Sechs Wochen ist Marcus Mann Sportchef bei Red Bull Salzburg. So viel Zeit, sprich je zwei Spiele in der Europa League und Bundesliga sowie eines im Cup-Viertelfinale benötigte er, um zu erkennen, dass ein neuer Impuls nötig ist. In Form eines Trainerwechsels. Daher beurlaubte er am Dienstag nach nur einem Punkt aus zwei Runden Thomas Letsch (Bild) trotz Tabellenführung. Der 57 jährige, den Mann-Vorgänger Rouven Schröder Anfang 2025 engagierte, kam in 56 Partien auf einen Punkteschnitt v9n 1,42. Gewann keinen Titel, schaffte nicht die Qualifikation für die Champions League (an Club Brügge gescheitert) und überstand die Ligaphase in der Europa League nicht. Zu wenig für die Salzburger Ansprüche.
Seit den Erfolgszeiten unter Marco Rose, der 2021 in die deutsche Bundesliga wechselte und Matthias Jaissle, den zwei Jahre später die Millionen in Saudiarabien bei Al Ahli reizten, wo er den Superpokal gewann, ist Letsch bereits der dritte Trainer, der vor Vertragsende verabschiedet wurde. Zuvor passierte dies Gerhard Struber und dem Holländer Pepijn Lijnders, der jetzt Assistent von Pep Guardiola bei Manchester City ist. Das ungewöhnliche: Die Trennung kam, ohne einen Nachfolger zu verlauten. Das lässt darauf schließen, dass der Nachfolger von Letsch noch in einem Arbeitsverhältnis steht. Das würde zum 51 jährigen Dänen Bo Henriksen passen, der letzte Saison Mainz sensationell in die Conference League führte, aber im Dezember gehen musste, als Mainz Letzter in der Bundesliga war. Es gäbe auch eine dänische Alternative: Der fünf Jahre jüngere Bo Svensson, zuletzt bei Union Berlin, hat schon Salzburg-Erfahrung. Er war von 2019 bis 2021 Liefering-Trainer, ehe ihn Mainz für 1,5 Millionen Euro aus dem Vertrag herauskaufte. Zwei Jahre davor zahlte Salzburg 1,3 Millionen an Mainz, um den damaligen U 19-Trainer Svensson zu bekommen. Die Frage ist, ob Jürgen Klopp, der „Head of Global Soccer“ in Salzburgs Trainerverpflichtung eingebunden ist. Gestern war er bei Olympia, sah sich die Biathlon-Staffel an, kam auch am Abend ins Österreich-Haus. Wurde auch zu Salzburgs Trainerwechsel befragt. Am Ende des Interviews erkundigte er sich, ob der Nachfolger schon bekannt gegeben wurde. Als er hörte, dass dies noch nicht passierte, meinte er lächelnd: „Zum Glück hab ich ihn nicht verraten!“
Eine österreichische Lösung? Am Markt wären mit Markus Schopp oder Zoran Barisic Trainer, deren Philosophie für Ballbesitz ist, also wenig mit dem Red Bull-Stil zu tun hat. Den kennt Ex.Teamspieler Daniel Beichler genau. Der 37 jährige ist seit April 2024 Trainer der Zweitligafiliale Liefering.
Foto: FC Salzburg.