Fußball

Warum Peter Stöger beim Wiener Derby noch immer dabei ist

Auch wenn es inzwischen fünf Jahre her sind, dass Peter Stöger die Wiener Austria verlassen hat, und  er vor fünf Monaten als Tabellenzweiter den Trainerjob bei Rapid verlor, Sonntag ist er einen Tag nach seinem 60. Geburtstag, den er Samstag bei Kaiserwetter auf den Skipisten im Tirol genoß. beim Derby dennoch irgendwie dabei. Für die Austria geht es darum, zum dritten Mal hintereinander Rapid zu besiegen. Das gelang zuletzt vor 13 Jahren in der letzten Meistersaison unter Stöger. Rapids Trainer Hoff Thorup hat noch nicht zwei Auswärtssiege hintereinander geschafft. Die  gab es zuletzt unter Stöger bei Rapids bisher bestem Saisonstart in die Bundesliga.

Er ist ein Kind aus Favoriten. Beim Favoritner AC begann seine Spielerkarriere, fiel er als schmächtiges Bürschlein mit Spielintelligenz und Technik auf. Je dreimal wurde er mit Austria Meister und Cupsieger, mit Rapid kam er 1996 ins Finale des Europacups der Cupsieger, jubelte über den Meistertitel. Auch die Bilanz der Trainerkarriere kann sich sehen lassen: Zweimal mit Austria Meister , erstmals 2006 zu Frank Stronachs Zeiten, dann nochmals sieben Jahre später. Den 1. FC Köln führte er von 2013 bis 2018 aus der zweiten Liga bis in den UEFA-Cup, weshalb in Köln noch immer mit Hochachtung über ihn gesprochen wird. In dieser Zeit erhielt er 2016  den deutschen Kulturpreis für den Spruch des Jahres: Ich habe dem Linienrichter meine Brille angeboten, aber nicht einmal das hat er gesehen!“ Kurz nach dem Abschied aus Köln übernahm Stöger, der als „Menschenfänger“ gilt, 2018 Borussia Dortmund, obwohl er wusste, dass für die nächste Saison mit dem Schweizer Lucien Favre der Trainer schon feststand. Er brachte Dortmund von Rang neun auf vier, daher in die Champions League. Dafür wird ihm Ex-Dortmund-Boss Hansjlrg Watzke immer dankbar sein.

2020 holte ihn Austrias Ex-Prasident Frank Hänsel zurück. Stöger holten rasch die finanziellen Turbulenzen ein. 2020 war er Sportdirektor, der mehr mit der Suche nach Investoren, als mit der Mannschaft beschäftigt war, Christian Ilzer der Trainer. Als Ilzer aus dem Vertrag ausstieg, zu Sturm Graz wechselte, war Stöger für eine Saison Sportchef und Trainer. Als er keine Perspektiven zur  Verbesserung sah, hörte er auf. Nach einem kurzen Gastspiel in Budapest bei Ferencvaros war er 2022 Kandidat als österreichischer Teamchef. Im Parndorfer Büro des damaligen ÖFB-Präsidenten Gerhard Milletich war in Beisein von Sportdirektor Peter Schöttel schon alles für Stögers Amtsübernahme geklärt, als Milletich sagte: „Das gilt aber nur, wenn Ralf Rangnick bis morgen Mittag nicht anruft!“ Stöger stand kommentarlos auf und ging. Andere hätten nicht so zurückhaltend reagiert. 2024 stieg er bei Zweitligst Admira als Sportchef ein. Als er ein Angebot von Rapid erhielt, reizte ihn die Rückkehr ins Trainergeschäft. Auch wenn die nicht lange dauerte, bereuen tut er sie nicht. Jetzt ist er wie davor Experte beim TV-Semder  Sky, im Sommer während der WM gemeinsam mit seinem ehemaligen Trainer und Teamchef Herbert Prohaska beim ORF am Küniglberg.

Ob Rapid am Ende der Saison so gut dastehen wird wie bei Stögers Abschied auf Platz zwei, entscheidet auch Sonntag das Derby. Rapid gewann nur eines der letzten neun Auswärtsspiele gegen die Austria – das war vergangene Saison in der Meistergruppe. Ein Kopftor von Joker Ercan Kara sicherte ein 2:1. Kara wird Sonntag nicht zur Startelf gehören. Von den damaligen Siegern sind fünf nicht mehr bi Rapid, ebenso der damalige Interimstrainer Stefan Kulovits. Die Austria  erzielte 18 Tore nach Standards, so viele wie keine andere in der Bundesliga. Keine andere Mannschaft bekam so wenige Gegentore nach Standards wie Rapid – nur sechs. Alle fünf Tore bei den bisherigen zwei Saisonsiegen über Rapid (3:1 in Hütteldorf, im Februar 2:0 daheim), schoss die Austria aus dem Spiel heraus.

Wenn vor dem Wiener Derby Tabellenführer Sturm Graz daheim das steirische Duell gegen Hartberg nicht gewinnen sollte, dann wäre das ein Selbstfaller. Trotz des Ausfalls von Filip Rozga. Der 19 jährige Pole wird mit einer im Training erlittenen Muskelverletzung wochenlang fehlen. Hartbergs Trainer Manfred Schmid ist zu Umstellungen in der Defensivabteilung gezwungen. Weil Tormann Ritzy Hülsmann und Innenverteidiger Lukas Spendlhofer gesperrt sind, für Dominic Vincze  wegen einer Knieverletzung die Saison schon beendet ist. Selten, dass ein Tormann fünf gelbe Karten erhält. Als Vergehen kommen eigentlich nur Meckern oder Zeitschinden in Frage.

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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