Fußball

Rapids Derby-Nachspiel gegen die Polizei

Das 328. Wiener Derby, das erste in der neuen Generali-Arena der Austria, wird noch ein längeres Nachspiel haben. Das über das sportliche nach dem violetten Rekordsieg mit dem einen Spiel Sperre für den ausgeschlossenen Dejan Ljubicic, der Ermahnung des Ligastrafsenats  für den von der Bank verwiesenen Rapid-Co-Trainer Manfred Nastl und dem nach der Rekordniederlage wohl unvermeidlichen grün-weißem Fehlen in der Meisterrunde  hinausgeht. Es geht in erster Linie um den Polizeieinsatz gegen 1338 grün-weiße Anhänger, der fast sieben Stunden dauerte, erst drei Stunden nach dem Schlusspfiff abgeschlossen wurde, durch den diese Fans am Besuch des Duells der Wiener Erzrivalen gehindert wurden. Was ja auch durchaus im Sinne der Austria lag. Das Derby verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle. Wiens Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl verteidigt alles als entschiedenes Auftreten gegen Gewalt am Fußballplatz. Trotzdem gibt es viel glaubhaftere und seriösere Vorwürfe gegen die Polizei  als die verbalen Attacken via Twitter der „Rechtshilfe Rapid“, in denen sogar von Freiluftgefängnis und Folter die Rede war. Die Rechtshilfe Rapids ist ein eigener „Verein“ von Fans für Fans.

Es gilt als offenes Geheimnis, dass es seit Jahren den Spitzen der Wiener Polizei nicht gefällt, wie nachsichtig Rapid auf Ausschreitungen seiner gewaltbereiten Fans reagiert. Wofür  man durchaus Verständnis zeigen kann. Und deshalb wollte die Polizei bei Gelegenheit  eine  Antwort auf die Vorfälle am 16. September beim letzten Derby am 26.September im Hütteldorfer Allianz-Stadion eine Antwort. Die war ziemlich „laut“, für viele zu überzogen. Aber die Gelegenheit kam eben Sonntag Nachmittag. Die Polizei konstatierte schon zwei Stunden vor Anpfiff eine Gemeingefährdung, weil beim organisierten Marsch der grün-weißén Fans zum Stadion einige Unverbesserliche oder Hooligans pyrotechnische Gegenstände, Getränkeflaschen und Dosen sowie Schneebälle auf die Tangente warfen, damit die vorbeifahrenden Autos gefährdeten. Dagegen musste eingeschritten werden, keine Diskussion. Aber über das wie gibt´s doch unterschiedliche Ansichten. Und Vorwürfe von Rapids Präsident Michael Krammer gegen die Polizei, die feststellte, dass bei ihrem Eingreifen Gegenstände beschlagnahmt worden, die man als Sprengstoff bezeichnen kann. Wie eine polnische Rauchbombe. Das wird hundertprozentig stimmen.

Das Werfen von Gegenständen verurteilte Krammer ohne Wenn und Aber als vertrottelte und hirnlose Aktion. Aber dass deshalb auf einer engen Stelle vor dem Stadion über der Tangente über 1300 Rapid-Anhänger von der Polizei eingekesselt und perlustriert wurden (siehe Bild oben), das will er nicht so hinnehmen. Auch Frauen und ein wegen einer Diabetes-Erkrankung insulinpflichtiges Mädchen mussten ohne Versorgung und er Möglichkeit, sanitäre Anlagen dort stundenlang verharren. Sie konnten bei Minusgraden weder vor noch zurück. Musste das so sein? Krammer, der ursprünglich nicht beim Derby war, setzte sich aufgeschreckt durch die ersten Meldungen über die Vorkommnisse daheim ins Auto, fuhr an den Verteilerkreis, um sich ab Mitte der zweiten Hälfte vor Ort ein Bild zu machen. Das ihn erzürnte. „Ich hätte so etwas im Rechtsstaat Österreich nicht für möglich gehalten“, sagte er empört darüber. Nachzulesen seit Montag Vormittag auf einer offiziellen Aussendung Rapids, bekräftigt am Abend vor der Weihnachtsfeier von Krammer und Vize Nikolaus Rosenauer,einem Rechtsanwalt.

Dabei kann man Krammer als ehemaligen Offizier des Bundesheeres nicht unterstellen, kein Verständnis für rechtsstaatliche Prinzipien aufzubringen, Trotzdem fand er es als skandalös, 1300 Personen auf Grund Verfehlungen von Einzelnen unter Generalverdacht zu stellen und menschenunwürdig zu behandeln: „Ich stimme dem Landespolizeipräsidenten absolut zu, das Gewalt im Fußball nichts verloren hat. Aber damit damit kann man nicht diese Aktion gegen Unschuldige auf engstem Raum verteidigen, die zum Handkuss kamen, nur weil sie Rapid-Fans sind.“ Auf Ö3 sprach in den Mittagsnachrichten ein Journalist des Magazins „Ballesterer“ den Verdacht einer geplanten Polizei-Aktion aus, den Krammer später ebenfalls hegt.  Weil Beamte des Verfassungsdienstes vor Ort waren, die sogenannten Wegweis-Formulare in großen Mengen bereit lagen. Und weil Polizeivertreter bereits letzten Dienstag bei der Sicherheitsbesprechung mit Vertretern von Austria und Rapid dabei waren,  von der Möglichkeit gesprochen haben sollen, nicht alle Fans ins Stadion zu lassen.

Die sportlichen Nachwirkungen des historischen Derbys? Rapid wird ab 23.März nur noch am Samstag spielen, da dies der Tag der Qualifikationsrunde ist. Die wegen des grün-weißen Desasters mehr im Blickpunkt als ohne Rapid stehen wird. Die Zuschauerzahlen in der Meisterrunde der ersten sechs werden unter dem grün-weißen Fehlen leiden.

Foto: © Rechtshilfe Rapid .

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