Fußball

Buchhaltung, Trainer rauswerfen, Djuricin holen: Das macht jetzt Fredy Bickel

Dienstag lädt die Bundesliga hoch über die Dächer von Wien, in die Wolke 11. Zur Präsentation des Saisonstarts mit den Sportdirektoren der zwölf Klubs. Bei Rapid und Austria sind das andere als vor einem Jahr. Damals für Grün-Weiß nicht wie diesmal Zoran Barisic, sondern Fredy Bickel, für die Austria nicht Peter Stöger, sondern Ralf Muhr, nunmehr Assistent von Sportvorstand Stöger. Bickel heuerte nach der Trennung von Grün-Weiß am 1. Oktober zum zweiten Mal seit den Neunzigerjahren bei Grasshoppers Zürich an, sollte den Traditionsklub nach dem Abstieg in die Challenge League wieder in ruhiges Fahrwasser bringen.  Als Geschäftsführer, Sportchef, Scout und Buchhalter in einer Person. Buchhalter? Weil die Buchhalterin in Karenz ging, was in der Schweiz Schwangerschaftsurlaub heißt, übernahm Bickel auch ihre Funktion.

Bisher stand mehr die Funktion des Geschäftsführers, der den Klub neu aufstellen und die Kosten senken musste, im Mittelpunkt als der Sport. Bickel baute ein Viertel der Angestellten ab, Grasshoppers hat aber noch immer 100. Er reduzierte das Budget von 13,5 Millionen Euro auf acht, davon vier für die Mannschaft. Was für die zweite Liga noch immer hoch ist. Obwohl die Spieler Klausel in ihren Verträgen hatten, dass sich beim Abstieg ihr Gehalt um die Hälfte reduziert. Dennoch galt der Wiederaufstieg zwar nicht als Muss, aber doch als Ziel. Weil aber der Start ins neue Jahr mit vier Spiel ohne Sieg total daneben ging, musste auch der Sportchef handeln. Bickel entließ nach dem 1:4 in Nyon gegen Stade Lausanne-Ouchy Trainer Uli Forte. Nicht zum ersten Mal. Das tat er auch 2015 in seiner Zeit bei Young Boys Bern, als er danach Adi Hütter engagierte. Mit seinem zweiten Forte-Nachfolger überraschte Bickel in der Schweiz alle: Goran Djuricin hatte keiner auf der Rechnung. Damit holte Bickl seine nicht so erfolgreiche Rapid.Vergangenheit zurück (Bild oben). Bickel hatte Djuricin im Frühjahr 2017 nach der Beurlaubung von Damir Canadi vom Assistenten zum Chef befördert, hielt an ihm bis Herbst 2018 fest. Dann kam nach neun Runden mit nur einem Sieg in fünf Heimspielen sowie Rang acht Didi Kühbauer statt ihm.

Er habe bei der Suche nach einem Forte-Nachfolger siebzig bis achtzig Prozent Absagen bekommen, gestand Bickel im Schweizer „Blick“. Nicht von Djuricin, der nach der Trennung von Zweitligist Blau-Weiß. Linz im Dezember frei am Markt war. Bickel lobte Djuricin als einen, der sich seinen Klubs gegenüber auch in schwierigen Situationen immer loyal verhalten habe, der fachlich sozial und kompetent sei, jetzt auch im Ausland ein Ausrufezeichen setzen wolle. Was er für Bickel in Österreich bereits tat. So bewertete Bickel Rang fünf und drei in den Saisonen 2016/17 und 2017/18 sowie mit dem Aufstieg ins Cupfinale 2017 und die Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League 2017/18.  Da kann man geteilter Meinung sein. Unbekannt war der Name Djuricin bei Grasshoppers nicht. Sein 26 jähriger Sohn spielte in der Abstiegssaison bei Grasshoppers, wechselte danach in die zweite deutsche Liga zu Karlsruhe. Von einigen Besuchen in Zürich kennt Goran Djuricin einige Spieler seiner neuen Mannschaft. Die sportliche Situation? Grasshoppers liegt zehn Punkte hinter der zweite Mannschaft aus Lausanne auf Rang zwei. Der direkte Aufstieg ist nicht mehr zu schaffen, sondern nur der über die Barrage, wie man zum Play-off sagt. Da trifft der Zweite auf den Vorletzten der Super League. Derzeit liegt Grasshoppers aber nur zwei Punkte vor dem Dritten. Das ist der FC Vaduz aus Liechtenstein. Einen eigenen Assistenten ließ Bickel Djuricin nicht mit nach Zürich nehmen. Aus finanziellen Gründen. Da kam das Nein aus der Buchhaltung.

 

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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