Samstagabend war er der Stargast im ZDF-Sportstudio. Als sympathischer Nationalheld von Bosnien, der zwei Wochen zuvor mit seinem Tor im Play-off-Finale gegen Italien in Zenica die Verlängerung möglich machte und dann beim Sieg im Elfmeterschießen einen verwandelte. In seinem zehnten Länderspiel sicherte sich der 31 jährige Haris Tabakovic sein erstes WM-Ticket. Im ZDF-Sportstudio bekam er von dem aus seinem Ibiza-Urlaub zugeschalteten Teamchef Sergej Barbarez die Garantie, dass er sicher im WM-Kader dabei sein wird, wenn er gesund bleibt. Drei Jahre zuvor sah es für den in der Schweizer Stadt Grenchen geborenen Tabakovic noch nicht danach aus. Da trug er noch den Dress der Wiener Austria.
Im Sommer 2022 kam er als Schützenkönig deer zweiten Liga von Austria Lustenau ablösefrei nach Wien. Der damalige Austria-Trainer Manfred Schmid hielt offenbar nicht viel von ihm. In den ersten 16 Runden gehörte Tabakovic nur zweimal zur Startelf, erzielte nur zwei Tore. Das war auch mit ein Grund, dass es zum Krach zwischen dem damaligen Sportvorstand Jürgen Werner und Schmid gekommen war, der Schmid den Job kostete. Unter dessen Nachfolger Michael Wimmer blühte Tabakovic auf: 15 Tore in 16 Runden, darunter sechs in den drei Derbys gegen Rapid. Eines beim 2:0-Heimsieg, dann zwei beim 3:3 in Hütteldorf und alle drei gegen Niklas Hedl (Bild) beim 3:1 im zweiten Heimderby. Nach der Saison war er nicht zu halten, machte Tabakovic von der Ausstiegsklausel in seinem Vertrag Gebrauch. Der Wechsel in die zweite deutsche Liga zu Hertha BSC Berlin brachte der Austria eine halbe Million Euro Ablöse. Die Karriere des Bosniers nahm in Berlin so richtig Fahrt auf: Schützenkönig der zweiten Liga, im Sommer 2024 für drei Millionen Euro Ablöse Wechsel zu Hoffenheim, ein Jahr später für 750.000 Euro an Mönchengladbach verliehen. Weil ein Stürmertyp wie er nicht richtig in das Konzept von Trainer Christian Ilzer passt. Seine elf Tore waren für Mönchengladbach die „Lebensversicherung“ im Kampf um den Klassenerhalt.
Im letzten Herbst wurde Tabakovic im Schatten von Bosniens Top-Torjäger Edin Dzeko auch für Bosnien immer wichtiger: Tor beim 2:1-Heimsieg gegen Rumänien, Tor beim 1:1 gegen Österreich im Happel-Stadion, im März schließlich das Highlight gegen Italien. Bei der WM wartet das Nächste: Am 18. Juni in Los Angeles gegen das Land, in dem er geboren wurde, gegen die Schweiz.
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