Kein Sieger in der Meisterrunde. Zunächst kein Tor bei Sturm Graz gegen Hartberg, womit der Tabellenführer noch gut bedient war. Denn es war eine umstrittene Entscheidung des Wiener Referees Isa Simsek, ein Kopftor von Konstantin Schopp wegen eines angeblichen Fouls an Jeyland Michell zu annullieren Das gab selbst Sturm-Trainer Fabio Ingolitsch zwei Tage nach seinem 34. Geburtstag, nach dem siebenten Spiel hintereinander ohne Niederlage, zu. Danach folgte in einem schwachen Wiener Derby das erste Unentschieden nach zweieinhalb Jahren oder sieben Duellen. Das 1:1 (1:0), bei dem es zwei Rudelbildungen gab, eine nach dem Schlusspfiff, half weder der Austria noch Rapid. Der Sieger der Runde war der LASK als einzige Mannschaft, die drei Punkte holte. Daher liegt er nur noch zwei hinter Sturm,kann nächsten Sonntag im direkten Duell mit einem Sieg im Linzer Stadion Platz eins übernehmen.
Austrias Trainer Stephan Helm musste vor dem Derby zweimal umstellen Weil sein bester Offensivspieler, Johannes Eggestein, im Training einen Muskelfaserriss erlitt, was zweifelsohne eine Schwächung bedeutete, weil der Südkoreaner Kang Hee Lee erkrankte Die einzige Spitze war der Ghanaer Kelvin Boateng, statt Lee begann U-17-Vizeweltmeister Vasilje Markovic. Auch bei Rapid gab’s zwei Änderungen, die aber gewollt waren: Jakob Schöller wieder Innenverteidiger, Petter Dahl von Beginn an statt Tobias Gulliksen. Das sollte Rapid torgefährlicher machen – das war Fehlanzeige. Rapid hatte zwar Ballbesitz, aber nur in für die Austria ungefährlichen Zonen. Bendegüz Bolla ließ nach einem Pass von Kapitän Matthias Seidl die einzige Chance ungenutzt. In Führung ging die Austria dank eines Fehlers, der einem Bundesligaspieler normalerweise nicht passieren darf. Romeo Amane hatte den Ball gegen Austrias Kapitän Manfred Fischer erkämpft, wollte ihn unnötig zu Tormann Niklas Hedl zurückspielen. Das wurde zur idealen Vorlage an Boateng, der die nützte, Hedl „tunnelte“ (Bild).
Zur Pause wechselte Rapids Trainer Hoff Thorup nur einen Innenverteidiger (Kouadio Ahoussu statt Schöller), verstärkte nicht die Offensive. Das tat er erst, als die Austria schon 2:0 hätte führen können. Abbakr Barry traf nach 52 Minuten nur die Latte. Nach 62 Minuten kamen Ercan Kara, Jannis Antiste und Yusuf Demir. Antise agierte aufreizend, wich Zweikämpfen aus, Kara erzielte den Ausgleich, als dies nicht mehr zu erwarten war. Zuvor gab es nur einen gefährlichen Rapid-Torschuss durch Bolla, den Tormann Samuel Sahin-Radlinger abwehrte. Dann war er bei einem langen Pass von Bolla aus der eigenen Hälfte nicht gut platziert, Kara, den die Austria-Abwehr übersah, verlängerte mit dem Hinterkopf. Rapid war schon damit gut bedient. Hätte Bolla noch die letzte Chance genutzt, wäre es unverdient gewesen. Kara erzielte vor einem Jahr auch als Joker per Kopf das Tor zum bisher letzten Auswärtssieg Rapids im Derby.
Rapid liegt nach dem glücklichen Unentschieden vier Punkte hinter Sturm auf Platz drei, die Austria holte nur ihren nächsten Gegner Red Bull Salzburg punktmäßig ein, blieb hinter dem Wiener Erzrivalen. Klar, dass es sich für Helm wie eine Niederlage anfühlte. Es blieb dabei: Drei Derbysiege hintereinander gab es zuletzt vor 13 Jahren in der letzten violetten Meistersaison. Für Mittelfeldspieler Florian Wustinger gab es nach dem zweiten Kreuzbandriss und einer Schulterverletzung ein Comeback nach 41 verpassten Partien, es war sein erster Einsatz in der Bundesliga seit 8. Dezember 2024. Thorup sprach von einem gerechten Unentschieden. Das sahen nicht viele. Zwei Auswärtsspiele hintereinander mit Rapid zu gewinnen, schaffte er wieder nicht. „Fußball ist ein Spiel der Fehler“, kommentierte der Däne Amanes Aussetzer, „entscheidend ist immer, wie ein Spieler damit umgeht!“
Foto: Yigit Oerme.