Freitagabend beginnt die WM auch in Kanada. Toronto erlebt die WM-Premiere auf kanadischem Boden: Kanada trifft auf Bosnien, das Team mit den meisten Spielern, die einen Österreich-Bezug haben: In der Abwehr Amar Dedic (früher Salzburg), Tarik Muharemovic (früher Wolfsberg) und der nachnominierte Arjen Malic von Sturm Graz, im Mittelfeld Kerim Alajbegovic, der letzte Saison noch bei Red Bull Salzburg war, Jungstar Ermin Mahmic (früher Rapid-Akademie und Lafnitz), der schon in Österreichs Nachwuchsteams spielte, im Angriff Ex-Austrianer Haris Tabakovic, der allerdings im letzten Bundesligaspiel mit Mönchengladbach einen Mittelfußknochenbruch erlitt und in den drei Gruppenspielen nicht eingesetzt werden kann. Am Weg zur zweiten WM-Teilnahme nach 2014 in Brasilien verlor Bosnien nur einmal. Wegen des 1:2 gegen Österreich in Zenica musste Bosnien in die Play-offs, eliminierte Wales und sensationell Italien, jeweils nach Elfmeterschießen. Die Euphorie ist groß wie lange nicht – jetzt soll erstmals der Aufstieg in die K.-o.-Phase gelingen. Die anderen Gegner sind in Los Angeles die Schweiz und in Seattle Katar.
Im Mittelpunkt steht einer, der alles verkörpert: Kapitän Edin Dzeko (Bild). Nach 148 Länderspielen und 73 Toren hat er mit 40 nochmals die ganz große Bühne. Er ist für Teamchef Sergej Barbarez unverzichtbar, hatte heuer durch den Aufstieg mit Schalke schon sein großes Erfolgserlebnis. Barbarez wird sein Konzept, mit dem er auch Österreich beim 1:1 in Wien in Verlegenheit brachte und das gegen Italien klappte, nicht ändern: Kompakt stehen, Räume eng machen und dann schnell umschalten. Dedic, inzwischen in Diensten von Benfica Lissabon, trifft in Toronto einen seiner Trainer aus Salzburg-Zeiten wieder: Jesse Marsch. Gemeinsam gewannen sie 2020 und 2021 das Double, Freitag sind sie Gegner. Für den 52-jährigen Marsch lief es nach Salzburg weder bei RB Leipzig noch bei Leeds nach Wunsch, mit Leeds stieg er aus der Premier League ab. Seit Mai 2024 ist der Amerikaner kanadischer Teamchef.
Fiel auch im Frühjahr letztes Jahres dadurch auf, dass er gegen US-Präsident Donald Trump polterte, nachdem der öfters über die Umwandlung Kanadas in einen Teil der Vereinigten Staaten gesprochen hatte. Trumps Äußerungen verletzten den kanadischen Nationalstolz, wetterte Marsch. Bei der WM soll gezeigt werden, was der kanadische Charakter ist. Vorerst ohne den Kapitän: Bayern-Verteidiger Alphonso Davies fällt wegen einer Oberschenkelverletzung aus. Der Rekordtorschütze Jonathan David, Legionär bei Juventus Turin, ist dabei.
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