Fußball

Traumtor von Gregoritsch als Start zum Pflichtsieg! Wöber ist ein Phänomen

Österreich startete besser in die WM-Qualifikation als bei der letzten, die geschafft wurde. 1996 begann der Weg zur WM-Endrunde 1998 mit einem 0:0 gegen Schottland im Happel-Stadion, Samstag der erhoffte zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko mit einem 2:1 (1:0) vor 48.500 Zuschauern im Prateroval,  der nicht so knapp war, wie es das Resultat vermuten ließ. Zuletzt gab es 2016 im ersten Spiel der WM-Qualifikation einen Sieg. Trotz 2:1 gegen Georgien in Tiflis war dann Österreich bei der Endrunde in Russland nicht dabei. Der Start unter Ralf Rangnick macht also Hoffnung, das gesteckte Ziel zu erreichen, das vor Anpfiff auf einem riesigen Transparent in goldenen Buchstaben vor Österreichs Fansektoren ging: „Gemeinsam und mit voller Kraft nach 28 Jahren zur Weltmeisterschaft!“ Darauf folgte eine Choreografie in rot-weiß-rot und gold samt WM-Pokal, die beeindruckend war.

Auf den Rängen hielten die Rumänen besser mit als phasenweise auf dem Rasen: Mehr als 10.000 kamen via freiem Verkauf zu Karten, daher machten sich inklusive dem Auswärtskontingent rund 15.000 rumänischen Fans auf den Tribünen lautstark bemerkbar, mitunter auch mit Bengalen. Rangnick überraschte wieder einmal mit der Aufstellung: Stefan Posch, Kevin Danso und Marko Arnautovic wider Erwarten nicht in der Startelf, sondern Patrick Wimmer wie gegen Serbien rechter Verteidiger, Max Wöber links im Abwehrzentrum, vorne als einzige Spitze Michael Gregoritsch. Österreich fand nur schwer ins Spiel, da wuchs einer zum Rückhalt, an dessen gelungenen Sliding Tacklings und Ruhe am Ball sich die Mannschaft auffing: Max Wöber ist ein Phänomen. Im Dezember absolvierte er gegen Leeds sein letztes Spiel über 90 Minuten, im Frühjahr gab es eine Operation und dann war er bester Österreicher. Nicht zum ersten Mal in dieser Konstellation: Im letzten November gelang ihm beim 1:1 gegen Slowenien eine ähnlich beeindruckende Leistung ohne Spielpraxis. Der Teamchef hat gerne einen Rechtsfuß und einen Linksfuß im Abwehrzentrum. Das ist nach David Alabas Ausfall Wöber, dem Rangnick vertraut, der schon beim Training in Seefeld  Zweifel an seiner Fitness und Form beseitigte.

Nach einer Viertelstunde war Österreich klar besser, drängte die Rumänen zurück. Die Führung zögerte der starke rumänische Torhüter Horatiu Moldovan von Italiens Zweitligist Sassuolo bis zur 42. Minute hinaus. Schon zuvor war aufgefallen, dass weite Outeinwürfe zu einer Offensivwaffe Österreichs gehörten: Von rechts lieferte sie Philipp Lienhart, von links Philipp Mwene. Zum kurzen Eck, wo Wöber per Kopf verlängerte. Der dritte Versuch von links gelang perfekt: Nach Wöbers Kopfball stand Gregoritsch am Elfmeterpunkt frei, übernahm volley, traf via Innenstange. Das 20. Tor in einem 65. Länderspiel war ähnlich spektakulär wie das 19. im 63. beim 1:1 gegen Serbien, das zeigte auch sein Jubel (Bild). Assist Wöber, Tor Gregoritsch – auch ein Beweis, dass Rangnick mit der Aufstellung richtig lag.

Als Kapitän Marcel Sabitzer, der sich nach diskretem Beginn sehr steigerte, mit einem abgefälschten Schuss nach einer Stunde das 2:0 erzielte, war praktisch alles gelaufen, begann Rangnick zu wechseln. Zunächst Posch und Arnautovic für Wimmer und Gregoritsch, nach 69 Minuten Danso für Wöber, den allmählich doch die Kräfte verließen, für die letzten 14 Minuten Xaver Schlager und Florian Grillitsch für Romano Schmidt und Christoph Baumgartner. Nach 70 Minuten musste Tormann Patrick Pentz bei einem Freistoß erstmals sein Können zeigen, fünf Minuten später verhinderte er Rumäniens Anschlusstor, die letzte Aktion des Spiels zerstörte seine Hoffnung auf das erste „zu null“-Länderspiel im 15. Anlauf. Danso stand bei einer Flanke schlecht, Rumäniens Joker Florian Tanase traf per Kopf.  Der oft eigenwillige italienische Referee Maurizio Mariani pfiff das Match gar nicht mehr an.

Rangnick bekrittelte die letzte Viertelstunde, sprach von 60 starken Minuten, die ihm gefielen und von einem verdienten Sieg: „Wir waren besser“. Pflicht erfüllt, aber nicht viel mehr. Daher gab es keinen Fehlstart, der Freitag Italien (0:3 in Norwegen) und Belgien (1:1 gegen Nordmazedonien) passierte. Stunden vor dem Startsieg sah Rangnick am TV-Schirm, wie Dienstag-Gegner San Marino in Zenica gegen Tabellenführer Bosnien nur 0:1 (0:0) verlor. Das Tor in dem schwachen Spiel fiel erst nach 66 Minuten durch den 39 jährigen Edin Dzeko vier Minuten nach seiner Einwechslung. Bei den Siegern spielte Arjen Malic von Österreichs Meister Sturm Graz bis zur  Pause, dann löste ihn der Ex-Salzburger Amir Dedic ab. San Marinos 0:1 bedeutete ein Warnschuss für Österreich. Ebenso das magere 1:0 von England in Barcelona gegen Andorra, bei dem Kapitän Harry Kane nach 50 Minuten traf: „Wir werden die stärkste Mannschaft aufbieten und voll fokussiert sein!“, versprach Rangnick.

Foto: ÖFB/Christopher Kelemen.

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