Fußball

Christian Fuchs und die verlorene Leicester-Leidenschaft

For Fuck´s Sake ist der englische Ausdruck für verdammt noch mal! Nach Leicesters letzter 0:3-Pleite gegen Manchester United wandelte ihn die „Sun“ in „For Fox´Sake“ um. Die „Foxes“in immer größerer Abstiegsgefahr, was auch Torhüter Kaspar Schmeichel eingestand: „Jeder muss jetzt Farbe bekennen, sonst steigen wir ab.“ Als erster Meister in England seit Manchester City 1938. Noch vor Weihnachten rechnete Österreichs Ex-Teamkapitän Christian  Fuchs mit einem Lauf, der Leicester in der Tabelle weiter nach oben bringt. Die Realität sieht anders aus: Als einzige Mannschaft der Premier League in dieser Saison noch ohne erzieltes Tor, das letzte gelang am Silvestertag beim 1:0-Heimsieg über West Ham. Auch die Topstars sind im Tief. Torjäger Vardy erzielte seit September nur einen Treffer, Riyad Mahrez, zum Spieler des Jahres gewählt, traf nur mit drei verwandelten Elfmetern, sonst nicht. Die Sommerkäufe  Ahmed Musa (ZSKA Moskau), Islam Slimani (Sporting Lissabon) und Nampalys Mendy  (OGC NIzza) brachten bisher nichts.  Die Viererabwehr mit Daniel Simspon, Wesley Morgan, Robert Huth und Fuchs, letzte Saison das Bollwerk, gleicht jetzt in gleicher Besetzung eher einem Durchhaus, das man locker ausspielen kann. Auch Fuchs. Siehe das dritte Tor von Manchester  am Sonntag im King Power-Stadium. Oder die Szene, in der ihn Zlatan Ibrahimovic ganz schlecht aussehen ließ. Liegt sicher auch daran, dass der „Staubsauger“ Kante nicht mehr da ist, sondern bei Chelsea aufräumt.

Wo sind die Kompaktheit, Leidenschaft und die Opferbereitschaft aus der Meistersaison? „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die vorbei ist, die neue Situation akzeptieren und dagegen ankämpfen“, forderte Fuchs. Mehr als zuletzt. Bei Englands Buchmachern scheint Trainer Claudio Ranieri als Favorit für den nächsten Rauswurf auf. In den Zeitungen, nicht nur in der „Yellow Press“, auch in den seriösen, mehren sich die Berichte, dass die Mannschaft viele Massnahmen des Italieners nicht mehr nachvollziehen kann, die ständigen Wechsel in Aufstellung und Taktik eher als puren Aktionismus einschätzt. Und ganz zur besorgniserregenden Lage sorgte die verbale Attacke  des argentinischen Stürmers Leonardo Ulloa, der wie schon in erfolgreichen Zeiten fast nur als Joker zum Zug kommt, daher wechseln wollte. Ranieri verhinderte dies bei einem Angebot über acht Millionen von Abstiegskandidat Sunderland. Worauf der wütende  Ulloa Ranieri vorwarf, ihn betrogen zu haben, dem Klub, ihn im Stich gelassen zu haben und ankündigte, nie mehr für Leicester zu spielen. Normal müsste das bei einem Klub, der etwas auf sich hält,  Konsequenzen haben. Aber bei Leicester ist derzeit gar nichts normal.

Tore erzielte Leicester heuer nur im FA-Cup. Beim 2:2 gegen Derby County. Mittwoch Abend gibt´s daheim das Wiederholungsspiel gegen den Zweitligisten. Eine Chance, in die Spur zu finden? Die Möglichkeit, bei den Spielen gegen Sevilla im Achtelfinale der Champions League Ende Februar in der Premier League auf einem der drei Abstiegsränge zu stehen, ist durchaus realistisch. Sonntag würde Leicester, in dieser Meisterschaft noch ohne Auswärtssieg,  von Swansea überholt werden, wenn es im direkten Duell eine Niederlage gibt. Die eigentlich der Papierform entsprechen würde. Vielleicht kann Marko Arnautovic mit Stoke seinem Landsmann Fuchs helfen: Durch einen Heimsieg über den Vorletzten Crystal Palace. Der Drittletzte Hull muss nach der Sensation gegen Liverpool nach London zu Arsenal, Schlusslicht Sunderland empfängt Southampton.

 

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