Jürgen Klopp war erstmals als „Head of Soccer“ von Red Bull bei einem Heimspiel in Salzburg. Er saß auf der Tribüne zwischen Geschäftsführer Stephan Reiter und Sportchef Rouven Schröder, sah ebenso wie Teamchef Ralf Rangnick, dass es wahrscheinlich die zweite Saison keinen Titel für die Salzburger geben wird. Denn das 1:2 (1:0) gegen Tabellenführer Sturm Graz bedeutete nicht nur die erste Heimpleite seit Bestehen der Meisterrunde, die erste Niederlage nach zwölf Spielen, sondern auch fünf Punkte Rückstand auf Sturm. In einem Match, das man nicht verlieren darf, wie Trainer Thomas Letsch völlig richtig feststellte. Ob das in sieben Runden aufzuholen sein wird? So wie Salzburg Sonntag agierte, sicher nicht. Auch wenn Letsch versicherte: „Wir geben nicht auf“.
Dabei schien alle für Salzburg zu laufen. Ein Missverständnis zwischen Sturms Abwehrchef Gregory Wüthrich und Linksverteidiger Dimitri Lavalee ermöglichte den Bullen den Konter zur 1:0-Führung nach 32 Minuten durch den Dänen Adam Daghim. Danach nahm Referee Harald Lechner nach Intervention von VAR Alan Kijas seine Elfmeterentscheidung nach einem „Kontakt“ zwischen Wüthrich und Yoube Vertessen zurück, Letsch konnte das Eingreifen des VAR nicht verstehen: „Das war doch keine klare Fehlentscheidung!“ Keine Diskussion gab es über den Elfmeter nach Foul von Samson Baidoo an Otar Kiteishvili, den der Georgier kurz nach der Pause selbst verwertete. Als Wüthrich nach einem Fehlpass von Tomi Horvat die Notbremse gegen Vertessen ziehen musste, sah er zurecht die rote Karte. Damit spielte Salzburg 30 Minuten lang in numerischer Überlegenheit, kassierte aber schon nach sieben das 1:2. Durch einen spektakulären 18 Meter-Hammer von Kitesihvili unter die Latte. Möglich gemacht durch einen Ballverlust von Salzburgs Moussa Yeo an der Outlinie und eine nicht optimale Abwehr von Baidoo bei der Flanke von Malcolm Yalcouye ins Zentrum. Es waren die Saisontore zehn und elf von Kiteishvili, für viele der beste Spieler der Liga. Er machte den Unterschied aus. Salzburgs Unterschiedspieler, Oscar Gloukh, saß nach der Mandeloperation auf der Tribüne, ging stark ab.
Der Auswärtssieg von Sturm, bei dem im Finish auch Konstanin Schopp, der 19 jährige Sohn des LASK-Trainers in der Abwehr mithalf, wirkte fast schon wie ein Meisterstück, der entscheidende Schritt zur Titelverteidigung. Sturm hat dadurch drei Punkte mehr als die Wiener Austria, die sich beim 0:2 (0:0) im Derby bei Rapid nicht wie ein Titelanwärter präsentierte, schon nach fünf Minuten nach einem Ballverlust von Kapitän Manfred Fischer gegen Dion Beljo auf die Verliererstrasse kam, selten gefährlich wurde. Austria konnte sich eine Woche auf das Prestigeduell vorbereiten, Rapid praktisch nur drei Tage, wirkte dennoch frischer und aggressiver. Austria erzielte seit dem 2:0 im ersten Spiel in der Meisterrunde bei Blau Weiß Linz in drei Partien kein Tor, insgesamt 345 Minuten lang. Der Versuch, mit den Einwechslungen von Talent Konstantin Aleksa kurz vor seinem 18. Geburtstag und Marko Raguz die Offensive zu beleben, gelang nicht. „Wir müssen uns etwas überlegen“, gestand Austrias Trainer Stephan Helm, „es darf nicht sein, dass wir auswärts ausgekontert werden“. Sein Kollege bei Sturm, Jürgen Säumel, feierte hingegen den bisher wertvollsten Sieg seiner kurzen Ära. Zur Pause stellte er das System um, brachte mit Youngster Leon Grgic eine zweite Spitze. Aber das war nicht entscheidend. Salzburg schlug sich praktisch selbst, Säumel konnte erleichtert feststellen: „Jetzt traue ich uns alles zu!“