Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
Herbert Prohaska wird es nie egal sein, was bei seiner Austria passiert. So war es auch 1992 nach seinem Rücktritt. Der interne Streit zwischen der Funktionsgruppe um Vizepräsident Hubert Dostal und den Vertretern des Sponsors Tabakwerke wurde immer größer, Andi Ogris musste als lautstarker Prohaska-Befürworter gehen, kam aber nach fünf Monaten vom LASK wieder zurück. Prohaskas Meistermannschaft zerfiel immer mehr. Beppo Mauhart, der Präsident des Fußballbundes, zugleich als Chef der Tabakwerke Verteter des Hauptsponsors in den Führungsgremien der Wiener Austria, bat Prohaska kurz nach seinem Abgang zu einem Treffen. Als ÖFB-Präsident hatte Mauhart nach der WM 1990 schwierige Zeiten: Zum Start in die Qualifikation für die EM 1992 passierte im September die Jahrhundertblamage, die Österreich zum Gespött der Fußballwelt machte, das 0:1 gegen die Färöer-Inseln im schwedischen Landskrona. Teamchef Josef Hickersberger war die Bitte von Mauhart, nicht vor einem Vieraugengespräch zurückzutreten, in seinem Frust völlig egal. Er demissionierte sofort. Drei Tage später, noch bevor sich die Landesverbandspräsidenten zu Wort meldeten, bestimmte Mauhart den Hickersberger-Assistenten Alfred Riedl zum Nachfolger. Das sorgte für viel Kritik, von einem Billiglösung-Teamchef war zu lesen. Riedls Ära dauerte nur acht Länderspiele, von denen er lediglich eines gewann, nämlich in Salzburg gegen die Färöer-Inseln 3:0. Nach einem grausamen 0:6 in Stockholm gegen Schweden hielt Mauhart an Riedl noch fest, nach einer 0:3-Pleite im Wiener Stadion gegen Dänemark nicht mehr. Für die letzten zwei belanglosen Spiele der EM-Qualifikation war U 21-Teamchef Didi Constantini zuständig. Mauhart ließ sich mit der Teamchefsuche Zeit, ehe er am 20. Dezember 1991 eher unerwartet Ernst Happel im Tabakmusuem präsentierte, den er vom FC Tirol losgeeist hatte. Happels Krebserkrankung war kein Geheimnis. Aber dennoch sagte er, als er auf die Qualifikation für die WM 1994 in den USA angesprochen wurde: „Dann qualifizier´ ma uns halt!“
In diesem Szenario trafen Mauhart und Prohaska einander im Juni 1992 in der Pyramide Vösendorf. Zunächst versuchte Mauhart Prohaska zu überreden, bei der Austria weiterzumachen. Gab trotz eines raschen Nein von Prohaska die Versuche erst nach zwei Stunden auf, als er einsah, dass es keinen Sinn machte, Prohaska sich nicht von seiner Meinung abbringen ließ. Doch dann hatte Mauhart eine andere Variante auf Lager: „Wir suchen einen Trainer für den ÖFB-Nachwuchs, wie schaut´s damit aus?“ Bald erfuhr Prohaska von Mauhart, dass es sich um das U 21-Team handle. Prohaska sagte rasch zu, weil er dachte, nach den Erfolgsjahren bei der Austria könne es für seine Entwicklung als Trainer nur gut sein, einmal mit jungen Spielern zu arbeiten. Prohaska knüpfte eine Bedingung daran: Da er nicht ständig die Mannschaft wegen des Alterslimits umbauen wollte, plante er mit 18- und 19 jährigen zu beginnen, um ein Team zusammenzustellen, das drei Jahre zusammen spielen kann. Mauhart akzeptierte Prohaskas Meinung, dass Resultate im ersten Jahr nebensächlich sein müssten.
Prohaska war nur vier Spiele lang U 21-Teamchef. Sieg gab es dabei keinen. Aus dieser „Verlierertruppe“ schafften aber immerhin sieben Spieler später den Sprung in die Nationalmannschaft, waren Harald Cerny, Mario Haas, Martin Hiden, Roman Mählich und Markus Schopp 1998 bei der WM dabei.