Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag. Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.
Kurios begannen die Tage in Frankreich: Beim Eröffnungsabend für VIPS und Sponsoren beim Teamhotel im Chateau Margaux, einem der berühmtesten Weingüter Frankreichs, wurde nur Weine aus dem Burgenland serviert. Ganz einfach, weil das Burgenland seit vielen Jahren zu den Teamsponsoren zählte. Bundeskanzler Viktor Klima saß in Toulouse beim 43. Spiel der Ära von Herbert Prohaska, dem erstem bei der WM, gegen Kamerun auf der Tribüne. Andreas Herzog stand in der Startelf, als „Freigeist“ neben Toni Polster, für den die Saison beim 1. FC Köln eine Woche vor der in Österreichs Liga zu Ende gegangen war. Er versicherte zwar dem Teamchef, bis zum Start der letzten WM-Vorbereitung zu trainieren, getan dürfte er es nicht haben. Bei der WM sah es danach aus. Ab der 78. Minute führte Kamerun, Herzog wurde in der 83. Minute ausgetauscht, Polster glich in der Nachspielzeit aus. Aber die Leistung war klar schlechter als in der WM-Qualifikation. Wofür manche Prohaska verantwortlich machten, weil er den Gegner stark geredet und den Spielern bereits Angst gemacht habe. Es begann sich Unruhe breitzumachen. Hannes Kartnig, der Präsident von Meister Sturm, forderte gegenüber den Medien mehr Spieler seiner Mannschaft im Team. Für Prohaska kam es nicht infrage, nach zwei erfolgreichen Jahren alles über den Haufen zu werfen. Gesetzt blieb von Sturm nur Roman Mählich, aber im zweiten Spielen gegen Chile begann statt Herzog mit Mario Haas einer aus der Meisterelf. Bis zur 62. Minute, dann ersetzte ihn mit Ivica „Ivo“ Vastic der Sturm-Kapitän. Herzog kam zur zweiten Hälfte für Didi Kühbauer, dem wenig gelungen war. Chiles Millionenstürmer Claudio Salas von River Plate Buenos Aires und Ivano Zamorano von Inter Mailand waren zusammen teurer als Österreichs gesamtes Team. Zamorano bereitete Chiles Führung nach 72 Minuten vor, wobei der ägyptische Schiedsrichter ignorierte, dass sich Zamorano bei seinem Kopfball auf zwei Österreicher aufstützte.
Ab der 72. Minute hieß es erneut einem Rückstand nachzulaufen. Wieder fiel der Ausgleich in der Nachspielzeit, diesmal durch Vastic. Der im Team eigentlich nie an seine überragenden Auftritte bei Sturm anschließen konnte. Als Freigeist. Die Rolle war im Team besetzt durch Herzog. Vastic, Herzog und Stöger unter einen Hut zu bringen, das ging einfach nicht, Vastic beschwerte sich nie, dass er oft auf die Bank musste, was ihm Prohaska bis heute hoch anrechnet. Er zeigte immer Herz für die Mannschaft, darum war sein Ausgleich etwas Besonderes. Das zweite Unentschieden sorgte für eine noch gereiztere Stimmung. Polster beschwerte sich vor Medien, dass die Familien der Spieler nicht auf Besuch und im Teamquartier übernachten durften. Das fiel unter die Kategorie Ausreden suchen. Gegen Italien begann Vastic vor 80.000 Zuschauern im Stade de France. Ebenso Hannes Reinmayr, der in einer besseren Verfassung als Herzog war. Mit Mählich also drei von Sturm Graz. Von ihrem Klubtrainer Ivica Osim erfuhr Prohaska, dass Italiens Linksverteidiger Paolo Maldini der schwache Punkt in Italiens Abwehr war, weil er immer 15 Meter weg vom Gegner stand. Prohaska stellte daher Mählich auf die rechte Seite, der immer frei war, daher immer angespielt werden konnte. Bei 0:0 übersah der englische Referee Paul Durkin einen Elfmeter für Österreich. Deshalb bekam er in der k.o.-Phase kein Spiel mehr.
Österreich bot seine beste WM-Leistung, hielt das Spiel offen, geriet aber drei Minuten nach der Pause durch Klassetürmer Christian Vieri in Rückstand, schaffte aber den Ausgleich nicht. Auch drei Wechsel halfen nicht. Haas kam nach 62 Minuten für Polster, der dies gar nicht verstand, Stöger nach 75 für Kühbauer, drei später Herzog für Heimo Pfeifenberger. Alles riskiert, aber in der 90. Minute ein Kontertor von Roberto Baggio kassiert. In der Nachspielzeit kam Herzog aus einem Elfmeter noch zu seinem WM-Tor. Zu wenig. Kein Spiel gewonnen, ein Punkt weniger als die Chilenen, die im ersten Spiel gegen Italien ein Unentschieden schafften.
Woran lag es, dass Österreich nicht weiter kam? „Keiner kann glaubhaft beweisen, dass wir mit einer anderen Aufstellung ein Spiel gewonnen hätten“, sagte Prohaska bei seinem letzten WM-Medientermin. Er nahm die Mannschaft gegenüber Vorwürfen, sie hätte sich mit der Qualifikation schon zufriedengegeben, in Schutz. Das interne Ziel war das Achtelfinale. Hätte er den Spielern etwas anderes gesagt, wäre er ausgelacht worden. Große Töne zu spucken war noch nie Prohaskas Sache, weil er von Realitätsverweigerung nichts hält. Sein WM-Fazit: Nur mit einer besseren körperlichen Verfassung der Spiele am Saisonende wären Siege über Kamerun und Chile möglich gewesen, nicht mit mutigerem Spiel. Österreich-Bezwinger Italien schied im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Frankreich nach Elfmeterschießen aus, Frankreich war im Happel-Stadion Österreichs erster Gegner nach der WM.