Fußball

Auf zwei Punschkrapferl mit Andi Herzog: Die Kritik begann

Freitag Nachmittag, einen Tag nach dem 12. Geburtstag seines Sohns Luca,  sass Andi Herzog mit Israels Team  wieder im Flugzeug.  Zurück von Wien nach Tel Aviv, von einer Enttäuschung mehr. Nur ein Punkt aus den letzten vier Spielen gegen Polen (0:4), Nordmazedonien (1:1),  Slowenien (2:3) und Österreich (1:3), in sieben Partien schon 14 Tore kassiert. Zu wenig Qualität, um sich erstmals für die EM-Endrunde zu qualifizieren. Dienstag muss in Beer-Sheva der Pflichtsieg gegen Schlusslicht Lettland her: „Und dann werden wir schauen, was in den letzten zwei Partien noch möglich ist“, meint Herzog, der sich mit Selbstvorwürfen geißelte, obwohl er sich  nichts vorzuwerfen hat. Nur 35 gute Minuten im Happel-Stadion, eine zweite Hälfte zum Vergessen, da begann er auch seine eigene Arbeit zu hinterfragen.

Eine Situation, wie sie Österreich Team vor 15 Jahren hatte, konstatierte Herzog zu Israels Lage. Mit zu vielen Legionären, die bei ihren Klubs nicht erste Wahl sind, aber daher aktuell nicht wirklich helfen könnten. „Das haben  wir alles schon gewusst“, meinte Tormanntrainer Klaus Lindenberger vielsagend nachher im VIP-Club, als er auf die argen Schwächen in Israels Abwehrzentrum angesprochen wurde. Donnerstag veröffentlichte die „Süddeutsche Zeitung“ eine lange, durchaus bemerkenswerte  Geschichte über Österreichs Rekordspieler als Israels Teamchef. Unter dem Titel „Auf zwei Punschkrapferl mit Andi Herzog“, weil das Interview Wochen vor der Niederlage in Wen in der k.k.Hofzuckerbäckerei Heiner in Perchtoldsdorf geführt wurde.  Donnerstag wird Herzog der Appetit auf Punschkrapferln vergangen sein. Zumindest vorübergehend.

In der „Süddeutschen“ stand  zu lesen, dass er derzeit in zwei unterschiedlichen Welten lebe, die im Happel-Stadion aufeinander trafen. Zumal Herzog einen österreichischen Rekord halte. Nämlich, dass noch nie jemand so oft nicht österreichischer Teamchef wurde wie er. Gleich viermal. Und dass er sich in Israel den Luxus leiste, manches nicht zu verstehen und sich daher mitunter vorkommen müsse wie der berühmte Filmheld Forrest Gump, der wirklich nichts Historisches vorhat und plötzlich neben dem Präsidenten im Bild steht.

Herzog hatte gemeinsam mit Sportchef Willi Ruttensteiner schon Historisches  vor, nämlich Israel erstmals zur Endrunde der Eurpmeisterschaft zu führen.  Das ist nicht gelungen, obwohl er das offfiziell noch gar nicht zugeben darf. Dazu hätte er mehrere wie Torjäger Eran Zahavi gebraucht, der auch in Wien traf, mit dem Prachttor bewies, in der  Form seines Lebens zu sein. Wie es aussieht, wird bis zum Ende der Qualifikation der historische Beitrag von „Coach Andy“, wie sie Herzog in Israel nennen, gewesen sein, dass er es schaffte, Israel zu zeigen, wie Juden und Araber harmonisch zusammen Fußball spielen. Darüber schrieb sogar die Jerusalem Post, das war das schönste Lob, das Herzog bisher in Israel erhielt.

Er erwartete seit der Niederlage in Slowenien und seiner darauf folgenden Wutrede, dass Kritik an ihm los prasseln wird, er mit Vorwürfen leben muss. Passeirte bis Freitag nicht. Im Gegenteil, viele konstatierten, Israel habe noch nie einen Teamchef gehabt, der so mit dem ganzen Herzen dabei ist. Aber Herzog ist auch durch und durch Realist. Sein Vertrag endet mit der Qualifikation, praktisch am Jahresende. Un es könnte passieren, dass eine Teamchefdiskussion  beginnt, wenn Israel die Qualifikation als Fünfter und Vorletzter beendet. Daher geht es in den letzten drei Spielen daheim gegen Lettland und Polen sowie in Skopje gegen Mazedonien darum, zu verhindern, Fünfter zu bleiben. Alles andere wird sich zeigen. Freitag warfen einige Gazetten Herzog unsichere Entscheidungen bei der Niederlage in Wien vor. Konkret wurden sie aber bei den Vorwürfen nicht.

Sportchef Ruttensteiner ist sehr interessiert daran, die Teamchefära Herzog fortzusetzen. Ruttensteiners Vertrag läuft bis 2022. Es ist aber auch ein offenes Geheimnis im Präsidenten-Wahlkampf bei Rapid, dass ein Kandidat (Robert Grüneis) durchaus große Pläne mit Herzog auf Grund seiner grün-weißen Vergangenheit hat. Die Präsidentenwahl in Hütteldorf steigt sechs Tage nach Israels letztem Qualifikationsspiel in Skopje.

Foto: © FOTObyHOFER/Christian Hofer.

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