Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
Vom Fachsimpeln mit Ernst Happel, einem Trainer, der 18 internationale und nationale Titel geholt hatte, konnte Trainerneuling Herbert Prohaska nicht genug bekommen. Ihre Büros lagen Tür an Tür. Oft hörte Prohaska Happels lautes Husten. Das hörte sich gar nicht gut an. Danach wagte es Prohaska nicht, die Tür zu Happels Büro aufzumachen. Das ging nicht nur ihm so. Niemand wollte der sein, der Happel tot in seinem Sessel findet. Es war wie eine Erlösung, als nach einer Minute Happels Ruf ertönte: „Schneckerl, kommt auf einen Kaffee!“ Den bestellte er, indem er die Nummer der Telefonistin wählte und in den Hörer sagte: „Helga, bringt uns zwei Kaffee!“ Die Dame hieß nicht Helga, war nicht für den Kaffeeservice zuständig, wagte es aber nicht, Happel zu widersprechen oder ihn über den Irrtum aufzuklären. Die Telefonistin suchte lieber die Bedienerin. Das blieb so bis zu Happels Tod.
Happel spionierte bei Prohaskas Training mit der U-21. Als es Sprintübungen mit Erholungspausen zwischen den Läufen gab, fragte er Prohaska, was er damit bezwecke: „Im Match kann man nach einem Sprint auch nicht auslaufen, bis sich der Muskel erholt hat!“ Prohaska erwiderte, das komme bei ihm im Schnelligkeits-Ausdauertraining vor. Daraufhin sagte Happel: „Aha, kennst dich eh aus!“ Zu seinen großen Stärken zählte es, Fußball mit wenigen Worten erklären zu können!“ Trotz seines Happel-Esperantos, wie man die Mischung zwischen Belgisch, Holländisch und Wienerisch nennen konnte. Zu Spielern war er gnadenlos. Machten sie nicht das, was sie wollten, warf er sie einfach raus. Heutzutage, in Zeiten nach dem Bosman-Urteil, würde das die Klubs in den Ruin treiben.
Nach einem Sieg, je drei Unentschieden und Niederlagen in sieben Spielen, erlebte Happel am 14. Oktober 1992 zum Start in die WM-Qualifikation etwas, was ihm in seiner Trainerkarriere zuvor noch nie passiert war: Kein Torschuss seiner Mannschaft. Passiert bei Österreichs 0:2 im Parc de Prince gegen Frankreich. Stunden zuvor verlor Prohaska U 21 in einem Pariser Vorort 1:6. Nur zwei Wochen später folgte das Heimspiel gegen Israel. Happel ging es schon schlecht, die Stimme war sehr schwach. Als bei der letzten Pressekonferenz vor dem Spiel israelische Journalisten tratschten, brachte der verärgerte Happel nochmals so viel Energie auf, um deutlich hörbar zu sagen: „Ruhe, wir san da net am jüdischen Markt!“ Österreich gewann 5:2, es sollte das letzte Match unter Happel sein. Nach dem Spiel fuhr er nach Innsbruck zur Therapie in der Uni-Klinik, wo er am 14. November starb. Vier Tage später erreichte Österreich mit seinem Assistenten Didi Constantini als Teamchef in Nürnberg gegen Weltmeister Deutschland ein 0:0. Constantini legte Happels Kappe mit der Aufschrift seines Sponsors „Funkberater“ auf die Betreuerbank. Constantini galt als logischer Kandidat auf Happels Nachfolge. ÖFB-Präsident Beppo Mauhart ließ sich mit einer Entscheidung bis Jänner Zeit.