Fussball-England bewundert einen österreichischen Trainer. Weil Oliver Glasner in drei Monaten mit Crystal Palace im Wembley-Stadion zwei Titel geholt hat. Zunächst den FA-Cup gegen Manchester City, letzten Sonntag unerwartet den Community Shield gegen Meister und Großeinkäufer FC Liverpool. Deshalb werden Vergleiche mit dem Spanier Mikel Arteta gezogen, der seit Dezember 2019 bei Arsenal das Sagen hat, immer oben mitspielt, aber am Ende immer mit leeren Händen dasteht. England teilt mit Glasner den Ärger über UEFA und den internationalen Gerichtshof CAS, weil Crystal Palace nicht in der Europa League spielen darf, sich nächste Runde via Play-off für die Ligaphase der Conference League qualifizieren muss: „Wir haben keinen Fehler gemacht und wurden dennoch bestraft!“
Auch in Deutschland wird über einen österreichischen Trainer geredet, ohne dass dies große Wellen schlägt. Es handelt sich um den 35 jährigen, mäßig bekannten Dominik Glawogger: Der Steirer war 2016/17 beim Wiener Zweitligisten FAC, danach Nachwuchstrainer in Deutschland bei Holstein Kiel und Jahn Regenburg, in Portugal bei Guimaraes, trainierte Teutonia Ottensen in der Hamburger Oberliga, eher er im Mai sechs Runden vor Schluss den Drittligisten Waldhof Mannheim übernahm und die Rettung des ehemaligen Bundesligaklubs schaffte. Mit einer Mannschaft, zu der mit Terrence Boyd und Kelvin Arase zwei Ex-Rapidler gehörten.
Jetzt ist Glawogger in dieser Saison der erste Trainer im deutschen Profifußball, der entlassen wurde. Schon nach zwei Runden, Eine ähnliche Aktion gab es in der Schweiz bei Vizemeister Servette Genf, wo mit Thomas Häberli der ehemalige Teamchef von Estland gehen musste. Glawogger wurden ein Unentschieden und eine Niederlage in Rostock zum Verhängnis. Vorgeworfen wurde ihm unter anderem, dass er den inzwschen 34 jährigen Boyd nicht einsetzte. Für den Rauswurf zuständig war ein Kärntner aus Wolfsberg: Gerhard Zuber, von 2011 bis 2016 Sportchef bei Schalke, von 2017 bis 2021 bei Hannover 96. Auf die Trennung folgte eine Prozesslawine. Im Frühjahr stieg Zuber bei Waldhof Mannheim ein, holte Glawogger und entließ ihn rasch wieder. Genauso schnell präsentierte Zuber den Nachfolger: Luc Holtz, zuvor Langzeitteamchef von Luxemburg.
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