Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
In der zweiten Austria-Saison war einiges neu: Eine Heimstätte am Verteilerkreis in Favoriten, die Horr-Stadion hieß, aus Assistent Josef Pecanka wurde der Nachfolger von Bela Guttmann und neue Chef, die Einkäufe aus Uruguay, Julio Morales und Alberto Martinez, die im Frühjahr bereit als Flop galten, bewiesen das Gegenteil, entwickelten sich zu Stützen. Sie kosteten zusammen damals eine Million Schilling Ablöse, das wären heute 75000 Euro, an Nacional und Penarol Montvideo. Besonders der 28 jährige Morales, der zuvor fünfmal mit Nacional Meister war, 25 Länderspiele bestritt, den man fast nie ohne Zahnstocher im Mund sah, stach heraus. Im Frühjahr 1974 erschoss im 124. Wiener Derby Hans Krankl den Erzrivalen im Alleingang, erzielte vor 30.000 Zuschauern im Praterstadion alle Tore zum 4:0 Rapids. Ein bitterer Abend für Pecanka, der früher Rapid-Nachwuchstrainer und Krankls Förderer war. Im Cupsemifinale dreht Prohaska mit der Austria den Spieß um: Zuerst 6:2, dann 4:1, bei dem Morales zweimal traf, Martinez ein Volleytor aus 45 Metern Distanz gelang. Rapids Tormann Adi Antrich lag außerhalb des Strafraums am Boden.
Im Cupendspiel gab es ein Austria-Duell zwischen Wien und Salzburg. Bei dem Prohaska mit seinem Wuschelkopf Spuren hinterließ: Beim ersten Finalspiel in Wien erzielt er nach einer Flanke von Robert Sara im Finish das Siegestor, beim zweiten in Salzburg bedeutete ein Flugkopfball von ihm, den Salzburgs Dauerläufer Gerhard Filzmoser abfälschte, den Ausgleich zum 1:1 und seinen ersten Titel mit der Austria. Dennoch hieß der Trainer zur nächsten Saison nicht mehr Pecanka, sondern Robert Dienst, in den Fünfzigerjahren ein gefürchteter Torjäger von Rapid. Der als „harter Hund“ galt, Prohaska nicht so gut einschätzte wie viele andere Experten, ihn mitunter zum Austauschspieler degradierte. Jenen Prohaska, der bei einem Sommerturnier in Mallorca, zum zweitbesten Spieler gewählt wurde. Mit einer Stimme weniger als Barcelonas Topstar Johan Cruyff. Dessen Schwiegervater Cor Coster war ein führender Manager, rief Prohaska dreimal während der Arbeit in der Simmeringer KFZ-Werkstätte an, wollte ihn zu Ajax Amsterdam transferieren. Das ging nicht, weil es für Österreichs Fußballer damals eine Auslandssperre gab. Die wurde erst als Belohnung nach dem guten Abschneiden bei der WM 1978 in Argentinien aufgehoben.
In der wenig erfreulichen Dienst-Ära gab es für Prohaska ein anderes Highlight: Die erste Einberufung in die Nationalmannschaft durch Leopold Stastny. Zum Auswärtsspiel gegen die Türkei. Vor dem Hotel Macka in Istanbul nahm Stastny Prohaska zur Seite. Ihm gefiel dessen Schnurrbart nicht, weil er fand, dass sich junge Spieler nicht älter machen sollten. Also sagte er ihm: „Wenn du den Bart abrasierst, dann spielst du!“ Keine leichte Entscheidung für Prohaska. Denn die Hochzeit stand bevor, und er befürchtete, dabei drei Wochen später ohne Schnurrbart wie ein 15 jähriger auszusehen. Aber dann siegte doch der fußballerische Ehrgeiz. Prohaska griff zum Rasiermesser, spielte im Inönu-Stadion am 13. November 1974 erstmals im Nationalteam. War nervös, nahm kein Risiko, dribbelte selten. Österreich gewann 1:0 durch ein Tor von Sepp Stering, es sollte das letzte Länderspiel von Franz Hasil sein. Drei Wochen später am 3. Dezember heiratete er mit inzwischen nachgewachsenem Bart in der Hofburgkapelle seine Elisabeth.