Auf die Torflut gegen Ghana folgte vier Tage später eher Schonkost. Aber es spricht für die Qualität von Österreichs Fussballteam, wenn es Siege feiert, ohne dass es wirklich gut läuft. Das gelang vor 35.600 Zuschauern im Happel-Stadion mit dem 1:0 (0:0) gegen Südkorea. Der erste Schuss auf das Tor der Asiaten bedeutete die Entscheidung: Marcel Sabitzer verwertete zwei Minuten und drei Sekunden vor der Pause die Vorarbeit von Xaver Schlager mit rechts. Sein 25. Tor für Österreich im 95. Länderspiel. Eine stolze Marke. Damit gab es einen neuen Rekord von 13 Heimspielen hintereinander ohne Niederlage, der allerdings keinen Riesenjubel auslöste.
Teamchef Ralf Rangnick rotierte kräftig. Von der Startelf gegen Ghana blieben nur Innenverteidiger Marco Friedl, Linksverteidiger Philipp Mwene, Christoph Baumgartner und Sabitzer in der Mannschaft. Neu hinein kamen Patrick Pentz ins Tor, Konrad Laimer als Rechtsverteidiger, Philipp Lienhart ins Abwehrzentrum, Patrick Wimmr rechts im Mittelfeld, Xaver Schlager und Paul Wanner im Zentrum (im zweiten Länderspiel schon zu beginnen, hätte er heuer bei Deutschland garaniert nicht geschafft), und Marko Arnautovic als einzige Spitze. Bis zur Pause gab es eine Chance, bei der Baumgartner einen Koreaner anschoss, keinen Schuss auf das Tor. Die Koreaner, mit kompakter Fünferabwehr, in der Austria-Legionär Taeseok Lee bis zur 62. Minute im Einsatz war, waren auch nur einmal gefährlich. Sicher war Südkorea disziplinierter und aggressiver als Ghana, ein stärkerer Gegner, aber dennoch hätte von Österreich mehr kommen müssen.
Denoch wechselte Rangnick zur Pause nur einmal. Stefan Posch ersetzte Wimmer, Laimer rückte ins Mittelfeld vor. Posch sorgte über rechts für frischen Wind, war auch an der Aktion zum Siegestor beteiligt. Nach 60 Minuten folgt der Fünferwechsel. Michael Svobdoa für Lienhart, David Alaba statt Friedl, womit der Kapitän etwas länger als geplant spielte, Nicolas Seiwald für Wanner und Michael Gregoritsch für Arnautovic. 18 Minuten später kamen noch Florian Grillitsch für Xaver Schlager, der die meisten Ballgewinne hatte, Rangnick mit seiner Athleetik beeindurckte, Romano Schmid für Laimer, Alexander Prass für Mwene, Carney Chukwuemeka für Sabitzer und Sasa Kalajdzic für Baumgartner. Eigentlich hatte Korea mehr Chancen – aber Österreich gewann. Das zählt. Anderseits schaffte das auch der ersteWM-Gruppengegner Jordanien vor zwei Jahren. Sogar mit 2:0.
Rangnick gefiel die angezogene Handbremse in der ersten Hälfte nicht. In der Pause zeigte er den Spielern durch vier aufgezeichnete Szenen, was er vermisste – die Tiefenläufe. In der zweiten Hälfte gab es mehr, darum war Rangnick mit den zweiten 45 Minuten auch zufrieden: „Mich hat in den eineinhalb Wochen beim Lehrgang keiner enttäuscht“, versicherte der Teamchef, „wir haben im Kader sehr an Breite gewonnen. Mit jedem Wechsel bringen wir mehr Energie auf den Rasen!“ Darum wird er, sollte sich keiner verletzen, in zwei Monaten die Qual der Wahl haben, wenn er den endgültigen WM-Kader nominieren muss.
Foto: ÖFB/Christopher Kelemen.