Österreichs Teamkapitän Julian Baumgartlinger lehnt normal keine Interviewanfragen ab, weil er immer etwas zu sagen hat. Wenn das doch passiert, wie im konkreten Fall vor dem Viertelfinalspiel in de Europa League gegen Inter Mailand am Montag Abend in Düsseldorf, dann muss das besondere Gründe haben. Baumgartlinger stand dem TV-Sender Puls4, der den Schlager ebenso wie RTL live überträgt, nicht für einige Originaltöne zur Verfügung. Weil er den Mund kaum aufbrachte. Das waren die Spuren des 1:0 im Achtelfinale gegen die Glasgow Rangers. Da bekam Baumgartlinger in dern 25 Minuten, in denen er im Finish spielte, im Luftkampf zweimal den Ellbogen eines Gegenspielers voll ins Gesicht. Am Tag danach musste er an der Unterlippe genäht werden. Daher sein Nein zu einem TV-Interview, das nichts damit zu tun hatte, dass er nicht weiß, ob der holländische Trainer Peter Bosz mit ihm in der Startelf plant. Als Ersatz für den gesperrten Chilenen Charles Aranguiz. Bei Inters hochkarätigen Mittelfeldspielern wie Kroatiens Vize-Weltmeister Marcelo Brozovic und dem im Winter von Tottenham geholten Dänen Christian Eriksen könnte eine Lauf-und Kampfmaschine wie Baumgartlinger, der seit Samstag wieder trainiert (Bild oben) schon wichtig sein.
Die Mailänder gelten auch bei den Buchmachern als Favorit, die Quoten auf einen Sieg des italienischen Vizemeisters stehen, auf 2,00 , auf Leverkusens Weiterkommen bei 3,30. Inter bezog seit dem Neustart nach der Corona-Pause nur eine Niederlage, ohne mit Leistungen voll zu überzeugen. Das gilt auch für das 2:0 im Achtelfinale gegen Getafe am Donnerstag. Die Spanier vergaben einen Elfmeter und einige Sitzer, Inters routinierter slowenischer Tormann Samir Handanovic hielt schwere Bälle. Da wackelte die Abwehr um Routinier Diego Godin und den Holländer Stefan de Vrij bedenklich. Inter schärfste Waffe ist der belgische Teamstürmer Romelo Lukaku, dem gegen Getafe sein 30. Pflichtspieltor für Inter gelang. Ihn wollte Trainer Antonio Conte, der sich zuletzt mit den chinesischen Inter-Besitzern vom Suning-Konzern anlegte schon vor seiner Inter-Zeit zu Chelsea holen.
Gegen Getafe kamen Eriksen und der chilenische Stürmer Alexis Sanchez erst von der Bank. Das beweist, wie gut Inter besetzt ist. Der Ex-Klub von Herbert Prohaska hat die Qualifikation für die Champions League als Zweiter der Serie hinter Juventus schon geschafft, Leverkusen müsste als Fünfter der Bundesliga die Europa League gewinnen, um in die Königsklasse zu kommen: „In einem k.o.-Spiel gibt es immer eine Chance“, behauptet Baumgartlinger. Aleksandar Dragovic wird wieder der Backup für Lars Bender sein, den Rechtsverteidiger ersetzen, falls der nicht durchhält. Was bei dem 31 jährigen fast regelmäßig passiert.

