Fußball

Unterwegs zu den Bürgermeistern: „Es geht viel mehr“

Es war interessant, wie Marek schon nach einer kurzen Anlaufzeit, die Anhängerschaft fest im Griff hatte. Er wusste, wie sehr die Stimmung von Emotionen abhängig ist, dass man für den Tag nach dem Wiener Derby besser nichts plant Er war im Ausland unterwegs, schaut sich einige ab. Wenn er vor dem Match den Spruch intonierte „denn einst ist klar“. dann schreit bis heute der Fan-Sektor „Hier regiert der SCR!“ Nach dreieinhalb Jahren in Hütteldorf erlebte er im Frühjahr den ersten großen Hype seiner 28 Jahre im Dienste Rapids mit: Wie ein Phönix stieg Grün-Weiß aus der Asche, sprich aus den finanziellen Problemen , die nur mit einem Ausgleich vor Gericht in den Griff zu bekommen waren, stürmte ins Finale des Europacup der Meister und zum 30. Meistertitel. Dreimal ein ausverkauftes Happel-Stadion. Im Viertelfinale gegen Dynamo Moskau, im Semifinale gegen Feyenoord Rotterdam, im Meisterschaftsfinale gegen Sturm Graz, als die Stimmung bei den 48.000 Zuschauern auch dank seiner Moderation so „kochte“, dass ein prominenter Spieler aus der  Sturm-Mannschaft von Ivica Osim rund um Ivo Vastic  beim Betreten des Spielfelds zu einem anderen sagte: „Ich scheiß mich an“. Rapid gewann am 1.Juni 1996 2:0, alle Klubs in Österreich beneideten Rapid um diese Stimme.

Als es zwei Monate später gelang, gegen Dynamo Kiew erstmals die Qualifikation für die Champions League zu schaffen, ging der Hype weiter: Mehr als 30.000 Abos wurden für die  drei Heimspiele in der Gruppe gegen Fenerbahce Istanbul, Juventus Turin und Manchester United verkauft,  zu denen gesamt 123.000 Fans kamen. „Wir hatten damals nicht die nötigen Strukturen dafür“,erinnert er sich zurück, „wir haben die Karten verkauft aber sonst war das wenig. Kein Merchandising, nichts, damals waren wir noch überfordert. Heutzutage sind wir auf alles vorbereitet.“ Auch durch das Kundenservice. Vor 20 Jahren waren es sechs Helfer aus dem Sekretariat, bei Mareks letztem Spiel umfasst die Abteilung 34 Mitarbeiter. Nichts geändert hat sich an seiner Einschätzung von den Rapid-Fans: „Sie haben soviel Kraft, mit ihnen ist leicht zusammenzuarbeiten!“ Ein Motto dabei: Nach Niederlagen, die auch ihn hart treffen, sofort versuchen, die Fans zu motivieren, trotzdem wiederzukommen.

Nach dem ersten Hype stand für Marek fest: „Es geht noch viel mehr, was die Bindung der Fans an den Klub betrifft.“ Daher begannen die „Touren“ zu Bürgermeistern in Niederösterreich Oberösterreich und dem Burgenland, verbunden mit Einladungen, doch Fahrten nach Wien zu Heimspielen Rapids zu organisieren. Legendär wurde dabei  der Bürgermeister von Winklarn bei Amstetten, der 2018 nach 20 Jahren abgetretene Gernot Lechner, der nicht nur einmal  bei Auswärtsspielen im Europacup mit grün-weißem Rapid-Bademantel in den Mannschaftsflieger stieg und auch auf der Tribüne sass. In diesen Zeiten machte ein Fan Marek den Vorschlag, doch dem Beispiel großer Klubs aus dem Ausland zu folgen. Auf Nachfrage folgt der Tipp, fir Tribüne hinter einem Tor für Fans ganz billig zu verkaufen. Die Idee wurde umgesetzt mit einem Preis von damals 1000 Schilling für 18 Heimspiele. Umgerechnet vier Euro pro Heimspiel. So entstand die Westtribüne im Hanappi-Stadion, die bald immer voll da. Und setzte sich ab 2016 im neuen Allianz-Stadion fort.

Zu Andys Erfindungen gehört auch die Rapid-Show bei der Weihnachtsfeier zu inszenieren. In immer größeren Rahmen. Die Rapid-Betreuer und Spieler als Größen aus der Showbranche verkleidet, wurden ein Hit. Die Fans standen mitunter die halbe Nacht lang Schlange, um morgen die besten Karten für das Event zu ergattern, wenn der Vorverkauf begann.  Modern Talking, Spice Girls, die Rolling Stones, alle waren auf der Weihnachtsfeier vertreten, in der Marek seinen persönlichen Traum von einer TV-Chance auslebte. Ein Riesenerfolg waren 2005 „Rapid 3“ mit Steffen Hofmann, Andi Ivanschitz und Helge Payer  in Anlehnung an „Austria 3“ mit Georg Danzer, Wolfgang Ambros und  Rainhard Fendrich. Das Problem, das folgte, war, dass im Frühjahr von „Rapid 3“ nur noch Payer für Rapid spielte. Und sich dazu der Trainer des 31. Meistertitels nach der Champions Lague ohne Punkt gegen Bayern München, FC Brügge und Juventus Turin verabschiedet hatte. Josef Hickersberger reizte es, Österreichs Teamchef bei der Heim-Europameisterschaft 2008 zu sein.

 

MORGEN: „ICH HABE AUS ALLEM GELERNT“

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