Österreichische Teamspieler kamen in Deutschland bei der Frage „wie gut sind die Neuen“ im Check von „SportBild“ sehr gut weg. Etwa Florian Grillitsch, der die Note eins erhielt, weil er sofort wieder Chef des Hoffenheim-Spiels wurde. Max Wöber erhielt „nur“ Note zwei, obwohl er schon der wichtigste Spieler für Mönchengladbachs Trainer Gerardo Seoane ist. Als lautstarker Anführer in der Kabine, als zweikampfstärkster Stammspieler, als defensiver Spielmacher. Der die meisten Pässe spielte (344), davon 41 in die Spitze. Mit zwei Assists ist er zudem bester Vorbereiter. Mönchengladbach möchte Leeds-Leihspieler Wöber so schnell wie nur möglich fix kaufen. Darmstadts neuer Abwehrspieler aus Niederösterreich, Christoph Klarer und Konrad Laimer bei Bayern kommen mit der Durchschnittsnote drei besser weg als etwa Christoph Baumgartner, Nicolas Seiwald, Marcel Sabitzer und Philipp Mwene bei RB Leipzig, Borussia Dortmund und Mainz. Das Quartett schaffte nur Note vier.
Wie würde in Österreichs Bundesliga nach zehn Runden eine ähnliche Bilanz aussehen? Die zwölf Klubs verpflichteten 88 neue Spieler. Wer von diesen 88 machte den Klub bisher wirklich stärker, sorgte für mehr Qualität? Es gibt Vereine, bei denen muss man sagen, eigentlich keiner. Etwa bei den zehn Neuen von Schlusslicht Austria Lustenau. Der dänische Stürmer Nikolai Baden Frederiksen entschied nur ein Spiel, aber nicht in der Bundesliga, sondern in der zweiten Cuprunde gegen die Vienna. Bei der Wiener Austria hat von den Zugängen bisher eigentlich nur Marvin Potzmann, wenn er fit ist, einen Fixplatz. Der von Sportvorstand Jürgen Werner als Juwel bezeichnete Moritz Wels, der nicht bei Sturm Graz bleiben wollte, darf sich vorerst als Kooperationsspieler bei Stripfing in der zweiten Liga „entwickeln“. Der beste von den zehn LASK-Neuen war der von der Salzburg-Filiale Liefering gekommene Stürmer Elias Havel, am öftesten spielte Heimkehrer Andres Andrade. Beim Innenverteidiger waren aber auffällige Fehler dabei. Von den 88 Transfers kann man bisher eigentlich nur zehn die Note eins geben. Von den zehn sind drei Torhüter.
Teamkeeper Alexander Schlager bei Red Bull Salzburg, der bisher um nichts schwächer war als Vorgänger Philipp Köhn. Schlager machte den Sensationssieg in der Champions League bei Benfica Lissabon möglich. Dann der holländische Riese Kjell Scherpen von Sturm Graz trotz seiner Patzer bei der 1:2-Heimpleite in der Europa League gegen Sporting Lissabon. Aber ohne Scherpen wäre Sturm nicht Tabellenführer. Und schließlich Dejan Stojanovic bei Altach. Ohne ihn hätte Altach weit mehr als zwölf Tore kassiert. Altachs Sportchef Roland Kirchler hatte auch bei anderen der insgesamt zwölf Neuzugänge ein gutes Händchen: Bei Innenverteidiger Paul Koller, Linksverteidiger Leandro Lukacevic und den von Hartberg gekommene Offensivspieler Lukas Fadinger. Koller und Lukacevic „entdeckte“ Kirchler in der zweiten Liga bei GAK und Admira. Alle drei sind Stammspieler.
Bei Sturm stecken die anderen Neuzugänge noch in der „Gewöhnungshase“, auch der polnische Stürmer Szymon Wlodarczyk. Der Norweger Seedy Jatta als Nachfolger von Emanuel Emegha ist nicht zu beurteilen, da er beim Debüt drei Wirbelbrüche erlitt. Bei Salzburg verdient noch ein Sommertransfer die Note eins: der dänische Mittelfeldmotor Mads Bistrup. Top war bisher auch der Führende der Torschützenliste, Wolfsbergs Mo Bamba. Der Ivorer kam aus der zweien Liga Israels, ist aktuell der gefährlichste Stürmer der Liga. Hartbergs verdankt den sensationellen vierten Platz auch der neuen Innenverteidigung: Dem 22 jährigen Paul Komposch von der zweiten Mannschaft von Sturm und dem ein Jahr jüngeren Engländer Ibane Bowat, eine Leihgabe von Fulham. Hartberg spielte fünfmal „zu null“- Daran hat zwar auch Tormann Raphael Sallinger großen Anteil, aber die Innenverteidiger genauso. Auch ein dritte Neuer von Hartberg schaffte eine Topbewertung: Der von Scout Rene Swette in der Regionalliga Ost bei Marchfeld gefundene Max Entrup. Bis zu seiner Rückenverletzung war der Stürmer immer für Tore gut. Der einzige der acht neuen Rapidler, der reif für Note eins war: Offensivspieler Matthias Seidl (Bild oben). Möglicherweise wäre dies auch auf den serbischen Innenverteidiger Nenad Cvetkovic zugetroffen, hätte ihn nicht der Kreuzbandriss gestoppt.
Ein eigenes Kapitel ist Austria Klagenfurt, als Fünfter auch eine positive Überraschung. Der Klub konnte aus finanziellen Gründen im Sommer nur mit vier Neuen aufrüsten. Zwei von ihnen, der Deutsche Iba May und Fabio Markelic, fielen bisher verletzt aus, die anderen zwei, Innenverteidiger Nikola Doric und Rapid-Leihgabe Sky Aaron Schwarz kamen zusammen nur auf sechs Kurzeinsätze mit insgesamt 99 Minuten. Die geholten 15 Punkte sprechen auch für die Umsicht von Trainer Peter Pacult.