Dienstag begann Thomas Letsch den Trainerjob bei der Austria, vier Tage später soll er für den ersten violetten Sieg in diesem Jahr sorgen. Was konnte der 49jährige Schwabe in der kurzen Zeit verändern? Es st kein leichter Anfang für ihn. Einerseits weil die violette Führungsetage zu seiner Verpflichtung nicht mit einer Zunge spricht. Sportchef Franz Wohlfahrt richtete den Fokus mehr auf die Einstellung der Spieler, speziell der Lifestyle-Sünder, die er angeprangert hatte, als er bei der Letsch-Präsentation am Dienstag meinte: „Die Spieler müssen sich ändern, sonst wird es nicht besser gehen“. Das hat etwas für sich. Aber AG-Vorstand Markus Kraetschmer, der mit Wohlfahrt das Letsch-Engagement betrieben hatte, bezeichnete es als „Risiko“. Als Risikofaktor zu gelten, macht das Himmelfahrtskommando, Austria in zwölf Spielen in den Europacup zu führen, für Letsch nicht leichter. Interessant dass die Austria-Ikone Herbert Prohaska in seiner „Krone“-Kolumne sowohl seinen ehemaligen Klub als auch Sturm Graz kritisierte, weil die auf deutsche Trainer setzten. Es als schwach bezeichneten, dass Andi Herzog, Zoran Barisic oder Didi Kühbauer spazieren gehen. Prohaska wollte damit für die österreichischen Trainer sprechen, zumal sich die ja quer durch Europa bewähren. Dass er drei mit einer Vergangenheit bei Austrias Erzrivalen Rapid nannte, zeugt von Objektivität und Weitblick.
Für Letsch bedeuteten die ersten violetten Tage auch Stress. Dienstag lernte er im Trainingszentrum Steinbrunn bereits um acht Uhr früh die Presseabteilung und sein Trainerteam kennen, zu dem auch Roman Stary, der bisher für die U16 zuständig war, gehört. Auf Stary folgt beim Nachwuchs Ivo Vastic. Eine überraschende Rückkehr sechs Jahre nach einem halbjährigen Gastspiel in der Bundesliga, das mit der verpassten Qualifikation für den Europacup beendet war. Um zehn Uhr leitete Letsch das erste Training, danach Pressekonferenz, ein 20minütiges Interview für das klubeigene Viola-TV und zweites Training. Am Mittwoch kam er um neun Uhr in die Generali-Arena, stellte sich in der Geschäftsstelle allen Mitarbeitern vor. Danach Training. Ebenso Donnerstag plus Fotoshooting. Freitag um elf Uhr Pressekonferenz im Happel-Stadion zum Premierenspiel gegen Wolfsberg, Samstag ab 18.30 Uhr Stunde der Wahrheit. In der am meisten interessiert: Was hat Letsch alles verändert, um wie viel konnte er die Austria in der kurzen Zeit schneller machen?
Um der erfolgreichen Philosophie von Red Bull Salzburg, die Letsch genau kennt, die total auf das Spiel gegen den Ball und schnelles Umschalten aufgebaut ist, entscheidend näher zu kommen, braucht man viel mehr als vier Tage. Da reichen nicht einmal vier Monate. Alles geht nur in kleinen Schritten. All zuviel personelles wollte Letsch Freitag nicht verraten. Die Frage nach der Rolle von Kapitän Raphael Holzhauser musste Freitag kommen. Letsch war darauf vorbereitete, kündigte an, dass die offensiver als zuletzt unter Thorsten Fink sein soll: „Die Bälle von hinten holen soll er bei mir nicht.“ Abwarten, wie das aussehen wird. Und ob es wirklich in der Startformation die ein oder andere Überraschung geben wird, die Letsch nicht ausschloss. Kandidaten? Vielleicht sogar Toni Vastic, der Sohn von Ivo. Was überhaupt nichts mi der Rückkehr des Vaters zu tun hätte. Das Können hat der 24jährige Stürmer, der letzten Sommere eigentlich für die Amateure engagiert wurde.
Etwas Neues gibt es auch noch: Die Fans kommen in Absprache mit der Klubleitung Samstag Vormittag zum Aktivierung-Training beim Happel-Stadion, um den Spielern Mut zu machen, ihnen die Unterstützung zu versichern. Das ist ein schmaler und ein gefährlicher Grat, auf den sch Violett da wagt. Beim grün-weißen Erzrivalen hatten solche Trainingsbesuche, speziell vor den Wiener Derbys, nicht immer nur positiven Charakter, sondern waren mitunter in Drohungen ausgeartet. Sieben Punkte aus den drei Partien gegen Wolfsberg, St. Pölten und in Salzburg will Austria bis zur Teampause holen, um den Rückstand auf die Admira (heute im Duell der Überraschungsteams in Mattersburg) und Rapid zu reduzieren. Wenn Austria nicht gegen Wolfsberg und St.Pölten, den Vorletzten und Letzten der Liga, daheim gewinnen kann, gegen wen dann sonst? Aber die Kärntner holten in den erste vier Runden dieses Jahres mit vier Punkten drei mehr als Austria. Dank des einzigen Sieges in den letzten 19 Runden vor zwei Wochen gegen Winterkönig Sturm in Graz. Aber wenn die Austria, die von den letztens sechs Heimspielen gegen Wolfsberg drei gewann und dreimal über ein Unentschieden enttäuscht war, zur Letsch-Premiere nicht gewinnen kann, wäre das die nächste Bankrotterklärung in Violett. Die man nicht dem neuen Trainer anhängen könnte.

