Zum ersten Mal Paris St. Germain oder nach 15 Jahren Pause wieder Inter Mailand zum zweiten Mal nach dem 2:0 gegen Bayern München im Bernabeu-Stadion von Madrid? Wem gelingt der letzte große Schritt? Das ist die Frage vor dem Champions League-Finale am Samstagabend in der Münchener Allianz-Arena, das der rumänische Referee Istvan Kovacs leitet. Inter Mailand, 2010 Bezwinger von Bayern im Endspiel, verhinderte diesmal im Viertelfinale, dass es für Bayern ein „Finale dahoam“ wird. Samstag sitzen sie entweder „dahoam“ oder irgendwo im Urlaub vor dem TV-Schirm. Paris St. Germain kam bisher einmal ins Endspiel, verlor 2020 in Lissabon gegen Bayern München, damals noch mit Österreichs Teamkapitän David Alaba, 0:1. Zehn Jahre vorher saß er bei der Niederlage gegen Inter auf der Tribüne. Genauso wie der damals 21 jährige Marko Arnautovic. Für ihn ist sein zweites Endspiel mit Inter als 36 jähriger Oldie ein „Fortschritt“. Diesmal gehört er zum Kader, sitzt auf der Ersatzbank, darf vielleicht, da er keinen neuen Vertrag bekommt, mit einem Kurzeinsatz rechnen. Inter hat drei Spieler mit einer Münchener Vergangenheit: Der 36 jährige Schweizer Ex-Teamkeeper Yann Sommer, der von Jänner bis August 2023 bei Bayern Ersatz für den verletzten Manuel Neuer war, dann vor Trainer Thomas Tuchel zu Inter „flüchtete“, mit einer Weltklasseleistung im Semifinale den Aufstieg gegen den FC Barcelona möglich machte. Abwehrspieler Benjamin Pavard war von 2019 bis 2023 bei Bayern, erzielte beim 2:2 in Mailand das 2:1 gegen den Ex-Klub. Zur gleichen Zeit war Landsmann Lucas Hernandez, der verletzungsanfällige Linksverteidiger, Pavards Mitspieler im Bayern-Dress.
Für Inter, seit Freitag Italiens Ex-Meister, ist es unter Trainer Simone Inzaghi das zweite Endspiel in drei Jahren. 2023 gab es in Istanbul eine 0:1-Niederlage gegen Manchester City. Damals war Inter Außenseiter. Ähnlich wie diesmal. Aber Inzaghi setzt auf das Plus an Routine. Weil Paris St.Germain unter anderem im Achtelfinale gegen Liverpool, danach auch gegen Aston Villa und Arsenal zeigte. ohne Superstars wie Kylian Mbappe, Lionel Messi oder Neymar super sein, dank der spanischen Trainers Luis Enrique der neue Star die Mannschaft ist. Obwohl es Ausnahmekönner wie Italiens Europameister im Tor, Gianluigi Donnarumma, Ousmane Dembele oder den Georgier Khvichna Kvaratskehlia gibt. Dembele galt zu Dortmund Barcelona-Zeiten als eine Art „Skandalnudel“. Bei Paris fand er in die Spur, schoss in 14 Champions League-Spielen acht Tore und bereitete vier vor. Inter war weder im Viertelfinale gegen Bayern noch im Semifinale gegen Barcelona die bessere Mannschaft, kam mit hohem Einsatz und starker Defensivleistung der Innenverteidiger, des Deutschen Yann Bisseck, des 37 jährigen Francesco Acerbi und Alessandro Bastoni, weiter. Paris St. Germain hat im Kampf um den Henkelpott auch mit dem brasilianischen Kapitän Marquinhos, für den das Finale bereits das 107. Spiel in der Königsklasse ist, dem spanischen Europameister Fabian Ruiz und dem Portugiesen Joao Neves im Mittelfeld mehr individuelle Klasse. Bei Inter gibt es nur einen Ausnahmekönner: Weltmeister Lautaro Martinez im Angriff.
In Österreich ist das Spiel sowohl bei Sky als auch bei Canal+ live zu sehen. Bei Sky sind Peter Stöger und Didi Hamann die Experten, für Stöger ist es wegen des künftigen Trainerjobs bei Rapid sein letzter Sky-Einsatz. Zwei Experten von Canal+, Teamchef Ralf Rangnick und sein Co-Trainer Stefan Oesen, fehlen diesmal. Sie sehen das Endspiel im Seefelder Hotel Nidum, wo Freitag die Vorbereitung auf den Start in die WM-Qualifikation gegen Rumänien begann, am TV-Schirm.
Foto: UEFA.