Keine Mannschaft der Bundesliga ist offensiver ausgerichtet als der LASK. Gerade darum tut es gut, dass die spielerisch beste Mannschaft seit Sonntag Tabellenführer ist. Sturms Trainer Fabio Ingolitsch (Bild) tat sich sicht- und hörbar schwer, mit dem Verlust von Platz eins fertigzuwerden. Gerd Steinbäckers Mega-Hit „Steiermark“, der nach Sturm-Heimsiegen ertönt, war in Liebenau zuletzt am 14. Februar nach dem 2:0 gegen Altach zu hören. Denn in der Meistergruppe kam Sturm vor den eigenen Fans über vier Unentschieden nicht hinaus. Ingolitsch kam bisher in 15 Spielen auf einen Punkteschnitt von 1,60, der des von Sportchef Michael Parensen rausgeworfenen Vorgängers Jürgen Säumel in dieser Saison nach 17 Spielen bei 1,65. Auch wenn Sturm im Dezember nur auf Platz drei lag, Säumel holte mehr Punkte. Dass Sturm auf Platz eins vorst0ßen konnte, lag weniger an einer Steigerung des Titelverteidigers als an der schwächelnden Konkurrenz.
„Wir hatten uns schon etwas anderes vorgenommen, waren aber einfach nicht zwingend genug. Es ist extrem schwer, solche tiefen Fünferblöcke wie von der Austria zu knacken. Moment ist es in Österreich leider so, dass sich jeder nur noch hinten reinstellt, weshalb auch kein schönes Spiel zustande kommt“, analysierte Ingolitsch im Sky-Interview Aber Tatsache ist, dass sich Sturm in seiner Ära auch nur hinten reinstellt. Die mit dem Trainerwechsel geforderten Ansprüche, wieder Powerfussball wie früher unter Christian Ilzer zu bieten, damit die Fans zu begeistern,wurden nicht einmal im Ansatz erfüllt. Das liegt aber weniger an Ingolitsch, sondern an den Personalentscheidungen von Parensen. Keiner, der Offensivspieler, die er verpflichtete, machte Sturm bisher besser oder gefährlicher. Es begann mit Fally Mayulu, der zuvor bei Rapid nicht erste Wahl gewesen war, ging mit Maurice Malone und Axel Kayombo weiter. Die Behauptung von Ingolitsch, wie sehr Sturm unter Ausfällen offensiv leidet, ist leicht zu widerlegen. Der Pole Filip Rozga kam in 20 Spielen auf zwei Tore und einen Assist, Belmin Beganovic traf in insgesamt 26 Einsätzen bei Sturm dreimal, Leon Grgic in 48 Partien achtmal.
Das sind nicht gerade die Daten von Torjägern. Sturm hat keinen, Parensen gelang es nicht, einen zu finden, der an die Qualität von Mika Biereth, der im letzten Winter um 13 Millionen Euro verkauft wurde, annähernd herankommt. „Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien da gescoutet worden ist“, wunderte sich auch Sky-Experte Marc Janko. Ohne Durchschlagskraft Meister zu werden, gelingt, so wie es derzeit aussieht, nicht einmal in Österreichs Bundesliga.
Foto: Yigit Oerme.