Fußball

Was bei der Austria von Egon Coordes in Erinnerung blieb

Nach zwei Jahren endete zwölf Monate früher als geplant die Zusammenarbeit zwischen der Austria und Zweitligist SC Stripfing, der letzte Saison vor allem deshalb bekannt wurde, weil er in der dritten Cuprunde Rapid eliminierte und damit den Startschuss zur grün-weißen Talfahrt gab. Dadurch bekamen Austrias Talente Gelegenheit, als Kooperationsspieler in der zweiten Liga zum Einsatz zu kommen. Letzte Saison wurde dies bei neun genützt. Nach dem Abstieg der Young Violets in die Regionalliga Ost machte diese Vereinbarung durchaus Sinn. Vor zwei Wochen stiegen die Young Violets wieder auf, waren daher mit Stripfing in der gleichen Liga. Um die Integrität zu wahren, endete nach Rücksprache mit der Bundesliga die Zusammenarbeit in beiderseitigem Einvernehmen. Stripfing wird seine Heimspiele nicht mehr in Austrias Generali-Arena bestreiten, muss sich eine neue „Heimstätte“ mieten, darf als Übergangslösung noch ein Jahr Austrias Trainingsplätze benützen. Eigentlich sollte in der Marchfeld-Gemeinde mit dem Bau eines neuen Stadions begonnen werde, aber da scheint etwas nicht nach Plan zu laufen.

Keine Kooperation mit einem Zweitligisten gab es, als der Anfang der Woche mit 80 Jahren verstorbene Egon Coordes 1994/95 Austria-Trainer war. Der Norddeutsche wurde mit großen Erwartungen engagiert, da er zuvor als Assistent der Bayern-Trainer Udo Lattek und Jupp Heynckes viermal Meister war, was auch den unerbittlichen Trainingsmethoden des Norddeutschen zugeschrieben wurde. Er kam mit dem „Beinamen“ Schleifer-Egon nach Wien, wo er mitunter zum „Ekel-Egon“ wurde. Journalisten richtete er nach Spielen mitunter das „Götz-Zitat“ aus, der medizinischen Abteilung traute er nicht so richtig über den Weg, daher schickte er verletzte Spieler regelmäßig nach München zu Bayern-Arzt Hans Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Es gab kaum einen Leistungsträger, mit dem es nicht krachte. Coordes (Bild), der eigentlich Polizist in Bremerhaven und damals 49 Jahre alt war, zweifelte Franz Wohlfahrt als Tormann Nummer eins an, hatte an Andreas Ogris ständig etwas auszusetzen, wusste mit dem Litauer Arminas Narbekovas nichts mehr anzufangen. Am Ende wurde die Austria nur Vierter hinter Austria Salzburg, Sturm Graz und Rapid.

Besonders in Erinnerung von Coordes blieben zwei Aktionen: Beim 0:3 in Salzburg tauschte er den nach 35 Minuten eingewechselten Jürgen Kauz eine Viertelstunde vor Schuss wieder aus, obwohl das Wechselkontingent (damals zwei Mann) erfüllt war, spielte lieber mit zehn weiter. Er verkaufte dies als erzieherische Maßnahme. Vier Runden vor Schuss schimpfte er nach dem 3:1-Derbysieg über Rapid im Hanappi-Stadion lauthals auf die Tribüne in Richtung der Austria-Chefetage, weil sein Vertrag noch nicht verlängert war. Er wurde es auch nicht. Auf der Bayern-Homepage wurde Coordes Donnerstag als Mann mit klarer Haltung bezeichnet.

 

Foto: Oe24/Getty.

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