Fußball

Völlig planlos: Wolfsberg als „neues Vaduz“ für Rapid

Statt Ruhe wieder tiefe Krise bei Rapid. Durch die 1:3 (0:2) Heimpleite gegen Wolfsberg. Eine Mannschaft, die zuvor in sieben Runden nur ein Spiel gewinnen konnte. Das war für Grün-Weiß wie ein „neues Vaduz“. Vor allem wegen der Art und Weise, in der sich die Mannschaft nach dem schnellen Rückstand präsentierte. Sie fiel total auseinander statt eine Reaktion zu zeigen. Agierte völlig planlos, alles war auf Zufall aufgebaut. Das fällt auch in der Verantwortung des Trainers. Erstmals gab es unter Ferdinand Feldhofer zwei Heimniederlagen in der Bundesliga hintereinander. Mit Vaduz sind es sogar drei. Ist er der dritte Rapid-Trainer, der nach einer Niederlage gehen Wolfsberg gehen muss? Das wäre fast naheliegend. Die Fantribüne rief nach der Pause erstmals „Feldhofer raus“. Aber auch „Zoki raus“ in Richtung Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic. Und „Vorstand raus“, obwohl das Präsidium ohnehin schon seinen Rückzug ankündigte. Genauso daneben gingen die Sprechchöre „wir wollen euch kämpfen sehen“ in der zweiten Hälfte. Richtiger wäre gewesen „wir wollen euch spielen sehen“ Denn daran fehlt es völlig.

Feldhofer kann sicher nichts dafür, dass der bereits nach 28 Minuten ausgetauschte Martin Moormann 20 Minuten davor vor dem eigenen Strafraum mit einem unnötigen Dribbling den Ball verlor, dann noch mit ausgestreckten Arm in einen Schuss des Ex-Rapidlers Thierno Ballo sprang. Da er genau auf d er Strafraumlinie stand, gab  Referee Sebastian Gishamer nach Intervention von VAR Christian Petru-Ciochirca Elfmeter. Den der Israeli Tai Baribo verwandelte. Vier Minuten traf Augsburg-Leihstürmer Maurice Malone, dem ein Pass von Baribo in den Raum zwischen den Innenverteidigern Michael Sollbauer und Kevin Wimmer freie Bahn verschaffte. Bis zur Pause erzielte Wolfsberg noch zwei Tore, die wegen einer knappen Abseitstellung nicht zählten. Rapid kam erst nach 40 Minuten zu einer Chance.

Weil der Spielaufbau nicht funktionierte. Von durchdacht keine Spur. Das liegt schon in der Verantwortung Feldhofers. Auch, dass Patrick Greil im Vergleich zu seiner Zeit bei Austria Klagenfurt viel schlechter spielt. Auch, dass sich Rechtsverteidiger Martin Koscelnik, ein slowakischer Teamspieler, katastrophal präsentierte. Auch, dass im zentralen Mittelfeld Aleksa Pejic und Roman Kerschbaum erste Wahl sind. Von dort kommen keine Impulse nach vorne. Die gibt es nur, wenn Nicolas Kühn am Ball ist.  Egal, wer bei Rapid  Stürmer spielt, er ist arm dran, weil er sozusagen verhungert. Auch, dass bei Marco Grüll seit Wochen der Unterschied zum Marco Grüll der letzten Saison einer wie zwischen Tag und Nacht ist, er trotzdem Fixstarter bleibt, fällt in die Zuständigkeit des Trainers.  In der zweiten Hälfte präsentierte sich Rapid giftiger und aggressiver, machte etwas Druck, lief aber in einen Konter, den Malone nach Pass von Ballo erfolgreich beendete. Schiedsrichter-Assistent Markus Reichholf zeigte Malones Abseitsstellung an, aber der VAR korrigierte den Irrtum. Ein Tag der Genugtuung für Ballo. Im Jänner, nach der Rückkehr von Yusuf Demir aus Barcelona, hatte Rapid keine Verwendung mehr für ihn. Samstag war er auffälliger als fast alle Rapidler.

Nach dem 0:3 begannen die raus-Sprechchöre. Im Finish drehten sich auf der Fantribüne alle um, standen mit dem Rücken zum Spielfeld. Als er zur zweiten Hälfte gekommene Bernhard Zimmermann in der 91. Minute traf, gab es keinen Jubel. Feldhofer schloss im „Sky“-Interview aus, selbst zurückzutreten, sagte: „Nach dem 0:1 haben wir für zehn Minuten das Stadion verlassen.“ Wenn er diese explosive Situation übersteht, dann wahrscheinlich nur deshalb, weil die neue Führungsgarnitur, die im Herbst gewählt wird, nicht vor vollendete Tatsachen für die Zukunft gestellt werden soll. Andererseits kann sich Rapid solche Leistungen nicht mehr leisten. Sonst fliegt Grün-Weiß aus den ersten sechs. Der nächste Gegner ist Meister Red Bull Salzburg. Nächsten Sonntag muss Rapid auf die vierte Niederlage in acht Runden eingestellt sein.

Foto: Gepa/Admiral.

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