Fußball

Rangnick blieb nichts anderes übrig, als zu überraschen

Nicht weniger als acht Veränderungen gegenüber den Nations League-Spielen gegen Serbien im Herbst, sechs Neulinge: Teamchef Ralf Rangnick wartete mit seinem 27 Mann-Kader zum Start in die WM-Qualifikation gegen Rumänien im ausverkauften Happel-Stadion und in San Marino, bei dem sechs Punt Pflicht sind, mit einigen Überraschungen auf. Aber blieb ihm etwas anderes übrig? Er wurde fast dazu „gezwungen“, weil es keine Alternativen gab, von denen man sich mehr erwarten hätte können. Daher riskierte Rangnick einige Fragezeichen. Mit bewärhten Kräften, die zuletzt nach Verletzungen wenig Spielpraxis hatten oder mit einigen, die beim Verein zuletzt nicht erste Wahl waren.

Kurz bevor er den Kader nominierte, erfuhr Rangnick vom nächsten Ausfall: Torhüter Alexander Schlager muss wegen eines verletzten Handgelenks zwischen vier und sechs Wochen pausieren, fehlt daher auch Salzburg bei der Klub-WM in den USA. Zwei der vier Torhüter sind Neulinge: Zu Patrick Pentz,  der Donnerstag mit Bröndby Kopenhagen um die Qualifikation für den Europacup gegen Silkeborg spielt und Tobias Lawal vom LASK, Nikolas Polster von Cupsieger Wolfsberg und der ehemalige Blau Weiß Linz-Keeper Nicolas Schmid. Der 28 jährige ist Legionär beim 16. der englischen Championship Portsmouth, absolvierte 36 Pflichtspiele für den Zweitligisten. Für die Torhüter gibt es diesmal zwei Trainer: Zum etatmäßgen Michael Gspurning von Union Berlin auch Thomas Vollnhofer, der ehemalige Keeper von St. Pölten. Auch ein neuer Videoanalyst feiert sein Debüt: Daniel Ackermann, den Rangnick aus seiner Zeit bei RB Leipzig kennt.

So wie Polster und Schmid bestritten bisher Lawal, Mainz-Legionär Nikolas Veratschnig, Wolfsbergs Thierno Ballo  und  Matthias Honsak noch kein Länderspiel. Veratschnig und Ballo spielten schon bei Wolfsberg und in Österreichs U 21 zusammen. Flügelspieler Veratschnig kam im Finish seiner ersten Saison als Mainz-Legonär vermehrt zum Einsatz, zweimal in der Startelf, 13mal als Joker. Ballo, der vor einem Jahr den EM-Kader knapp verpasste, verdiente sich die Chance durch starke Leitungen beim Cupsieger. Honsak (Bild) ist Rangnick seit seiner Zeit im Salzburger Nachwuchs bekannt. Er wurde an Ried, Altach und Holstein Kiel verliehen, wechselte 2019 zu Darmstadt. Mit den „Lilien“ stieg er auf und letztes Jahr ab, Heidenheim engagierte ihn ablösefrei. Der schnelle Linksfuß weiß, wo das Tor steht. Das bewies er im Frühjahr mit Toren gegen Meister Bayern München, RB Leipzig, Cupsieger VfB Stuttgart und letzten Donnerstag im ersten Relegationsspiel gegen Elversberg, in dem er den Ausgleich zum 2:2 erzielte. Beim zweiten in Elversberg brachte Honsak nach sieben Minuten Heidenheim in Führung, wurde nach 77 Minuten bei 1:1 für den Deutsch-Österreicher Paul Wanner ausgewechselt. Der hatte die Beine beim entscheidenden 2:1 in der 95, Minut im Spiel. Honsak bleibt mit Heidenheim in der Bundesliga.

Wenig spielten im Frühjahr Xaver Schlager, Stefan Posch und Max Wöber wegen Verletzungen, Marko Arnautovic, Marco Grüll, Florian Grillitsch und Michael Gregoritsch, weil es die Trainer von Inter Mailand, Werder Bremen, Spaniens Absteiger Valladolid und Freiburg so entschieden. Arnautovic wird auch Samstag im Champions League-Finale gegen Paris St. Germain in München höchstens zu einem Kurzeinsatz kommen Egal, wie das Endspiel endet, beim Montag-Training muss er in Seefeld sein. Für die anderen Teamspieler, zu denen auch wieder Werder Bremens Kapitän Marco Friedl zählt, ist schon Freitag der Treffpunkt. In der Trainingswoche will Rangnick sehen, wie sehr Schlager, Posch und Wöber belastbar sind.  Schlagers letzter Einsatz war im März gegen Serbien in der Nations League, vielleicht spielt er noch in dieser Woche auf der Brasilien-Tour der Bullen. Posch pausierte bei Atalanta von März bis letzten Sonntag, spielte in der letzten Runde 45 Minuten, Wöber beim englischen Aufsteiger Leeds nur 21. Zu den Sorgenkindern zählt auch Stürmer Raul Florucz nach der starken Saison bei Sloweniens Meister Olimpija Laibach mit 18 Toren seit zwei Wochen wegen muskulärer Probleme pausieren musste. Er glaubt, wieder voll belastbar zu sein, das muss sich bei den Trainings in Tirol zeigen. Der Oberösterreicher brennt darauf, drei Tage vor seinem 24. Geburtstag sein zweites Länderspiel zu bestreiten. Weil er als Sohn rumänischer Eltern eigentlich auch für Rumänien spielen könnte. Rangnick konnte ihn überzeugen, es bei Österreich zu probieren. Das gelang auch beim 19 jährigen Wolfsberg-Stürmer Erik Kojzek. Wenn er den Pass und von der FIFA nach vier Partien in Sloweniens U 19 die Spielbewilligung kommt, könnte er im September bei den Qualifikationsspielen gegen Zypern und Bosnien erstmals ein Thema sein.

Die WM-Qualifikation, Rangnicks großes Ziel, hat die U 17 schon geschafft. Bei der Auslosung für die Endrunde  vom 3. bis 27. November in Katar erhielt die Mannschaft von Hermann Stader Mali, Neuseeland und Saudi-Arabien als Gegner. Wer die Qualifikation ohne Niederlage gegen Deutschland, Spanien und Norwegen schaffte, dem kann man  in dieser Gruppe den Aufstieg zutrauen.

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