Wenige Sekunden nach der Einwechslung beim 1:4 Bosniens gegen die Schweiz erzielt er sein erstes WM-Tor, das nur Resultatskosmetik bedeutete. Mit dem zweiten sorgte der 21-jährige, in Wels geborene Jungstar Ermin Mahmic für das entscheidende 3:1 (2:1) gegen Katar. Da zog er das Trikot mit der Nummer 26 aus, die gelbe Karte störte ihn nicht. Damit versetzte er ein ganzes Land in Euphorie: Nicht nur in Sarajevo wurde die Nacht durchgefeiert, auch in Wien lebende Bosnier hatten am Donaukanal eine große Jubelparty. Es gelang erstmals bei der WM die Qualifikation für die k.o.-Runde. Bosnien ist schon besser als zwei andere Dritte, als Südkorea nach dem 0:1 gegen Südafrika in Monterrey und Schottland nach dem 0:3 gegen Brasilien in Miami, kann nicht mehr aus den besten acht Dritten fliegen. Wer die besten Gruppendritten sind, wird in der Reihenfolge nach Punkten, Tordifferenz, erzielten Toren, Fair-Play-Wertung und Platzierung in der Weltrangliste ermittelt.
Insgesamt 23 Minuten genügten Mahmic, um bei dieser WM so viele Tore zu erzielen wie Cristiano Ronaldo. Das muss auch in Österreich einige nachdenklich stimmen. Speziell bei Rapid; Von 2019 bis 2023 war Mahmic in der Rapid-Akademie, begann ind er U 15, spielte 2021 viermal in Österreichs U 17 unter Teamchef Oliver Lederer, 2023 ließ ihn Rapid aber zu Zweitligist Lafnitz ziehen. Haben Akademieleiter Willi Schuldes und der damalige U 18-Trainer Jürgen Kerber sein Potenzial falsch eingeschätzt, war er ihnen zu sehr Egoist und zu wenig Teamplayer? In Rapids U 18 schoss Mahmic in 43 Spielen zehn Tore. Offenbar muß er auch für Sportchef Markus Katzer nicht gut genug gewesen sein, um ihn eine Chance zu geben, sich in der zweiten Mannschaft zu empfehlen. Bei Lafnitz musste er in der zweiten Mannschaft beginnen, in der Landesliga spielte, ehe ihn der damalige Trainer Robert Weinstabl zum Zweitligadebüt verhalf. Danach bestritt er zwei Partien in Bosniens U 19. In der Saison 2024/25 wurde Lafnitz aber Letzter und stieg ab. Nach fünf Toren und sieben Assists in 45 Zweitligapartien gab es keine österreichischen Interessenten. Slovan Liberec, der tschechische Klub aus der 100.000-Einwohner-Stadt in Nordböhmen, griff zu. Trainer Radoslav Kovac, ein ehemaliger Nationalspieler, förderte Mahmic.
Gute Leistugnen verhalfen ihm zu Einberufungen in Österreichs U 21. Bei Teamchef Peter Perchtold spielte er in den EM-Qualifikationspartien gegen Belgien zweimal von Beginn an, zuletzt vor drei Monaten. Als sich jedoch Bosniens Teamchef Sergej Barbarez meldete und ihm einen Platz im WM-Kader in Aussicht stellte, entschied er sich für diese Chance, der er in Österreich nicht einmal ansatzweise hatte. Verständlich, wenn man mit 21 plötzlich die Möglichkeit erhält, bei der WM dabei zu sein. Mit acht Toren und vier Assists in 30 Spielen bei Liberec und zwei Treffern bei der WM kletterte der Marktwert von Mahmic inzwischen schon auf stolze fünf Millionen Euro. Der Vertrag in Liberec läuft bis 2029. Der Klub, der für Mahmic keine sechsstellige Summe zahlen musste, kann mit einer Millionenablöse rechnen. Schon nach der WM?
Foto: FIFA.