Fußball

Auch nach 5:1-Traumstart ist es besser, die Kirche im Dorf zu lassen

Mit einem Kantersieg begann für  Österreichs Team das WM-Jahr. Das tut gut. Man kann das 5:1 (1:0) gegen Ghana vor 40.200 Zuschauern im Happel-Stadion vom Resultat her durchaus als Traumstart bezeichnen. Trotzdem wäre es besser, die Kirche im Dorf zu lassen. Weil in drei Monaten bei der WM-Endrunde vieles nicht passieren wird, was in einem Test möglich ist. Nicht nur die zahlreichen Wechsel. Ralf Rangnick wechselte bis auf Nicolas Seiwald alle, Ghanas Teamchef Otto tauschte achtmal aus. Es wird auch im Juni nicht erlaubt sein, dass der Schiedsrichter in jeder Hälfte nach etwa 20 Minuten das Spiel unterbricht, um den Teamchefs  die Möglichkeit für taktische Anweisungen zu geben. Gegen Jordanien, Argentinien und Algerien wird garantiert mehr Energie und Intensität im Spiel sein als Freitagabend im Happel-Stadion. Wie etwa am Abend zuvor beim 4:2 des Kosovo in Bratislava gegen die Slowakei im Semifinale des WM-Play-offs. Wer bei beiden Partien live vor Ort war, bemerkte rasch den Unterschied: In Bratislava ging es um sehr viel, in Wien nur um das Prestige.

Das Team präsentierte sich erstmals in den neuen weißen Auswärtsdressen, vor Anpfiff ertönte die Premiere des offiziellen österreichischen WM-Lieds „Wödmasta in Amerika“ von Frönk. Von „Wödmasta“ sollte man trotz 5:1 besser nicht träumen. Rangnick schonte nicht nur David Alaba und Xaver Schlager, sondern auch Konrad Laimer. Der Teamchef entschied sich in der Startelf im Abwehrzentrum für Kevin Danso und Linksfuß Marco Friedl, als Linksverteidiger für Philipp Mwene,  für Florian Grillitsch neben Seiwald im zentralen Mittelfeld, Romano Schmid an der rechten Flanke, Michael Gregoritsch als einzige Spitze. Schmid war an der  schnellen Führung, die aus einem Konter fiel, beteiligt: Danso blieb nach einem Ballgewinn  nicht in der eigenen Hälfte, stürmte mit, bekam von Schmid den Ball in den Lauf gespielt. Beim Duell im Strafraum nahm Ghanas Innenverteidiger Jonas Adjetey, Legionär bei Wolfsburg, die Hand zu Hilfe. Daher Elfmeter, den Kapitän Marcel Sabitzer sicher verwandelte. Ansonsten blieben Torraumszenen Mangelware, Danso und Friedl hatten mit dem schnellen Alleinunterhalter in Gahans Angriff, Prince Mwabena Adu von Viktoria Pilsen, mitunter Probleme. Es passierte aber nichts.

Zur Pause wechselte Rangnick schon fünfmal. Das hatte nichts mit Leistung zu tun, sondern war offenbar der Plan. Je eine Hälfte Alexander Schlager, der keinen Schuss zu halten bekam, und Debütant Florian Wiegele im Tor, Danso und Philipp Lienhart im Abwehrzentrum, Mwene und Alexander Prass linker Verteidiger, der auffällig aktive Schmid und Patrick Wimmer als rechte Außenbahnspieler, Grillitsch und Debütant Paul Wanner im Mittelfeld. Wanner machte sich bald mit seinem starken linken Fuß bemerkbar: einen weiten Pass lenkt Gahans Verteidiger Caleb Yirenyki zu Sabitzer ab, der sah den freistehenden Gregoritsch, der bis dahin wenig im Spiel war, der keine Mühe hatte, das 2:0 zu erzielen. Acht Minuten später verlängerte einen Wanner-Corner (mit links von rechts) per Kopf auf den Kopf von Stefan Posch, das war das 3:0. Posch erzielte nicht nur sein fünftes Tor für Österreich, sondern hatte meist auch Manchester City-Star Antoine Semenyo gut unter Kontrolle. Rangnick wechselte weiter: Marko Arnautovic statt Gregoritsch, Michael Svoboda statt Friedl, mit Carney Chukwuemeka der dritte Debütant statt Baumgartner. Dem gelang 15 Minuten später, kurz nach Ghanas Ehrentor durch Kapitän Jordan Ayew, ein überragender Einstand: Nach Doppelpass mit Sabitzer traf er mit links zum 4:1. Die ganze Mannschaft freute sich mit ihm, besonders Sabitzer, sein Mitspieler bei Dortmund, Kapitän Alaba lief von der Bank zum Jubel.

In der 82. Minute kam mit Innenverteidiger David Affengruber der vierte Debütant, zudem Sasa Kalajdzic zum Comeback. Dann spielte Österreich im Finish mit Dreierkette im Abwehrzentrum, mit Affengruber, Lienhart und Svoboda. Und traf noch einmal: Seiwald setzte in der 92. Minute aus 17 Metern den Schlusspunkt. Sein erstes Tor im Teamdress beim 45. Länderspiel. Die zweite Hälfte war klar besser als die erste, daher war der Jubel groß. Auch Rangnick gefielen die auffälligen Debütanten Wanner und Chukwuemeka: „Sie bewiesen schon im Training ihre Spielintelligenz. Aber dass es gleich so funktionierte, war nicht zu erwarten! Ein rundum gelungenes Spiel!“ WM-Startgegner Jordanien kam in Antalya gegen Costa Rica zu einem 2:2 (1:0), Algerien fertigte in Genua Guatemala 7:0 (3:09 ab. Auch Deutschland begann das EM-Jahr mit einem Sieg: Zwei Geniestreiche von Florian Wirtz sicherten in Basel das 4:3 gegen die Schweiz. Für die Eidgenossen war es die erste Niederlage seit November 2024.

Nicht gut lief es für Österreichs U 21 bei der EM-Qualifikation in Leuven gegen Belgien. Keine klare Torchance im ganzen Spiel, in der 88. Minute fiel Belgiens Tor zum 1:0. Damit ging auch die Tabellenführung verloren.

Foto: Yigit Oerme.

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