Ein Viertligist unter den letzten acht im österreichischen Fußballcup. Eine der Sensationen, von denen dieser Bewerb lebt, die ihn attraktiv machen, von denen man spricht. Auch wenn keine Zuschauer bei Viennas 2:1 über Altach auf die Hohe Warten durften, als der Außenseiter die Devise des Cups, nämlich Glaube, Wille, Mut, in die Tat umsetzte. Es ist gar nicht so lange her, dass dieses Husarenstück einem anderen Viertligisten gelang: Das war vor drei Jahren der burgenländische Landesligaklub Wimpassing. Der eliminierte zunächst einen Wiener Liga-Klub (Stadlau), dann einen Zweitligisten (Blau Weiß Linz), dann einen Bundesligaverein (Wolfsberg), ehe er in Graz gegen den späteren Cupsieger Sturm 0:3 verlor. Die Vienna warf zunächst einen Regionalligaklub (Mannsdorf) raus, dann Zweitligist Vorwärts Steyr und zur Krönung Altach. Der Jubel vor der leeren Tribüne stand am Ende des schönsten Abends für Österreichs ältesten Fußballklub seit 9. November 2010.
Vor zehn Jahren stieg die Vienna, noch als Zweitligist, ebenfalls ins Cup-Viertelfinale auf. Der Gegner hieß auch Altach, wurde auf der Hohen Warte ebenfalls 2:1 besiegt. Allerdings erst im Nachspiel. Mittwoch gelang es völlig verdient, wie Jung-Trainer Alexander Zellhofer richtigerweise feststellte, bereits in der legendären Spielzeit. Viennas Trainer 2010 hieß Alfred Tatar, jetzt bekannt für seine scharfzüngigen Kommentare als „Sky“-Analytiker. Der Trainer von Altach, ebenfalls noch in der zweiten Loga, war Adi Hütter, inzwischen Meister in Österreich und der Schweiz, in der deutschen Bundesliga bei Eintracht Frankfurt etabliert. Hütter ärgerte sich damals auch, aber nicht so wie Mittwoch Alex Pastoor, der vom seinem bisher schwärzesten Tag als Trainer sprach, eine skandalöse Leistung an den Pranger stellte. Im Viertelfinale war 2010/11 allerdings für Vienna Endstation. In Döbling 0:2 gegen Kapfenberg, damals in der Bundesliga, trainiert von Werner Gregoritsch.
Endstand müsste der Papierform nach auch im Februar 2021 sein. Sportchef Markus Katzer glaubt allerdings: „Wenn wir Heimvorteil haben, dann ist mit einer Ausnahme auf der Hohen Warte gegen alle etwas möglich. Läuferisch kommen wir sicher mit!“ Die Ausnahme heißt für ihn Red Bull Salzburg. Der schönste Abend seit zehn Jahren machte alle, die an Viennas Rückkehr in den Profifußball arbeiten, glücklich. Obwohl sie nachtrauerten, dass wegen Corona nicht 3000 Zuschauer auf den Rängen jubeln konnten, es nachher im VIP-Club nicht hoch her ging. So hieß es nur freuen statt groß feiern: „Auch die TV-Präsenz war ein guter Nebeneffekt“, bemerkte Katzer, „das Feedback war sehr gut“.
Zur Freude den Sponsoren. Speziell bei Uniqa, zugleich auch Sponsor des Cups. Auf den Ärmeln der Siegertrikots stand unter anderem SAP. Dass ist einer der weltweit größten Softwarekonzerne. Auf den gelben Hosen war „Gemma Lugner“ zu lesen. Auch der bekannteste Wiener Baumeister hilft mit seiner City beim Vienna-Aufschwung. Seit drei Monaten auch Roland Schmid, der gescheiterte Kandidat im Rapid-Präsidentenrennen, mit Immo United. Die Vienna scheint gut aufgestellt für den geplanten Marsch nach oben. Katzer: „Dass wir eine Mannschaft haben, die in der Regionalliga Ost mithalten könnte, ist kein Geheimnis!“
Auch die Verlegung des Achtelfinales infolge des Wiener Terroranschlags machte die Sensation möglich. Denn zum ursprünglichen Termin am 4. November wäre Doppel-Torschütze Volkan Dürgun nach einem Muskelfaserriss noch nicht einsatzfähig gewesen. So feierte der 1,65 Meter große Kreativspieler den bisher größten Erfolg seiner Kardiere: „Er war schon vor der Verletzung das Um und Auf“, lobte Katzer. Auch der elf Jahre ältere Oldie, Ex-Rapidler Mario Konrad, bekommt noch einmal die große Bühne. In Grün-Weiß hatte er mit seinem aktuellen Sportchef Katzer zusammengespielt. Den erinnerten die vielen Glückwünsche via SMS ebenfalls an seine Rapid-Vergangenheit: „So viele bekam ich zum letzten Mal, als wir Aston Villa auswärts in der Qualifikation für die Europa League besiegten!“ Das war bereits 2010. Zu den Gratulanten gehörten Donnerstag Hartbergs Präsidentin Brigitte Annerl, ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold, klarerweise Trainervater Georg Zellhofer, Ex-Rapidler Michael Hatz usw.
Die Prämie für die Sensation bewegte sich laut Katzer in ordentlichem Rahmen. Das Startgeld (9500 Euro) wurde auf die Mannschaft aufgeteilt, ein anständiger Zuschlag kam dazu. Das Startgeld im Viertelfinale beträgt 22.000 für die Heimmannschaft, 34.000 bei einem Auswärtsspiel. Einer weiß sogar, wie es ist, wenn man mit der Vienna ins Cupfinale kommt: Co-Trainer Martin Lang gehörte zu der Mannschaft, die 1997 das Endspiel im Happel-Stadion gegen Meister Sturm Graz 1:2 verlor. Solche Träume gibt´s jetzt noch nicht. Heuer bestreitet das Sensationsteam kein Spiel mehr, die Mannschaften aus den Amateurligen haben seit Anfang November Lockdown-Pause. Am 4. Jänner beginnen Viennas Vorbereitungen auf die nächste Cup-Sensation.