Erstmals kämpfen 48 Nationen ab Donnerstag in den USA, Kanada und Mexiko um den größten Titel, den es im Fußball gibt. Wer hat das Zeug zum Weltmeister? Ein Blick auf die Formkurve lässt darauf schließen, dass es ein Team aus Europa schaffen wird. Frankreich oder Spanien, erst danach kommen Titelverteidiger Argentinien, Österreichs Gruppengegner, mit Lionel Messi, Portugal, England, Deutschland, Brasilien, Holland und Marokko. Und wo liegt Österreich? Hinter Norwegen auf Rang elf.
Keine andere Mannschaft hat in der Offensive eine höhere Qualität als die Franzosen mit Kapitän Kylian Mbappe, Ousmane Dembele, Desiree Doue und Bayern-Star Michael Olise, der am Montag beim 3:1 (1:0) bei der Generalprobe gegen Irland in Lille alle drei Tore erzielte. Funktioniert alles, ist Frankreich der Topfavorit, auch über Spanien zu stellen. Obwohl der regierende Europameister seit März 2024 nur einmal verloren hat, gegen Portugal im Finale der Nations League nach Elfmeterschießen. Seit nunmehr 30 Spielen ist das Team von Luis de la Fuente unbesiegt. Beim 3:1 gegen Peru wurde Sonntag Barcelona-Star Lamine Yamal geschont, bei der WM sollte er aber auf 100 Prozent kommen. Argentinien ist von Lionel Messi abhängig. Das hat sich seit dem Titelgewinn in Katar nicht geändert, 17 Spieler im Kader gehörten auch zum Weltmeisterteam 2022. Hinter Argentinien kommt Nations-League-Sieger Portugal, der aber zuletzt durchwachsene Ergebnisse hat. Das ändert nichts an der breiten Brust. Weniger wegen des 41 jährigen Cristiano Ronaldo, sondern wegen des Quartetts von Champions League-Sieger Paris St. Germain, wegen Nuno Mendes, Vitinha, Joao Neves und Goncalo Ramos. England kassierte in der Qualifikation kein Gegentor, hat mit Harry Kane und Jude Bellingham Ausnahmekönner – aber der deutsche Teamchef Thomas Tuchel ist „unberechenbar“. Wer weiß, was ihm noch einfällt. Die 0:1-Niederlage gegen Japan im WM-Jahr gibt zu denken. Für den ersten WM-Titel seit 1966 muss mehr kommen.
Deutschland kam seit dem Titelgewinn 2014 nicht mehr in die K.-o.-Phase, scheiterte sowohl 2018 als auch vier Jahre später in der Vorrunde. Seit Monaten stimmen die Ergebnisse, mit dem 40-jährigen Manuel Neuer wurde ein WM-Held von 2014 reaktiviert. Das wirkt allerdings wie eine Panikaktion. Brasilien war im März nicht gut genug, um Frankreich zu schlagen (1:2), aber die Hoffnung, dass der erfahrene Teamchef Carlo Ancelotti mit Topstars wie Neymar und Vini jr., mit Liverpool-Keeper Allison und Paris St. Germain-Kapitän Marquinhos als Abwehrchef, ein kleines Wunder schafft, lebt. Holland hat zwar einen guten Kader, aber zu wenig Durchschlagskraft. Das zeigte sich zuletzt beim 0:1 in Rotterdam gegen Österreichs Gruppengegner Algerien und Montag beim mühsamen 2:1 in New York gegen WM-Neuling Usbekistan mit seinem prominenten Teamchef, Italiens Weltmeister Fabio Cannavaro. Beide Tore fielen aus Elfmetern, die Liverpool-Stürmer Cody Gakpo verwandelte. Den zweiten erst in der 98. Minute.
Marokko hat einen besser besetzten Kader als vor vier Jahren beim überraschenden Semifinaleinzug. Aber diesmal gibt es Erwartungen an das Team von Teamchef Mohamed Quadbi. Der Belgier übernahm den Job für den im März zurückgetretenen WM-Held Walid Regragui. Quadbi war vor einem Jahr mit Marokkos U 20 Weltmeister. Norwegen demütigte in der Qualifikation Italien, hat in der Offensive mit Erling Haaland und Martin Ödegaard Weltklassespieler. Österreich machen trotz des Ausfalls von Christoph Baumgartner die drei Siege im WM-Jahr Mut. Jetzt muss ein guter Start gegen Jordanien gelingen. Marko Arnautovic konnte am Dienstag wieder trainieren, geschont wurde Florian Grillitsch. Mittwoch gibt es das interne Testspiel.
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