Fußball

Wer will neuer Präsident von Rapid werden?

Vom hörbaren Unmut der rund tausend Mitglieder von Rapid, die Montag Abend zur Hauptversammlung ins Allianz-Stadion gekommen waren, blieb von den grün-weißen Führungskräften eigentlich nur Trainer Didi Kühbauer verschont. Der genießt noch Kredit, den Sportchef Fredy Bickel nach 20 Monaten verspielt hat. Selbst die Präsentation der Pläne für das neue, sicher enorm wichtige Trainingszentrum beim Happel-Stadion, das 25 Millionen Euro kosten wird, verkam zur Nebensache. Auch die wirtschaftlich positive Bilanz interessierte nur am Rande. Zurück blieb die Frage, wann und wie es sportlich wieder aufwärts gehen soll. Und mit welchem Präsidenten nach Michael Krammer, der im November 2019 aus privaten Gründen, die jeder respektieren muss, abtritt. Seine Ära wird am Ende für den Stadionneubau und finanzielle Erfolge stehen, aber auch für sportlichen Tiefgang, der mit der Eröffnung des neuen Stadions begann, als alle den Parolen des ehemaligen Sportdirektor Andreas Müller Glauben schenkten.

Das obige Bild von Krammer mit seinem Präsidium wird es nur noch ein Jahr geben. Möglich und sogar wahrscheinlich, dass Bickel (zweiter von links) Mitte März, nach dem Ende des Grunddurchgangs, seinen Rückzug mit Ende der Saison ankündigen wird. Aber wer will neuer Präsident werden? Von Dietmar Hoscher, dem Vorsitzenden des Kuratoriums, zu dessen 65 Mitgliedern unter anderem SPÖ-Politiker Peter Schieder, Integrationsstadtrat Jürgen Czernohorsky, Ex-Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellberg, Ex-Arbeiterkammerchef Werner Muhm, Nationalratsabgeordneter Peter Pilz und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz gehören, glaubt man es zu wissen. Das sagt man auch Ex-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil, der Rapid den inzwischen nicht mehr sehr gefragten Fitnesstrainer Toni Beretzki „vermittelte“, nach. Im November 2019 wird Doskozil bereits Burgenlands Landeshauptmann sein. Und  dieses verantwortungsvolle Amt wird es nicht zulassen gleichzeitig Rapid-Präsident zu sein. So groß die grün-weiße „Liebe“ von Doskozil auch sein mag. Wer dies anders sieht, ist kein Realist.

Seit einiger Zeit klopfen aus Präsidium und Kuratorium einige beim 52jährigen Unternehmer Michael Tojner an Ein großer Rapid-Fan, der über die Varta-AG, die zu seiner Montana-Unternehmensgruppe gehört, seit Jahren dem Rapid-Nachwuchs finanziell unter die Arme greift.  Der sechsfache Vater mietete die schönste, selbst gestaltete Loge im dritten Stock des Allianz-Stadions. Sehr geräumig, weil er aus zwei eine machte. Der Öffentlichkeit bekannt wurde Tojner auch durch seine Pläne in der Immobilienbranche. Sein bekanntestes Wertinvest-Projekt ist der Wiener Heumarkt. Bisher winkte der finanzstarke Tojner, der einen guten Draht zur Rapid-Ikone Steffen Hofmann hat, immer ab, weil er mit den Projekten rund um seine Firmen völlig ausgelastet ist. Daran wird sich in absehbarer Zeit wohl nichts ändern.

Eine Lösung aus dem derzeit amtierenden Präsidium? Einiges würde für Martin Bruckner (im Bild zweiter von rechts) sprechen. Der 53jährige Vorstandssprecher der Allianz-Investmentbank wäre Persönlichkeit genug, um Krammers Erbe anzutreten. Verdient gemacht hat er sich beim Stadionbau unter anderem mit der Idee des Crowdfunding, das via 1500 Investoren drei Millionen Euro brachte. Auch wenn Krammer noch ein Jahr im Amt ist, allzuviel Zeit mit der Suche nach dem Nachfolger gibt es nicht, Denn der müsste eigentlich schon im Frühjahr in die Entscheidung über den Sportdirektor eingebunden sein, Ganz egal, für wen die fällt.

 

 

Foto: © SK Rapid Wien Media .

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