fixstartern. Als Trainer baut er  die  große Austria-Mannschaft um Herbert Prohaska, Robert Sara und Erich Obermayer auf, die 1976 Meister, ein Jahr später Cupsieger wurde. Als sie 1978 im Europacupfinale der Cupsieger spielte, organisierte er für den Besitzer der Schöps-Modekette, Austria-Präsident Leopold Böhm, den Bau des Wiener Modecenters in St. Marx. Darum hatt ere 1977 aufgehört. War aber zur Stelle, als nach der WM 1978 in Argentinien Österreich einen Teamchef suchte, da Helmut Senekowitsch auch genervtvon den Stichelein des damaligen Präsidenten Karl Sekanina, seinen Rücktritt erklärte.

Stotz nahm die schwere Qualifikation für die EM 1980 in Angriff. Gegen Belgien, Portugal, Schottland und Norwegen. In acht Partien gab es nur eine Niederlage, das 1:2 gegen Portugal in Wien. Aber bei der Endrunde in Italien fehlt Österreich trotzdem. Stotz wartete damals mit völlig überraschenden Varianten auf, wie einmal einen Linksfuss, den Rapidler Johann Pregesbauer, als rechten Verteidiger, aufzubieten. Die Antworrt auf Fragen danach: „Sie kennen mich ja“. Und er machte schon damals etwas, womit Marcel Koller mehr als30 Jahre später auffiel: Er schenkt Spielern, von deren Klasse er überzeugt war, das Vertrauen, auch wenn sie bei ihren Klubs nicht zum Zug kamen. Wie Friedl Koncilia, damals mitunter Reservist beim belgischen Spitzenklub Anderlecht. Der Tormann dankte es Stotz  mit Weltklassepartien beim 1:1 im Hampden-Park von Glasgow gegen Schottland mit dem Abwehrriesen Gordon McQueen, den Topstars Graeme Souness und Kenny Dalglish. Oder beim 2:1 übeer die Portugiesen im Estadio da Luz von Lissabon vor 75.000 Zuschauern. Das Team mit dem von Innsbruck nach Frankfurt gewechselten Bruno Pezzey, Willi Kreuz, Kurt Jara, Hans Krankl in seiner ersten Barcelona-Zeit, spielt  mitunter besser als bei der WM, wirkte am Zenit. Und scheiterte daran, dass Schottland in seinem letzten Spiel gegen Belgien, das auf Österreichs Sieg in Portugal folgte, aus dem Rennen war. Stotz rief zwar den schottischen Kollegen, den legendären Jock Stein, an, hörte dessen Zusicherung, die beste Mannschaft aufzubieten, alles zu mobilisieren. Leere Versprechungen. Schottlands New-Look verlor daheim 1:3, Belgien fuhr zur Europameisterschaft, kam bis ins Finale.

Die Spieler nannten ihn damals oft auch zottiger Büffel, obwohl er  ein Glatzkopf war. Hinter dem ironischen Spitznamen steckt auch die Wertschätzung über die Art, wie er mit ihnen umging. Ruhig, sachlich, doch auch in der Sprache, die sie verstanden. Und vor allem blieb alles intern. Keine öffentliche Schmutzwäsche. Das auch nicht, als ihn Sekanina trotz  geschaffter Qualifikation für die WM 1982 in Spanien als Gruppenzweiter hinter Europameister Deutschland  abservierte, obwohl er noch keinen Nachfolger parat hatte. Auf wenig feine Art in Metzling bei Ybbs. Sekanina organisierte für die Medien einen Weihnachtsabend im Restaurant Donaurast, rechnete derart mit Stotz ab, dass dies praktisch einer Entlassung gleichkam. Stotz erfuhr alles aus den Medien. Blieb ruhig: „Sie kennen mich ja“.  Aber das war die größte Enttäuschung seines Trainerlebens, wie er Jahre später zugab. Nicht, dass die verpasste EM-Qualifikation, obwhl sein Team für einen ähnlichen Höhenflug wie belgien gut genug gewesen wäre. Nicht sein Comeback bei Austria als Antwort auf Ernst Happels Engagement beim FC Tirol  1987, das nur wenige Monate dauerte. Nein, die ihm verbaute WM-Chance war es. Weil er sich zugetraut hätte, mit seinem Team besser auszusehen als es dann passierte. Aber das sagte er damals nur ganz wenigen, die er ins Vertrauen gezogen hatte. Ob seine ruhige, ausgleichende Art heute noch gefragt wäre? Kommt ganz auf die Funktionäre an.

 

Foto: ÖFB.

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