Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
Bei der WM-Auslosung, durchgeführt von Größen wie Franz Beckenbauer, Carlos Alberto, Georges Weah und Raymond Kopa im Velodrome von Marseille, war Österreich im dritten Topf, bekam Kamerun in Toulouse, Chile in St. Etienne und Italien im Stade de France von Paris als Gruppengegner. Mit Leistungen wie in der Qualifikation wäre es keine unlösbare Aufgabe gewesen, aufzusteigen. Das WM-Quartier war bald danach gefunden: Das Relais de Margaux in einem der berühmtesten Weingüter Frankreichs in der Medoc-Region nahe von Bordeaux. Das wurde bereits im Winter-Trainingslager „getestet“. Damals hatte Prohaska im Kopf, etwas Neues, Spektakuläres zu bieten, mit einer ganz offensiven Taktik für Aufsehen zu sorgen. Aber nach den ersten zwei der vier WM-Tests im Happel-Stadion sah die Welt wieder ganz anders aus. Sechs Gegentore beim 2:3 gegen Ungarn und 0:3 gegen die USA gaben Prohaska zu denken. Die Meinung der Spieler war Prohaska wichtig. Gemeinsam wurde der Entschluss gefasst, vom in der Qualifikation bewährten System nicht abzugehen. Das hatte ja für genug Offensivkraft gesorgt. Heimo Pfeifenberger im Mittelfeld war ein gelernter Stürmer, ebenso die Außenspieler Harald Cerny und Arnold Wetl, dazu Toni Polster und Andreas Herzog. Der wurde aber zum Problem. Wegen einer schweren Zehenverletzung, die er in Bremen erlitt, im Oktober 1997 in Wien von Rapid-Arzt Benno Zifko operieren ließ, danach drei Monate nur mit Spezialschuhen gehen konnte. Aber die „Zehe der Nation“ war dennoch nicht in Ordnung, weil Herzog im letzten Saisonspiel mit Bremen einen Schlag auf die operierte Zehe bekam, die Schmerzen zurückkehrten. Er schluckte Schmerzmittel, wollte unbedingt spielen. Heute weiß Prohaska, dass es vielleicht besser gewesen wäre, auf ihn zu verzichten.
Im Vorfeld der Weltmeisterschaft fragte Mauhart Prohaska, ob man nicht an den erfahrenen Ivica Osim, der gerade mit Sturm Graz Meister geworden war, herantreten sollte und ihn um Mithilfe ersuchen sollte. Osim, bei der WM 1990 Jugoslawiens Teamchef, könnte die Gegner beobachten und wertvolle Informationen liefern. Assistent Erich Obermayer riet davon ab, Prohaska stimmte Mauharts Idee zu, lernte Osim richtig schätzen. Menschlich, weil er nie Ratschläge gab, fachlich durch brillante Analysen über Stärken und Schwächen der Gegner, bei denen alles stimmte. An denen lag es wirklich nicht, dass es nicht so klappte, wie alle wollten. Auch bei den letzten zwei Tests, das 2:1 gegen Tunesien und 6:0 gegen Liechtenstein, war noch viel Luft nach oben. Und dann wartete auf Prohaska noch eine der grausamsten Aufgaben seiner Trainerkarriere: Er musste drei Spielern sagen, dass sie nicht im 22 Mann-Kader waren. Es traf zunächst Adi Hütter, Dieter Ramusch und Martin Amerhauser, der dann aber doch dabei war, weil Gilbert Prilasnig verletzt ausfiel.
Der letzte WM-Test des ersten Gegners Kamerun, das 2:0 in Belgien, war überzeugender als alle vier von Österreich. Die Topspieler der Afrikaner kamen aus den besten europäischen Ligen, Prohaska war von ihrer körperlichen Stärke beeindruckt. Er zeigte den Spielern das Video dieses Spiels und hielt mit seiner Meinung nicht zurück, dass Kamerun um nichts schlechter ist als Favorit Italien. Dennoch bezeichneten viele sogenannte „Experten“ Kamerun als Bloßfüßige. Um Druck von den Spielern zunehmen, sagte Prohaska in der Öffentlichkeit: „Wir müssen froh sein, dass wir in Frankreich sind!“ Das wurde ihm vorgeworfen, auch wenn er Recht behalten sollte.