Samstagvormittag meldete sich der Aufsichtsrat der Wiener Austria, informierte über die Sitzung vom Freitag. Aber nur, was das Thema Sportvorstand betraf. Kein Wort, ob Ex-Sportvorstand Jürgen Werner und Jurist Peter Vogl neue Vertreter der Investorengruppe WTF im Aufsichtsrat sind. Es ging um den Berliner Tomas Zorn, den Kandidaten der Viola Investment GmbH für die derzeit nicht besetzten Position des Sportvorstands, der Vorgesetzter des von Finanzvorstand Harald Zagiczek eingesetzten Sportchefs Michael Wagner sein würde. Freitag gab es ein erstes Hearing, der Aufsichtsrat erhielt alle Informationen, wird nach Analysen und interner Beratung einen Beschluss in der nächsten Sitzung treffen. Die ist erst in zwei Wochen am 27. Jänner.
Da man nicht annehmen kann, dass die Investoren über den von ihnen vorgeschlagenen Zorn beraten müssen, betrifft es die fünf Vertreter des Klubs. Es geht um eine sportliche Frage, bei der fachliche Kompetenz gefragt sein müsste. Aber ist die bei den fünf „echten“ Austrianern gegeben? Das kann man bezweifeln. Präsident Kurt Gollowitzer betont immer, sich in den Sport nicht einzumischen. Julian Jäger ist Vorstand des Wiener Flughafens. Gregor Pilgram Vorstand der Generali, Daniel Koppensteiner CEO eines Unternehmens für Schadenlogistik, Mathias Moser ebenfalls Geschäftsmann. Alle mit wirtschaftlicher Kompetenz. Aber ob sie beurteilen können, ob Zorn der richtige Sportvorstand für Violett wäre? Eher nicht. Die vier Aufsichtsräte der WTF-Investoren kommen hingegen auch aus dem Fußballgeschäft: Ralph Krueger, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, war Vorstand von Southampton zu Premier League-Zeiten, Vogl Präsident von Ried, Geschäftsführer bei Red Bull Salzburg und gehörte zu diversen Gremien der Liga, Werner brachte den LASK von der Regionalliga in die Europa League, ist so gut vernetzt wie keiner in der von Zagiczek eingesetzten Sportdirektion der Austria.
Also werden die fünf Austria-Aufsichtsräte der Empfehlung von Zagiczek folgen. Es wäre keine Überraschung, sollte auch am 27. Jänner keine Entscheidung getroffen werden. Denn es geht darum, Zeit zu gewinnen. Um in der Transferzeit, die bis 6. Februar läuft, ohne Sportvorstand so entscheiden zu können, wie Zagiczek und auf dem Papier Wagner es wollen. Dass die Austria Geld benötigt, ist ein offenes Geheimnis. Also könnte es ein Thema sein, noch Spieler zu verkaufen, etwa Abubakar Barry. Obwohl derzeit keine günstige Zeit dafür wäre, weil jeder über die finanziellen Probleme Bescheid weiß. Montag fliegt die Austria ins Trainingslager nach Side.
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