Fußball

Mit Glück zum 3:1: Österreichs Team hat weiter zu wenig Ideen und Kreativität

Ohne Glück hätte es wahrscheinlich nicht den „Pflichtsieg“ zum Auftakt der Nations League, das 3:1 (1:0) gegen Israel im entgegen den Ankündigungen nicht ausverkauften Linzer Stadion vor 15.200 Zuschauern geben. Bundeskanzler Christian Stocker und Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer sahen neben dem ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Pröll, dass auch 40 Minuten in numerischer Überlegenheit fast nicht zum Sieg gereicht hätten. Die entscheidenden Treffer fielen erst in der 89. und 93. Minute. Von einem Neustart nach der WM konnte keine Rede sein. Schon allein deshalb, weil in der Startelf zehn Mann standen, die auch bei der WM dabei waren. Die einzige Ausnahme war Marco Grüll. Der wurde zur Pause ausgetauscht, obwohl er nicht abfiel.

Die Offensiv-Variante mit Michael Gregoritsch und Sasa Kalajdzic gab es leider wieder nicht. Vom 27 Mann-Kader  mussten vier auf die Tribüne. Das traf Salzburg-Tormann Christian Zawieschitzky, wegen des großen Angebots an Innenverteidigern auch Max Wöber und Neuling Felix Bacher, dazu U 17-Vizeweltmeister Vasilje Markovic. In Wahrheit änderte Rangnick wenig: Weder personell noch in der Spielanlage. So hieß am Ende das Fazit einmal mehr: Stark im Spiel gegen den Ball, viele frühe Ballgewinne, daher dominant, aber mit dem Ball zu viele Defizite. Zu wenig Ideen gegen eine tiefstehende Abwehr, zu wenig Kreativität. Die bekannten Probleme wurden mitgenommen. Was neu war: Österreich hatte in einem Spiel drei Kapitäne.

Es begann Michael Gregoritsch. Der hatte vor den Augen seiner Eltern Pech, überknöchelte, musste nach 36 Minuten ausgetauscht werden. Bis zur Pause folgte auf ihn Nicolas Seiwald, in der zweiten Hälfte spielte Xaver Schlager mit der gelben Kapitänsschleife. Aber nicht nur deshalb war er auffälliger als in den ersten 45 Minuten. In Wahrheit  verhalf auch Israels Torschütze Sayed Abu Farki, ein Legionär von Colorado aus der nordamerikanischen Major Soccer League Österreich zum Sieg: Weil er nach seinem Kopfball, der völlig entgegen dem Spielverlauf nach 55 Minuten das 1:1 bedeutete, der einzige gefährliche Ball auf Österreichs Tor war,  nach dem allgemeinen Jubel noch ein individuelles Jubelprogramm hatte. Er lief  zum Sektor mit den israelischen Fans. Das wäre nicht verboten. Auch nicht, dass er die Eckfahne in die Höhe hob. Die Bewegung danach war aber grenzwertig: Man konnte sie auch als Gewehrschuss  „interpretieren“. Farki soll alle seine Tore auf diese Art feiern. Der schwache bulgarische Referee  Georgi Kubakov, der Farki zuvor nach einer Rangelei mit Kevin Danso Gelb gezeigt hatte, tat dies noch einmal. Daher rot und Israel dezimiert. Das erlösende 2:1 für Österreich fiel aber erst 34 Minuten später.

Rangnick musste nach 36 Minuten tauschen. Da kam Sasa Kalajdzic für Gregoritsch. Zur zweiten Hälfte ersetzte Paul Wanner Grüll.  Nach 73 Minuten kamen zwei „Lokaltadore des LASK“: Kapitän Sascha Horvath debütierte statt des diskreten Seiwald,  Christoph Lang ersetzte Patrick Wimmer. In der 82. Minute war quasi die letzte Hoffnung Carney Chukwuemeka statt Romano Schmid, der knapp vor der Pause einen Elfmeter zum 1:0 verwandelt hatte. Den Elfer holte Kalajdzic (Bild) heraus. Der erwies sich als Glücksfall. Alles was er in Folge machte, hatte Hand und Fuß. Bei allen Toren waren Joker dabei: Wanners Flanke von rechts mit links nutzte Linksverteidiger Philipp Mwene mit rechts zum 2:1, obwohl er den Ball nicht voll traf. Kalajdzic setzte mit einem abgefälschten Schuss noch einen drauf. Mwene zählte dank seines ersten Tors im Teamdress zwar zu den Vätern des Sieges, aber ansonsten war es nicht optimal, dass er von links fast nur mit rechts flankte. Kosovo, am Sonntag Gegner im Happel-Stadion, bezwang in Pristina Irland durch ein Kopfballtor von Fenerbahce-Stürmer Vedati Muriqi in der 83. Minute 1:0 (0:0). Rangnick hat größere Sorgen als Kosovo-Teamchef Franco Foda, sein Vorgänger: Wie sieht es mit Gregoritschs verletztem Knöchel aus? Reicht die Fitness von Kalajdzic für zwei Spiele in vier Tagen? Man kann nur sagen: Hoffentlich!

Im Schlager der Nations League A gab es in Rotterdam zwischen Holland und Deutschland ein 1:1 (0:1). Den Teamchefstart von Jürgen Kiolopp begleiteten Gift, Glück und Frust: Gift, weil Deutschlands Führung durch Felix Nmecha nach 33 Minuten für Diskussionen sorgte, weil Hollands Stürmer Brobbey verletzt am Boden lag, Deutschland aber weiter spielte. Deshalb kam es zur Rudelbildung, die es auch  davor und danach gab. Glück für Klopp, weil nach VAR-Intervention  Hollands 1:0 von Klopps Kapitän zu Liverpool-Zeiten, Virgil van Dijk nicht zählte, Pech, dass Klopps Ex-Liverpool-Star Cody Gakpo noch in der 92. Minute für Holland ausglich.

Foto: ÖFB/Johannes Friedl.

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