Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
1994 lief es durchwachsen. 1:1 gegen Ungarn in Linz, dann in Wien gegen Schottland nach Führung durch ein Prachttor von Adi Hütter 1:2 verloren, es folgte ein positives Zeichen mit dem 4:3 gegen Polen in Kattowitz, bei dem Peter Stöger drei Tore erzielte, das schlimme 1:5 gegen Deutschland im Happel-Stadion war wieder ein Tiefschlag. Es war das letzte Match des Weltmeisters vor der WM in den USA, bei der Deutschland an der Titelverteidigung scheiterte, Herbert Prohaska Irland unter dem legendären Jackie Charlton als Teamchef beobachtete, weil Österreich in der bevorstehenden Qualifikation für die EM 1996 auf die Iren traf.
Das erste Länderspiel der Saison 1994/95 ging in Klagefurt gegen Russland über die Bühne. Es war das Abschiedsspiel für Prohaskas Freund Walter Schachner, das seine Frau in einem Brief an den Teamchef gefordert hatte. ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig hatte keine Einwände. Rund um die 0:3-Pleite gab es viel Ärger. In der Kabine läutete das Handy von Ralph Hasenhüttl, das damals noch eine „Rarität“ war. Andi Herzog bat wegen eines Schlags auf den Oberschenkel um den Austausch, spielte drei Tage später in der Bundesliga für Werder Bremen von Beginn an. Einige jammerten über die hohen Temperaturen, kritisierten das für sie zu intensive Training. Schachner wurde wie geplant nach 15 Minuten ausgetauscht, ließ sich danach zu unfairen Kommentaren hinreißen, die Prohaska weh taten. Sein Entschluss: Wenn die Spieler so eine schlechte Einstellung haben, ist es besser, ich höre auf. Also erklärte er Beppo Mauhart seinen Rücktritt, erfüllte ihm aber die Bitte, den nicht den Medien mitzuteilen, bevor sie persönlich nochmals miteinander redeten. Er blieb in Kärnten, weil Tochter Barbara dort ihre Ferien verbrachte, traf zufällig den Schauspieler Heinz Marecek und seinen Freund Gustl Starek, sprach mit ihnen über seine Pläne. Sie redeten lange auf ihn ein, Teamchef zu bleiben. Sein Entschluss stand aber fest, bis Mauhart ihn mit seiner Frau zu einem kleinen Gartenfest in sein Haus im zehnten Bezirk einlud. Bei dem er Prohaska bei der Ehre packte, ihm sagte, einer, der bisher als Spieler und Trainer vom Erfolg verwöhnt war, dürfe als Teamchef beim ersten Rückschlag nicht alles hinschmeißen und davon laufen.
Auch wenn es ihm widerstrebte, musste Prohaska Mauhart hundertprozentig recht geben. Es gab den Rücktritt vom Rücktritt, verbunden mit Selbstkritik. Wenn die Einstellung der Spieler nicht stimmt, liegt es auch am Trainer. Das wurde zur Wende seiner Teamchefära, auch wenn es nicht gleich danach aussah.