Eigentlich spricht vor dem Finale um den Meistertitel am Sonntagnachmittag nichts dagegen, dass der LASK den nötigen Punkt bei der Wiener Austria in der ausverkauften Generali-Arena holt, um etwas Großes zu schaffen, wie Trainer Didi Kühbauer meinte: Der LASK holte in den bisherigen neun Runden der Meistergruppe die meisten Punkte (18), erzielte die meisten Tore (21), ist diese Saison gegen Austria ungeschlagen und hat mit Kühbauer als Trainer keines der sechs Duelle gegen Violett verloren Da gab es vier Siege und zwei Unentschieden. Zudem fehlt der Austria ihr gesperrter Abwehrchef Aleksandar Dragovic. Alle drei Partien, in denen er in dieser Saison nicht dabei war, verlor die Austria. Also kann sich der LAK nur selbst im Wege sein, wenn er nicht den ersten Meistertitel und damit das erste Double seit 1965 schafft.
Wenn es Sonntag Jubelbilder mit LASK-Kapitän Sascha Horvath und Sasa Kalajdzic gibt, dann wäre dies für den 29-jährigen Horvath nach der besten Saison seiner Karriere etwas anderes In der Jugendzeit galt der Mittelfeldspieler als größte Austria-Hoffnung, wurde als „Zaubermaus“ gefeiert. Aber irgendwie klappte es nicht nach Wunsch. 2015 wechselte er ablösefrei nach Graz zu Sturm, wurde zwei Jahre später um 400.000 Euro an den deutschen Zweitligisten Dynamo Dresden verkauft. Nach zwei Saisonen war die Legionärskarriere vorbei. Über Wacker Innsbruck und Hartberg kam er zum LASK, der für ihn 400.000 Euro bezahlte. Auch Rapids damaliger Trainer Zoran Barisic hatte großes Interesse an Horvath, doch Rapid fehlte das Geld. Seit März ist Horvath Vater einer Tochter – es wäre für ihn ein perfektes Jahr, sollte er beim Ex-Klub erstmals Meister werden. Sky-Experte Marc Janko bezeichnete Horvat als WM-reif. Die Meinung hat etwas für sich. Horvat spielte 22 mal unter Werner Gregoritsch in Österreich U 21, unter anderem auch bei der EM-Endrunde 2017 in Italien. Eine Austria-Vergangenheit hat beim LASK auch Co-Trainer Manfred Nastl. Er galt Mitte der Neunzigerjahre als Stürmerhoffnung, hatte jedoch viel Verletzungspech. Seit 2008 ist Nastl als Co-Trainer an Kühbauers Seite. Egal ob bei Admira, Wolfsberg, St. Pölten, Rapid oder dem LASK.
Eine seltene Konstellation beim Finalspiel um den Titel: Sowohl Horvath als auch Austria-Kapitän Manfred Fischer vertrauen der gleichen Berateragentur (Grow). Ein großes Talent der Austria wird vor dem Anpfiff verabschiedet: Vor fünf Jahren debütierte der 17-jährige Ziad el Sheiwi als Linksverteidiger in der Bundesliga. Bereits im sechsten Spiel, dem Derby gegen Rapid in Hütteldorf ,riss das Kreuzband. Das passierte insgesamt viermal am linken Knie, einmal am rechten. Mit 22 musste Ziad el Sheiwi feststellen, dass er den Weg zurück nicht schafft. Bitter für ihn, weil er durchaus das Potenzial für einen Teamspieler hatte.
Der LASK wird nicht Meister, wenn er verliert und Sturm Graz sein ausverkauftes Heimspiel gegen Rapid gewinnt. Eher unwahrscheinlich, aber die Hoffnung stirbt zuletzt: „Wir können nur noch gewinnen, der LASK hat einiges zu verlieren“, meinte Trainer Fabio Ingolitsch. Der langjährige Kapitän Stefan Hierländer ,inzwischen 35, wird verabschiedet. Das Ziel von Rapids Trainer Hoff Thorup: „Einen Europacupplatz schaffen, die Saison beenden!“ Weiter ohne den gesperrten Kapitän Matthias Seidl. Radpis Protest gegen die überzogene Strafe wurde abglehnt, der grün-weiße Ärger darüber ist mehr als verständlich. Um Thorups Zie zu erreichen, müsste Rapid den zweiten Saisonsieg in Graz feiern. Eher unwahrscheinlich. Die realistischere Variante: Rapids Saison wird erst am Pfingstmontag mit dem Heimspiel im Play-off-Finale beendet.
Foto: Gepa/Admiral.