In der Bundesliga schaffte noch kein Rapid-Trainer vor Peter Stöger aus den ersten fünf Runden 13 Punkte. Das führt natürlich zu Jubeltagen für die Fans und Visionen vom ersten Meistertitel seit 2008. Sky-Experte Marc Janko bezeichnete Sonntag Rapid in der derzeitigen Verfassung als Nummer eins-Kandidat auf den Meistertitel. Das kommt nicht von ungefähr. Hartbergs Trainer Manfred Schmid sah bei Rapid bessere und erfahrenere Einzelspieler als bei Red Bull Salzburg, den Vizemeister hatte Hartberg zwei Runden davor in der Südstadt beim 1:2 am Rande einer Niederlage. „Rapid war der stärkste unserer bisherigen fünf Gegner“, behauptet Hartbergs Abwehrchef Lukas Spendlhofer. Stögers logische Antwort nach dem Sonntag-Sieg auf die Frage nach den Möglichkeiten seiner Mannschaft: „Weiter rauf werden wir nicht kommen!“ Mehr als Platz eins geht nicht. Aber der starke Start weckt natürlich auch Hoffnungen für die Conference League. Es passt ganz in die Aufbruchstimmung, dass mit Fiorentina der prominenteste Gegner in der Gruppenphase in den ersten zwei Runden der Serie A kein Tor erzielte, daher nicht gewann, sich gegen Cagliari und Torino jeweils mit einem 0:0 zufriedengeben musste.
„Wir wollen unsere Spiele in der Offensive gewinnen und nicht in der Defensive verlieren“, erklärte Stöger, für den alles derzeit „relativ stabil“ wirkt. So wie Altach kassierte Rapid erst zwei Tore. Das ist sicher kein Zufall. Jetzt wird der Kader nochmals vergrößert, obwohl eigentlich dazu keine Notwendigkeit besteht. Es wird ein Rekordkauf werden. Der 22 jährige norwegische Offensivspieler Tobias Gulliksen (Bild) von Djurgardens Stockholm, Rapids Bezwinger im Viertelfinale der Conference Leage, kostet mehr als das doppelte von Martin Ndzie, für den an Israels Erstligisten 2,5 Millionen bezahlt wurde. Gulliksen gab seine Visitenkarte bei Rapid mit zwei Toren in der Verlängerung beim 4:1 von Djurgardens in Hütteldorf ab, gewann auch die „Jungstar“-Werutng der UEFA in der Conference League. Er kam heuer in 18 Spielen der schwedischen Liga auf zwei Tore und sieben Assists. Ist er wirklich ein Unterschiedsspieler, der so viel Geld wert ist? Freitag könnte er im Testspiel gegen Italiens Zweitligist Venezia im Allianz-Stadion erstmals den Rapid-Dress tragen.
Die andere Seite der 15 Legionäre im Rapid-Kader: Einige haben anders als bisher kaum Chancen auf Spielpraxis, auf Einsätze und sind wahrscheinlich sehr daran interessiert, sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen. Moritz Oswald könnte nach Vorarlberg zu Altach wechseln, wo im Mittelfeld ein Ersatz für Vesel Demaku, der nach einem Schlüsselbeinbruch noch einige Zeit ausfällt, gebraucht wird. Jonas Auer ist als Linksverteidiger nur noch die Nummer drei hinter Jannes Horn und Furkan Demir. Wie schnell es gehen kann, zeigt das Beispiel Dominik Weixelbraun: Eigentlich wurde er als Torjäger für die zweite Mannschaft gekauft, fiel in der Vorbereitung Stöger positiv auf. Daher stieg er in den Bundesligakader auf, war als Joker in der zweiten Hälfte bei Sturm Graz am Umschwung von 0:1 auf 2:1 beteiligt, gehörte in Dundee zur Startelf. Sonntag gegen Hartberg fehlte er ebenso im Kader wie zuvor beim 00 gegen Altach. Louis Schaub spielt seit Mitte Juli nur 121 Minuten. Härtefälle im Erfolgslauf, für den die Stunde der Wahrheit Ende September kommt: Zunächst das Derby gegen die Austria in Hütteldorf, danach Start in die Conference League bei Polens Meister Lech Posen, der Sonntag mit 2:1 gegen Widzew Lodz den dritten Sieg in fünf Runden feierte und das Spitzenspiel bei Red Bull Salzburg.
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