An einem Abend sich gemeinsam mit Vizeweltmeister Kroatien (3:1 gegen die Slowakei nach 0:1) und den Topnationen Holland (0:0 in Nordirland) und Deutschland (4:0 in Mönchengladbach gegen Weißrussland) für die Europameisterschaft 2020 zu qualifizieren, das ist doch etwas besonderes für Österreichs Fußballteam. Die große Gala war das 2:1 (1:0) gegen Nordmazedonien zwar nicht, aber es es zeigte doch die Qualitäten der Mannschaft von Franco Foda. Rasche Führung, dann alles im Griff gehabt, nach der Pause rasch das 2:0 nachgelegt. Erst in den letzten 20 Minuten, als sich zu viele darauf konzentrierten, Marko Arnautovic doch noch zu einem Tor zu verhelfen, oder bereits ans Feiern dachten, ging der Faden verloren. Praktisch mit der letzten Aktion nach 93 Minuten verpasste der fehlerlose Alexander Schlager sein „zu null“-Debüt im Teamtor, ohne dass ihn die geringste Schuld daran traf. Im Gegenteil, zuvor empfahl er sich für weitere Einsätze. Auch wenn Cican Stankovic und Heinz Lindner wieder fit sind.
Stefan Lainer, die Salzburger Naturgewalt in Diensten von Deutschlands Tabellenführer Mönchengladbach, machte mit einem Traumpass auf David Alaba das schnelle 1:0 möglich. Der umspielt den starken Tormann Stole Dimitrievski, einen Legionär von Spaniens Zweitligist Rayo Vallecano, traf dann nach sieben Minuten mit rechts. Riesenjubel um den Start nach Mass. Zur Pause hätte Österreich mit vier Toren Unterschied führen können oder müssen. Arnautovic, bei dem es in punkto Fitness nach der Verletzung Luft nach oben gab, Martin Hinteregger und Valentino Lazaro ließen die Möglichkeiten dazu aus. Das zweite Tor erzielte Lainer nach einem abgewehrten Schuss von Marcel Sabitzer aus kurzer Distanz selbst. Sein erstes Tor für Österreich, mit dem der Rechtsverteidiger zum Mann des Abends avancierte. Der danach bei den Kabinenfeiern, bei denen ausnahmsweise der ORF und ein Fotograf kurz zu Gast sein durften, versprach: „Wir sind alle schon geil auf die Euro. Das ist ganz etwas besonderes schönes!“
Schön war auch die Kulisse. Mit 41.100 Zuschauern der beste Besuch der gesamten Qualifikation, auch der dritte Rang im Fansektor endlich wieder rappelvoll. Vor der Pause machten die treuesten Fans mit einem Transparent (rot-weiß-rot sind unsere Farben,die wir im Herzen tragen) sowie rot-weiß-rot-Sprechchören darauf aufmerksam, dass sie wenigen von den neuen schwarzen Dressen und türkisen Hosen hielten. Nach der Pause versuchten die Fangruppen das ganze Stadionrund in die richtige Party-und Jubelstimmung mitzunehmen. In der letzten Viertelstunde gelang es. Eine Jubelwelle jagte die andere, dazu immer wieder Österreich-Sprechchöre, Um 22.35 Uhr war Österreichs drittes EM-Ticket nach 2008 und 2016 perfekt, das zweite hintereinander. Und es begann die große Feier. Bevor sie am Rasen gemeinsam jubelten, sangen und tanzten, zogen die Spieler rasch die bereit stehenden roten T-Shirts mit der Aufschrift 2020, „mia san dabei“ an, die später beim Verkauf im VIP-Club reißend Absatz fanden. Dann begann die Ehrenrunde, in dem alle ein Dankeschön an die Fans für ihre Unterstützung trugen und am Ende „gemeinsam Österreich“. Im Fansektor hing das Transparent „Euro, wir kommen“. Dazu mussten aus den Lautsprechern die passenden Hits wie „an Tagen wie diesen“ von den Toten Hosen sowie Rainhard Fendrichs „I´m from Austria“ ertönen“.Als die EM-Teilnehmer, von denen einige T-Shirts, schwarzen Dress oder auch die Schuhe in die Fans warfen, gegen 22.45 Uhr vor dem Fanssektor tanzten und jubelten, verwandele in London Tennisas Dominik Thiem den Matchball gegen Titelverteidiger Alexander Zverev zum Aufstieg ins ATP-Finale. Das war sicher die schwerere Aufgabe als Nordmazedonien im Happel-Stadion zu schlagen. So einen Jubelsamstag wie diesen hat Österreichs Sport zuvor noch selten oder sogar noch nie erlebt.
Bevor alle in die Kabine gingen, kam Teamsponsor „Stiegl“ aufs seine Rechnung. Die Bierduschen durften nicht fehlen. Fast jeder machte jeden nass, auch der Teamchef blieb nicht verschont. Alaba erwischte Franco Foda als Erster, da spielte seine jahrelange Routine von den Bayern-Bierduschen beim Gewinn des Meistertitels mit: „Die Mannschaft hat nach den zwei Startniederlagen mit sechs Siegen und einem Unentschieden großartiges geleistet“, lobte der Teamchef, ohne aber zu vergessen, dass nicht alles passte: „Wir müssen demütig bleiben. Solche Nachlässigkeiten und Konzentrationsfehler wie in den letzten 20 Minuten dürfen nicht passieren“. Schon gar nicht bei der Euro, die ja erfolgreich enden soll als die vor drei Jahren in Frankreich. Ein Team mit einem solchen Potenzial hat mit Platz zwei hinter Polen nur die Pflicht erfüllt, nicht mehr.
Die Auslosung findet am Samstag, den 30. November, ab 18 Uhr in Bukarest statt. Österreich wird aller Voraussicht nach im zweiten Topf sein. Da für die Rangliste die Spiele gegen den Gruppenletzten nicht herangezogen werden, ist das Match am Dienstag gegen Lettland in Riga dafür bedeutungslos. Wenn daher dort nur eine „Rumpftruppe“ ohne einige Leistungsträger antreten sollte, wäre dies keine große Überraschung. Die Details werden im Laufe des Sonntags entschieden. Alaba, der wegen seiner muskulären Problem mit einem Tapeverband über dem linken Oberschenkel spielte, wird fehlen, auch andere Legionäre, die bis Dezember auch in Champions oder Europa League engagiert sind. Arnautovic hat Samstag mit Shanghai SIPG das wahrscheinlich entscheidende Match in Chinas Titelkampf bei Tabellenführer Guangzhou. Das wäre es ratsam, wenn er früher als Mittwoch in das Flugzeug nach Shanghai steigt. Für Kapitän Julian Baumgartlinger, Aleksandar Dragovic, Hinteregger, Alaba, Sabitzer und Ilsanker wird es die zweite Europameisterschaft, alle anderen wären EM-Neulinge. Auch für Lainer, den Mann des Abends beim letzten Schritt zum EM-Ticket. Mit dem übertrifft er seinen Vater Leo. Der schaffte mit dem Team keine Europameisterschaft, hat dem Sohn aber je ein Europacupfinale mit Rapid und Austria Salzburg voraus.