Unglaublicher, blamabler Selbstfaller von Rapid: Gegen Hearts, jene Mannschaft, die in der zweiten Runde der Qualifikation zur Champions League gegen Sturm Graz, Rapids nächsten Bundesligagegner, mit 0:6 ausschied, wurde vor 23.795 Zuschauern der Aufstieg in die Ligaphase der Conference League verspielt. Nach dem 2:2 von Edinburgh führte Rapid von der 35. bis zur 79. Minute 1:0, spielte ab der 75. Minute in Überzahl, da der Isländer Tomas Magnusson vom schwachen Referee aus Aserbaidschan die zweite gelbe Karte bekam und runter musste. In Überzahl kassierte Rapdi den Ausgleich, geriet in der Verlängerung in Rückstand, glich nach 119 Minuten noch aus, verlor aber das erste Elfmeterschießen, das es in Hütteldorf gab, mit 3:4. Daher findet der Europacup im Herbst ohne Rapid statt, was Konsequenzen haben müsste. Falls sich Interessenten bis zum Ende der Transferzeit am 3. September melden, was nicht sicher ist, sollte der große Kader verkleinert werden. Letzte Saison unter Peter Stöger gewann Rapid in Dundee das Elfmeterschießen, kam in die Ligaphase, was Mittwoch verpasst wurde. Als Sportvorstand Markus Katzer Stöger entließ, lag Rapid in der Bundesliga auf Platz zwei. Beendet wurde die Saison auf Rang fünf.
Statt frs erhofften magischen Europacupabends gab es ein magisches Desaster. Das Beste passierte vor Anpfiff: Da präsentierten Spieler aus erfolgreicheren Zeiten als derzeit das neue, dritte Rapid-Trikot in Weiß, das an das Hanappi-Stadion erinnern soll. Dazu kamen unter anderem Paul Pawlek, der erste Torschütze im Hanappi-Stadion, Christian Keglevits, Peter Schöttel, Robert Pecl, Gerald Willfurth, Michael Hatz, der jetzt Präsidiumsmitglied ist, Andreas Heraf, Steffen Hofmann, Martin Hiden, Jimmy Hoffer, Veli Kavlak, Ümit Korkmaz, Mario Sonnleitner und Peter Pacult, der letzte grün-weiße Meistertrainer, auf den Rasen. Beste Stimmung, doch das Match wurde zum Stimmungskiller. Schon die erste Hälfte, in der Ercan Kara nach einem geblockten Schuss von Yusuf Demir die Führung erzielte, war nicht gut. Rapid spielte um den Strafraum herum, wurde selten gefährlich. Nach dem 1:0 verlor Rapid immer mehr den Zugriff auf das Spiel, reagierte nur noch, statt zu agieren. Kara rettete einmal auf der Linie, wurde beim Ausgleich nach einem Eckball vom Torschützen, Burkina-Faso-Legionär Pierre Kabore, weggerempelt. Anders als beim Hinspiel bewirkten die Joker Nico Bajlicz und Nikolaus Wurmbrand diesmal wenig. Serge Raux-Yao hatte nach 86 Minuten die Führung am Fuß, sein abgefälschter Schuss ging an die Stange. Da fehlten nur Zentimeter zum Aufstieg.
Doch in Führung ging Hearts nach 111 Minuten, weil Linksverteidiger Jannes Horn nach einer Flanke Calvin Miller frei zum Schuss kommen ließ. Der Volley passte perfekt. Trainer Mads Thorup wechselte erst zehn Minuten später wieder, brachte Moluaye Haidara und erstmals in der Saison Ange Ahoussou, der beim Kurzeinsatz nur Fehler beging. Haidara hingegen leistete die Vorarbeit zum Ausgleich durch Nenad Cvetkovic in der 119. Minute. Ein Happy-End war noch möglich. Das Elfmeterschießen fand auf das Tor vor Rapids Fansektor statt. Ein Pfeifkonzert begleitete jeden schottischen Schützen, doch die ersten vier bewiesen gute Nerven, verwandelten. Der zweite ging unter dem Bauch von Niklas Hedl ins Netz. Bei Rapid verwandelten zunächst Kara und der extra für das Elfmeterschießen eingewechselte Louis Schaub. Doch den dritten schoss Haidara zu schwach, der belgische Tormann Beau Reus parierte. Demir brachte Rapid auf 3:4 heran, der fünfte schottische Schütze scheiterte an Hedl. Der Australier Marco Tilio vergab jedoch den Ausgleich, konnte ebenfalls Reus nicht bezwingen. Verzweiflung beim Schützen, Riesenjubel bei den Schotten (Bild).
Thorup sprach von einem fürchterlichen Abend: „Wir haben in entscheidenden Momenten nicht aufgepasst, bleiben aber trotzdem eine gute Mannschaft!“ Eine etwas eigenwillige Ansicht des Dänen. Bei der ersten Stunde der Wahrheit in dieser Saison versagte Rapid. Auf der Tribüne saß auch Ex-Trainer Robert Klauß.
Foto: Yigit Oerme.