Fußball

Zum 70. Geburtstag von Herbert Prohaska 70 Geschichten über Prohaska – Tag 21

70 Geschichten Herbert Prohaska 70 Geburtstag

Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag.  Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.

Prohaskas neuer Vorgesetzter bei Inter Mailand, Eugenio Bersellini, sah mit kurz geschnittenem Haar so aus, als wäre er früher Feldwebel gewesen. Oder ein Boxer. Durch ihn lernte Prohaska völlig neue Methoden kennen. Er setzte die Spieler im Trainingslager Monte Catini,  nur wenige Kilometer vom bekannten Skiort Madonna di Campiglio entfernt, auf Schonkost. Nicht nur Prohaska hielt es kaum vor Hunger aus. Weißes italienisches Gebäck war verboten. Ebenso alle herrlichen Teigwaren, die viele an Italien schätzen. Keine Spaghetti, Tortellini, Cannelloni.  Als Bersellini einmal ins Zimmer kam und Prohaska in eine Schinkensemmel hineinbiß, herrschte ihn Bersellini an: „No panino, No!“ An Cola oder Fanta war nicht zu denken.  Viel Abwechslung beim Menü gab es nicht: immer Risotto, Steak oder Eiergerichte, Fruchtsalat. Bersellinis Figur ließ aber darauf schließen, dass er ein Feinspitz ist. Um zu schwitzen und schlanker zu werden, setzte er sich sogar mit dem Trainingsanzug in die Sauna. Schlanker wurde er aber nicht. Auch nicht durch stundenlange Touren im Trainingslager über Stock und Stein, durch´s Dickicht. Bersellini legte ein Tempo vor, dass nicht nur Prohaska, sondern auch andere Inter-Stars mit Atemnot zu kämpfen hatten. Prohaska, der den ruhigen Erich Hof gewohnt war, musste sich erst daran gewöhnen, dass Bersellini während des Trainings ununterbrochen schrie, die Spieler damit anfeuern wollte.

Prohaska gelang ein Traumdebüt. Beim Testspiel gegen Mönchengladbach im ausverkauften San Siro war ein 18 jähriger namens Lothar Matthäus sein direkter Gegenspieler.  Bei 2:2 kam Prohaska großer Auftritt mit einem Hattrick zu 5:2. Die Inter-Fans waren begeistert. Bis zur sechsten Runde gab es keine Niederlage, dann kam die Frau Mama auf Besuch und Inter verlor gegen Roma 2:4.  Das erste Inter-Jahr verlief sehr gut. Mehrere Fan-Klubs zeichneten ihn als besten Spieler aus. Im Europacup kam Inter bis ins Semifinale, traf auf Real Madrid. Im Bernabeu-Stadion lief Torjäger Alessandro Altobelli dreimal alleine auf das Real-Tor, traf nie. Inter verlor 0:2.  Prohaska direkter Gegenspieler war Eisenfuß Camacho. Beim Rückspiel sprang Prohaska höher als, der Kopfball ging nach drei Minuten an die Innenstange, von dort dem Tormann ins Gesicht, von dort in die Hände. Das 1:0 war zu wenig, um ins Finale zu kommen. Es reichte nicht zum großen Wurf, auch nicht in der Serie A. Bersellini, denn alle nur „Tedesco“, den Deutschen nannten, ging die Torsicherung über alles.  Nur Mittelfeldstar Evaristo Beccalossi bekam alle Freiheiten, spielt aber mehr für die Fans als für die Mannschaft. Privat waren sie gute Freunde, aber am Feld eiferte Beccalossi auf Prohaska. So scheiterte Meister Inter bei der Titelverteidigung,  wurde hinter Juventus, Roma und Napoli nur Vierter.

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