Keine Europacupspiele im Herbst in Wien – die Durchhalteparolen, die auf das Scheitern im Play-off folgten, sind zwar nett, bringen aber nichts. Trainer Hoff Thorup möchte, dass Rapid so weiter macht wie bisher. Das klingt nach dem Selbstfaller gegen Hearts zwar nicht gut, ist aber verständlich, wenn Thorup die bisherigen Resultate als Argument heranzieht. Nach 90 Minuten feierte Rapid bisher acht Siege und spielte zweimal unentschieden, liegt in der Bundesliga auf Platz eins. Ob es so weitergeht, wird sich innerhalb von vier Tagen zeigen: Sonntag in Hütteldorf gegen Sturm Graz vor mindestens 22.000 Zuschauern (so viele Karten waren bereits bis Freitag verkauft), Mittwoch in Salzburg. Der Hearts-Vergleich spricht allerdings für die Fortsetzung des Sturm-Siege gegen Rapid: Sturm schlug in der Champions-League-Qualifikation die Schotten 4.0 und 2:0, Rapid scheiterte an ihnen. Im Frühjahr bezwang Sturm Rapid zweimal 2:0.
Sowohl im Westen von Wien als auch in Graz gibt es im Finish der Transferzeit noch Personalfragen. Bei Sturm geht es noch um einen neuen Stürmer, falls der Pole Szymon Wlodarczyk wechselt. Der Schweizer Meister Thun, Korona Kielce, der Dritte der polnischen Extraklasa und Celje, der slowenische Gegner von Sturm und FC Salzburg in der Europa League, gelten als Interessenten. Bei Rapid geht es darum, den für nur zwei Bewerbe zu großen Kader, zu verkleinern. Unter den Verkaufskandidaten tauchte Freitag erstmals auch Kapitän Mathias Seidl auf, der Sonntag in seiner dritten Saison für Grün-Weiß sein 100. Bundesligaspiel, insgesamt das 149. Pflichtspiel bestreiten wird. Ihn gehen zu lassen, wäre ein großer Fehler, auch wenn die Gefahr besteht, dass Seidl nach Vertragsende im Sommer 2027 ablösefrei geht. Eigentlich hätte Sportchef Markus Katzer den Vertrag mit Seidl schon verlängern müssen, das hat sich fast aufgedrängt, wurde aber verpasst. Rapid braucht Identifikationsfiguren. Seidl ist eine, ebenso Nenad Cvetkovic. Samsunspor zeigte an ihm Interesse, aber das Angebot stellte weder Rapid noch den serbischen Innenverteidiger wirklich zufrieden. Seidl zu verlieren, wäre eine größere Schwächung als der Abgang von Romeo Amane, an dem angeblich Klubs aus Frankreich und England interessiert sind. Sicher nicht aus der Premier League. Letzten Mittwoch beobachtete Ex-Admira-Stürmer Olaf Marschall für den deutschen Zweitligisten Kaiserslautern Amane.
Rapid steht vor drei Spielen in sieben Tagen, daher kündigte Thorup Umstellungen an. Sturm muss weiter ohne Otar Kiteishvili, wird mit tiefem Block verteidigen, weil Rapid dann Probleme hat, Torchancen zu erspielen. Wie sich gegen Hearts zeigte: „Wir müssen mehr Spieler in den Strafraum bringen“, wusste Seidl. Der erstmals in neuer Konstellation auf seinen jüngeren Bruder Simon treffen wird. Bisher bei Rapid – Blau Weiß Linz, diesmal bei Rapid – gegen Sturm Graz: „Das macht schon einen Unterschied“, glaubte Rapids Kapitän. Sturm kennt den Fahrplan für die Europa League: Es beginnt mit dem Heimspiel gegen Rennes, dann geht es nach England zu Bournemouth der Mannschaft von Ex-Salzburg-Trainer Marco Rose, kommen zwei Heimspiele gegen Marseille und Celje, auf die zwei Auswärtspartien folgen. Am 26. November gegen Hoffenheim, die Mannschaft von Ex-Sportchef Andreas Schiucker und Ex-Trainer Christian Ilzer.,danach gegen Alkmaar. Im Jänner empfängt Sturm Ofi Kreta, muss danach nach Zagreb zu Kroatiens Meister Dinamo.
Foto: Yigit Örme.