Fußball

Zum 70. Geburtstag von Herbert Prohaska 70 Geschichten über Prohaska – Tag 2

70 Geschichten Herbert Prohaska 70 Geburtstag

Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag.  Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.

Als Herbert Prohaska noch ein Lausbub war, hatte er viele Flausen im Kopf. Sein Trainer bei Ostbahn XI, Rudolf Sabetzer, im Ziviberuf Finanzbeamter, hatte sich zum Ziel gesetzt, ihm die auszutreiben. In einer Woche warf Sabetzer sein größtes Talent, das nicht die harmloseste umstrittene Entscheidung kommentarlos zur Kenntnis nahm, dreimal beim Training raus. In den Trainingsspielen heiß es oft alt (mit Sabetzer) gegen jung. Der Trainer hatte eine Doppelfunktion als Spieler und Schiedsrichter, zog das Match meist so lange hinaus, bis die Alten in Führung lagen. In Prohaskas Gegenwart kam Sabetzer kaum ein lobendes Wort über die Lippen, zu Teamchef Leopold Stastny sagte er allerdings: „Seit Pele habe ich größeres Talent mehr gesehen als diesen Prohaska.“ Pele war Prohaskas größtes Vorbild. Einmal ließ er die brasilianische Adresse des Ballkünstlers ausforschen. Er investierte sein Taschengeld bei einem Übersetzungsbüro, um Pele portugiesisch schreiben zu können, um Autogramme von ihm zu bekommen. Er steckte 50 Bilder von Pele in seinen Brief an ihm, keines kam mit einem Autogramm zurück.

Prohaska war noch nicht 17, als Stastny mich fragte, ob ich Sonntagvormittag Zeit hätte, um ihn auf die Spenadlwiese im Prater zu begleiten. Er werde mir einen zeigen, der einmal Österreichs bester Fußballer wird. Für einen 21 jährigen, der seine Journalistenkarriere aufbaute, gab es kein Überlegen. Ich holte Stastny mit meinem VW-Käfer vom Hotel Fürstenhof, in dem er wohnte ab, brachte ihn zur Spenadlwiese, zum Wiener Liga-Spiel zwischen dem Prater SV und Aufsteiger Ostbahn, bei dem ein Sponsor (Kolkoks) eingestiegen war.  Der noch nicht 17 jährige Prohaska bestritt alle Spiele. Gegen Prater gelang ihm dabei ein Tor, das zu den spektakulärsten seiner Karriere gehören sollte. Als er auf einem berüchtigten Platz die gefürchtesten Verteidiger der Wiener Liga schlecht aussehen ließ. Bei einem Konter sah es fast so aus, als würde der Jungspund auf die Prater-Abwehrspieler warten, um sie auszuspielen. Drei trickste er aus, stand damit alleine vor dem Tormann. Als Prohaska einen Schuss andeutete, flog der Keeper an ihm vorbei. Ein Verteidiger rannte zurück auf die Torlinie.  Auch er fiel drauf rein, als Prohaska wieder einen Schuss andeutete. Prohaska stieg auf den Ball, schupfte ihn dann über den am Boden liegenden Verteidiger locker ins Netz.

Stastny applaudierte sehr lange, was Prohaska mitbekam, die weißen Haare des Teamchefs waren nicht zu übersehen. Stastny lachte sogar Tränen, die er mit einem großen, weißen Taschentuch trocknete. Der junge Journalist hatte seine Geschichte, zu der auch gehörte, dass die grimmigen Prater-Verteidiger Prohaska nach dem Tor drohten: „Wennst noch einmal vor unser Tor kommst, dann liegst.“ Ostbahn gewann 3:1.

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