Statt näher an Tabellenführer Sturm Graz und die Wiener Austria heranzurücken, verpatzte Rapid den Saisonstart mit der zweiten Heimniederlage in der Bundesliga hintereinander total. Das verdiente 1:3 (1:1) gegen Wolfsberg vor 17.900 Zuschauern muss zu denken geben: Denn so wird Rapid auch nächste Runde das Derby bei der Austria verlieren und ohne deutliche Steigerung auch keine im Titelkampf spielen. Im Vergleich zum 3:0 gegen den FC Kopenhagen im letzten Spiel dieses Jahres war es ein Unterschied wie Tag und Nacht. Daher jubelten in Hütteldorfer nur die Ex-Rapidler bei Wolfsberg: Trainer Didi Kühbauer, Torschütze Thierno Ballo, Max Ullmann nach seinem 150. Bundesligaspiel und Tormann Nikolas Polster, der aus dem Rapid-Nachwuchs kommt. Kühbauer verließ zum zweiten Mal als siegreicher Gegner Rapids das Allianz-Stadion. Erstmals war ihm dies vor sieben Jahren mit St. Pölten gelungen. Danach kaufte ihn Rapid um eine sechsstellige Summe aus dem Vertrag bei St. Pölten heraus. Ähnlich wird diesmal nicht gelungen, obwohl Kühbauer durch Wolfsbergs fünften Sieg hintereinander Rapid in der Tabelle überholte und von Platz drei verdrängte.
Rapid kontrollierte zwar gut 70 Minuten lang das Spiel, ohne dabei aber wirklich gefährlich zu wirken. Über den Winter wurden offensiv nichts zugelegt. Nur 21 erzielte Tore nach 17 Runden sind ein Beleg für die grün-weiße Harmlosigkeit. Die erste Chance reichte durch einen Genieblitz des bis dahin kaum aufgefallenen Louis Schaub, der Vorarbeit von Dion Beljo Wolfsbergs Innenverteidiger Dominik Baumgartner und Chibuike Nwawu austrickste. Die zweite und letzte vergab Kapitän Matthias Seidl. Das hätte das 2:0 sein können. Erst danach kam Wolfsberg zur ersten Chance, die Legionär Dejan Zukic nicht nützte. Dann kam Kühbauers glückliches Händchen mit dem Eintausch von Joker Markus Pink. Er war Ende August von Sandhausen aus der dritten deutschen Liga nach Wolfsberg, ließ im Herbst seine Torjägerqualitäten vermissen, traf bei sieben Einsätzen nie. Nach der Vorbereitung präsentierte sich der 33 jährige nicht nur schlanker, sondern auch fitter. Der Ausgleich zum 1:1 nach 73 Minuten war sein erster Treffer in der Bundesliga seit zwei Jahren, damals erzielt für Austria Klagenfurt. Der erst nach Intervention von VAR Manuel Schüttengruber zählte, Linienrichter Johannes Stögerer zeigte nämlich eine Abseitsstellung an. In der dritten Minute der Nachspielzeit traf Pink zum zweiten Mal. Nach einem missglückten Outeinwurf von Rapids Verteidiger Jonas Auer, an den Jakob Schöler nicht herankam.
Rapids Wechsel halfen hingegen nicht. Zuerst Nikolaus Wurmbrand, danach Ercan Kara kamen bei 1:1. Kara nach nur einem Training. Der Rückkehrer war sozusagen die letzte Hoffnung, das Match noch gewinnen zu können. Aber kaum war er gekommen, fiel das 1:2. Als Ballo Bendegüz Bolla stehen ließ und mit links genau ins lange Eck traf. Im Herbst 2021 war Ballo als Chelsea-Leihgabe bei Rapid, spielte bei Trainer Ferdinand Feldhofer aber keine Rolle. Fünf Einsätze in der Startelf, acht als Joker, kein Tor erzielt. Im Jänner 2022 kehrte er nach London zurück, sechs Monate später holte ihn Wolfsberg. Dort entwickelte er sich zur Stütze. Die Bilanz des 22 jährigen in dieser Saison: 16 Spiele, fünf Tore, vier Assists. Das kann sich sehen lassen. Sein Jubel nach dem Tor gegen den Ex-Klub (Bild) zeigte, wie viel ihm dies bedeutete.
„Wir haben uns taktisch nicht gut verhalten, dürfen nicht in den Konter zum Ausgleich laufen“, klagte Rapids Trainer Robert Klauß, „zu wenige fanden den Rhythmus und zu ihrer gewohnten Leistung!“ Das trifft besonders Mamadou Sangare zu, der so viele Fehler beging wie in keinem Spiel davor im Rapid-Dress. Aber auch Beljo, Seidl, Isak Jansson, Lukas Grgic oder Bolla brachten zu wenig. Moritz Oswald hätte vielleicht mehr Energie ins Spiel bringen können, aber offenbar traute ihm Klauß dies wieder einmal nicht zu. Eine Heimniederlage gab es auch im richtungsweisenden Kellerduell. Schlusslicht Altach lag gegen den GAK, bei dem der 2,05 Meter-Riese Florian Wiegele im Tor debütierte, 0:2 zurück, verlor dann den eingewechselten Oldie Alexander Gorgon durch eine rote Karte, schaffte dezimiert den Anschlusstreffer durch den Ex-Admiraner Marlon Mustapha, aber nicht mehr. Altach ist damit unter Trainer Fabio Ingolitsch noch sieglos, insgesamt in 14 Partien. Das 1:2 (0:0) bedeutet fünf Punkte Rückstand auf den GAK.
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